Der Hardrocker der Fashion-Szene
von Christine Korte
Wer ist Peter Marino?

Muskulöser Körper, komplette Ledermontur, klobige Totenkopfringe an den Fingern – der Amerikaner Peter Marino (61) sieht aus, als würde er samstagabends die Tür eines Nachtclubs bewachen. In Wirklichkeit stattet er allerdings die Luxus-Tempel von Marken wie Chanel, Louis Vuitton und Dior aus. STYLEBOOK stellt den wichtigsten Interior-Designer der Modebranche vor.

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    Foto: ddp images/AP

    Peter Marino ist der Rocker unter den Fashion-Leuten. Ihm vertrauen sie die Innenausstattung ihrer Shops an

Als Peter Marino Mitte der 1970er Jahre mit einem Abschluss in Architektur an der Cornell-Universität nach New York kam, war ihm klar, dass er sich in der kargen, intellektuellen Welt der Architektur-Büros nicht heimisch fühlen würde. Das „Kid aus Queens“, wie er sich selber nannte, zog es damals in die glamouröse Welt der Disco-Crowd des Studio 54, wo der internationale Jet-Set feierte und natürlich Andy Warhol. Der gab ihm 1978 dann auch seinen ersten Job: Marino richtete das New Yorker Stadthaus des Künstlers ein. Das zog weitere große Namen an und Marino verschönerte die New Yorker Luxus-Domizile von Designer Yves Saint Laurent, der Fiat-Erben Gianni und Marella Agnelli,  Donna Karan und Calvin Klein.

Sein Stil: Marino traute sich, die Elemente der amerikanischen Renaissance aufleben zu lassen obwohl diese damals als stilloser Pomp abgetan wurden. Außerdem hatte er von Marella Agnelli gelernt, wie wichtig Brüche für eine eigene Handschrift sind. Heute ist Marino dafür berühmt, teure Antiquitäten mit ganz einfachen Möbeln zu mixen.

Dieser Mix machte Marino nicht nur für die Privat-Domizile seiner Kunden wie Designer Giorgio Armani oder LVMH-Chef Bernard Arnault interessant. Sein erster großer Fashion-Auftrag und zugleich sein Durchbruch: der legendäre Department-Store Barneys. Mittlerweile ist sein New Yorker Büro, das 140 Mitarbeiter beschäftigt, für luxuriöse Shopping-Tempel auf der ganzen Welt verantwortlich. Die Shops von Chanel, Dior oder Louis Vuitton tragen Marinos Handschrift. Sein jüngster ist das „Louis Vuitton Maison“ auf der Münchner Maximilianstraße, der gerade seine Pforten geöffnet hat.

Mit der Verfeinerung seines Stils arbeitete der Innenausstatter auch an der Inszenierung seiner eigenen Person. Mit 50 erfüllte sich Marino einen Kindheitstraum und kaufte sich eine Harley Davidson nebst der passenden Ledermontur. Anfangs fuhr er im Biker-Outfit ins Büro und tauschte sie dort gegen Designer-Anzüge. Das wurde ihm bald lästig und er behielt die Lederklamotten einfach an.

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Die Rockerhosen schneidert ihm Saint-Laurent-Chefdesigner Hedi Slimane höchstpersönlich auf den Leib. Er hat so viele davon, dass er sogar einige in sein Fereienhaus nach Aspen auslagern musste. Zur Lederkluft hat er sich natürlich den perfekten Muskelkörper antrainiert. Marino geht sechs Mal die Woche ins Gym. Fast so als würde er für die nächste Gay-Parade trainieren. Aber der Look täuscht – er war verheiratet und hat sogar eine 18-jährige Tochter.

Heute ist das Outfit sein Markenzeichen – und aus Peter wurde „Pedro“, sein rockiges Alterego. Und wenn „Pedro“ einen kreativen Durchhänger hat, steigt er einfach auf sein Motorrad und lässt sich den Kopf frei blasen für neue Ideen. 

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