Schwere Vorwürfe
Kinderarbeit bei H&M & Co.?

Langsam aber sicher konnten uns die überraschend positiven Meldungen überzeugen, die Günstig-Modeketten wie H&M und Co. eine vorbildliche Produktion attestieren. Nun sieht doch alles wieder anders aus. Ein Enthüllungsbuch aus Schweden soll Beweise für Kinderausbeutung bei mehreren Textilketten liefern.

Alle paar Monate gerät der schwedische Textilkonzern H&M in die Schlagzeilen. Nachdem er gerade noch in einem Atemzug mit Zara und Primark für eine umweltfreundliche, giftfreie Produktion gelobt wurde, folgt wieder einmal eine Negativ-Meldung. Die aktuellen Kinderarbeitsvorwürfe sind schwerwiegend und füllen ein ganzes Buch: „Modeslavar“ (frei übersetzt: „Mode-Sklaven “). Erscheinungstermin ist kommende Woche.

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  • Textilfarbrik in Myanmar

    Foto: dpa Picture Alliance

    Immer wieder heißt es, dass Textilkonzerne ihre Ware aus Fabriken (unter anderem in Myanmar) beziehen, in denen Kinder ausgebeutet werden

Kinderarbeit bis in die Nacht
Dahinter stecken die schwedischen Journalisten Moa Kärnstrand und Tobias Andersson Akerblom. Sie reisten nach Myanmar, in die Nähe der Hauptstadt Yangon, wo zwei berüchtigte Textilfabriken liegen – Myanmar Century Liaoyuan Knitted Wear und Myanmar Garment Wedge – und trafen zwei 15-jährige Arbeiterinnen.

Die Mädchen erzählten, dass besagte Fabriken unabhängig vom Alter jeden Interessierten einstellten. So habe eine von ihnen selbst mit 14 angefangen und arbeite, so wie alle anderen, nicht selten bis 22 Uhr und bis zu 12 Stunden am Tag. Einer der größten internationalen Auftraggeber der beiden Produktionsstätten: H&M.

Angeblich alles rechtens
Schwere Vorwürfe, die der Fashion-Konzern auf Konfrontation durch den „Guardian“ weitestgehend von sich wies. In einer Stellungnahme bezog er sich auf die Richtlinien der Internationalen Arbeitsorganisation ILO, die besagten, „dass Arbeiter und Arbeiterinnen zwischen 14 und 18 Jahren keine Kinder“ seien. Im Gegenteil lege man in Myanmar Wert darauf, diese Gruppe nicht vom Arbeitsleben auszuschließen.

Diesem „Anliegen“ kämen dem „Guardian“ zufolge gleich mehrere britische Retailer nach. Auch Marks & Spencer, Tesco, New Look, Gap und einige weitere sollen hier produzieren lassen. Besonders fatal: Im vergangenen Jahr hat die Regierung einen neuen Mindestlohn festgelegt: 3600 Myanmarische Kyat, das entspricht gerade einmal 2,60 Euro für einen ganzen Arbeitstag. Klingt wahrlich bereits bei acht Stunden Arbeit nach Ausbeutung. Und offenbar hält man sich selbst daran nicht immer...

Es gibt für alles eine Erklärung
H&M meint erklären zu können, wie es zu den exorbitanten Überstunden gekommen sei: Es habe Probleme mit den Identifikationskarten einzelner Mitarbeiter gegeben, diese wolle man jedoch schleunigst beheben. „Es ist für uns von größter Bedeutung, dass unsere Produkte unter guten Arbeitsbedingungen und unter Berücksichtigung von Sicherheit, Gesundheit und Umwelt hergestellt werden“, heißt es in der Stellungnahme weiter.

  • Textilfabrik Myanmar

    Foto: Getty Images

    Dass in Myanmar Jugendliche ab dem Alter von 14 Jahren arbeiten, ist per Gesetz erlaubt – angeblich sogar gewünscht! Überstunden und schwere körperliche Tätigkeiten jedoch gewiss nicht

Erst im Januar berichteten wir über „The True Cost“, den Doku-Film von Regisseur Regisseur Andrew Morgan, der die menschenunwürdigen und teilweise lebensbedrohlichen Zustände in Textilfarbriken in Kambodscha, Vietnam, Indonesien und Bangladesch zeigt. Langsam sollte man sich wohl eingestehen, dass mehr dahintersteckt, als falsche Vorwürfe

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