Wie pflege ich meine Kleidung richtig?
Das hat sich gewaschen

Die richtige Textilpflege ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Muss ich Jeanshosen auf links drehen? Gehört der Kaschmirpullover in die Waschmaschine? Und wäscht Pulver nun besser als Flüssigwaschmittel? Waschexperte Thomas Meyer zur Capellen, Professor für Textiltechnologie an der Modeschule „AMD“ in Hamburg, weiß die Antworten.

  • Waschtipps

    Foto: getty images

    Alles rein, Klappe zu und los? Das ist zwar bequem, aber nicht unbedingt gut für die Kleidung. Wer lange Freude an seinen Lieblingsteilen haben möchte, muss einige Waschregeln beachten

STYLEBOOK: Flüssigwaschmittel oder Pulver?
Prof. Meyer zur Capellen: Bei Weißwäsche ist Vollwaschmittel in Pulverform vorzuziehen. Flüssigwaschmittel fehlen bestimmte Zusätze, die die Wäsche weiß halten, das Wasser weich machen und den Schmutz binden. Der Beweis: Bei allen Waschmittel-Tests haben die Pulverwaschmittel immer besser abgeschnitten, auch bei der Umweltfreundlichkeit.
Bei Buntem ist auch Flüssigwaschmittel für alle Textilien gut geeignet und kann sogar für Feinwäsche verwendet werden. Waschnüsse aus dem Ökoladen sind zwar umweltfreundlich, zeigen aber mangelhafte Waschergebnisse.

Es gibt jede Menge Spezial-Waschmittel, z. B. für Schwarzes. Brauche ich die?
Nein, kein sogenanntes Schwarzwaschmittel schneidet besser als befriedigend ab. Die „normalen“ Flüssig-Colorwaschmittel sind völlig ausreichend.

Welche Temperatur ist die richtige?
Waschsymbole, die in keinem Textil fehlen sollten, geben uns die richtige Temperatur an. Oft wird vom Produzenten (aus Reklamationsgründen) eine geringere Temperatur empfohlen, als möglich wäre. Folgendes empfiehlt sich:
Baumwolle: weiß bei 60°C, farbig bei 40°C , es muss kein Schonwaschgang sein, da Baumwolle stark mechanisch beansprucht werden kann. 90°C ist überflüssig.
Leinen, Hanf (Bastfasern): 60°C Schonwäsche. Sonst kann die Faser knittern und brüchig werden. Auf keinen Fall schleudern.
Viskose: Schonwäsche 30-40°C, da sie stark knittert und nass leicht reißt!
Synthetischen Chemiefasern: Werden bei  30-40°C sauber, wenn sie nicht zu lange ungewaschen liegen bleiben. Also, rasch damit ab in die Waschmaschine!
Doch die Temperatur allein ist nicht für das richtige Waschen verantwortlich. Ebenfalls wichtig: Zeit, mechanischer Vorgang, das richtige Waschmittel.

Darf ich Weichspüler benutzen?
Er verbessert das Tragegefühl, verhindert die elektrostatische Aufladung bei Synthetikfasern, erleichtert das Bügeln (Ernergieersparnis!). Wie immer ist die Menge entscheidend! Zuviel belastet die Umwelt. Und es sollte darauf geachtet werden, dass nur Produkte mit biologisch abbaubaren Tensiden verwendet werden. 

Was gehört niemals zusammen in die Waschmaschine?
Weiß und Bunt immer trennen. Raw Denim allein waschen. Feine Strümpfe und Dessous zum Schutz immer im Netz waschen.

Kann ich meinen Kaschmir-Pulli in der Maschine waschen?
Eigentlich kann man alles, sogar Kaschmir und Seide, im Schonwaschgang oder Super-Schonwaschgang waschen. Wichtig: Geringe Beladung, schonende Umdrehungen der Trommel und viel Wasser. Feine Seidenblusen, Strickware aus Wolle oder Mischungen können auch per Hand mit lauwarmem Wasser, leichter Bewegung, mit Woll- oder flüssigem Buntwaschmittel gewaschen werden. Nach dem Waschen die Feuchtigkeit nur vorsichtig ausdrücken, in ein Handtuch einrollen und weiter ausdrücken und unbedingt liegend trocknen. Dann mit Dampf und einem Tuch Bügeln. Sieht aus wie neu!


 

 

Wie wasche ich meine Jeans richtig, damit sie nicht so stark ausbleicht und streifig wird?
Eine Raw Denim sollte die ersten sechs Wochen gar nicht gewaschen werden. Wenn man die Steifheit der Jeans erhalten möchte, muss man sie reinigen lassen. Um Falten oder Streifen zu verhindern: Jeans auf links drehen, bei 40°C im Schonwaschgang waschen (ins letztes Spülbad etwas Weichspüler geben), danach mit 600 Umdrehungen schleudern, in Form ziehen und auf der Leine trocknen. Immer Fein- oder Buntwaschmittel verwenden. Es sei denn, Sie möchten auf schnellem Weg eine „ten years old made“-Denim haben.

Stichwort Schleudern – wie viel Turbo ist genug?

Bei Naturfaser und Regeneratfasern (Viskose, Modal, Lyocell) reichen 600 Umdrehungen, da diese sich mit Restfeuchte besser Bügeln lassen. Baumwolle kann 1000 Umdrehungen vertragen, wird aber nach dem Waschen hart. Hier hilft entweder etwas Weichspüler, oder die Baumwolltextilien in den umweltproblematischen Trockner zu geben.

Hängen, wringen, legen – wie trockne ich richtig?
Alles aus Baumwolle und Leinen kann auf den Wäschetrockner, da diese Gewebe mit Dampf wieder glatt gebügelt werden können. Wolltextilien leicht ausdrücken und liegend trocknen. Ebenso Maschenwaren weil sie ansonsten ausleiern können. Auch Viskose-Kleider und -Röcke liegend trocknen, da Viskose keine gut Nassfestigkeit hat. Chemiefasern werden auf dem Bügel oder liegend getrocknet. Im nassen Zustand sind auch diese Teile formempfindlich.

Was darf ich in den Wäschetrockner tun?
Sinnvoll ist es, die Wäsche auf der Leine im Wind trocknen zu lassen. Wenn überhaupt sind nur Baumwolle und evtl. Baumwoll-Mischgewebe trocknergeeignet. Aber: Fast alle Textilien leiden durch die Temperaturtrocknung bei gleichzeitiger mechanischer Belastung. Und der hohe Energieverbrauch steht nicht im Verhältnis zum Ergebnis.

Was muss unbedingt in die Reinigung?

Beschichtete Textilien, die nicht waschmaschinenbeständig sind. Jacken, Mäntel und Kostüme, die aus verschieden Materialien bestehen und durch das Waschen unterschiedlich einlaufen könnten.

Immer öfter wird sogar vom Hersteller bei Stücken aus Baumwolle geraten, diese in die Reinigung zu geben. Ist das nötig?

Nein, das ist unverschämt. Dann ist die Baumwolle entweder behandelt, um Griff und Glanz zu verbessern, welche beim Waschen entfernt werden. Oder die Baumwolle ist nicht „entspannt“ worden, so dass diese beim Waschen ihre Form verliert. Dabei handelt es sich wohl um eine Vorsichtsmaßnahme der Produzenten, um sich Retouren vom Hals zu halten. Ausnahme: Bei nicht waschbeständigen Prints.

Wie finde ich die Reinigung meines Vertrauens?

Das wüste ich auch gerne! Viele Reinigungen schauen nur in das Pflegekennzeichen und lehnen die Reinigung ab, wenn dieses fehlt. Zumindest sollte die Reinigung sich als Fachbetrieb beweisen, mit Beratung und guten Textilkenntnissen.

Welche Hausmittelchen helfen wirklich bei kleinen Desastern?

Alle Flecken kann man entfernen, wenn man schnell reagiert. Speichel entfernt auch Flecken, da er Enzyme enthält. Bei Rotwein kann Salz helfen. Fleckenspray aus der Drogerie hilft bei fast allen Flecken (an verdeckten Stellen Farbechtheit prüfen). Fett und Schmierflecken löst man mit Isopropanol aus der Apotheke. Blut sofort mit kaltem (!) Wasser auswaschen. Make-up: Mit Isopropanol abreiben, danach mit Orafleck (Spinnrad). Auf dunkler Kleidung versuchen Sie es mit trockenem Brot abzureiben (sanft). Man kann es auch mit Gesichtswasser probieren: auf einen Wattebausch geben, dann abtupfen. Bei Lippenstift kann Glasreiniger helfen.

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