Der exzentrische Style feiert Revival!
von Stephanie Beckmann
Was bedeutet eigentlich „Boho“?

Es ist mehr als ein Hippie-Fransen-Trend. Eigentlich hat es nämlich rein gar nichts mit Blumenkindern zu tun. Die „bohème“ Art zu Leben hat immer etwas Nachlässiges an sich – der Kleidungsstil dagegen will durchdacht sein! So wie es uns die Boho-Queens von gestern und heute vormachen.

  • Boho-Style

    1/14

    Foto: getty images

    Sie lassen den Boho-Look gerade wieder kräftig aufleben (v. l.): Veruschka, Florence Welch, Vanessa Paradis, Mary-Kate Olsen

In dieser Sommer-Saison ist der Bohème-Stil wieder mehr als angesagt. Auf den Laufstegen sah man Pyjama-Hosen, Lagenlooks, Maxi-Kleider und Röcke im Print-Mix; Muster wie Paisley, Blumen, Batik und psychedelische Ethno-Motive.

Die Bezeichnung „bohème“ entstammt eigentlich einer intellektuellen Abgrenzung in Frankreich, die für kreativen Freigeist steht. Der Ursprung der Wortschöpfung aber geht auf Sinti und Roma aus Böhmen zurück – beide Herleitungen zusammen ergeben einen lässigen, aber exzentrischen Mode-Mix, der für Selbstverwirklichung steht. 

Diese Haltung demonstrierten auch die Vorreiterinnen des Boho-Stils wie die Picasso-Muse Dora Maar (1907-1997), die den Maler mit ihrer geheimnisvollen Schönheit und Theatralik begeisterte – die sie mit langen, persischen Gewändern und Federn inszenierte.

In den 60er- und 70er-Jahren flammte der Modetrend erneut auf. Romy Schneider (†43), Model Veruschka von Lehndorff (73) und Rolling-Stones-Groupie Anita Pallenberg (68) mischten ihre hippiesken Outfits mit einem guten Schuss Dekadenz. Designer-Klamotten von Chanel wurden mit Modeschmuck und dramatischem Make-up kombiniert.

Yves Saint Laurents Gefährtin Loulou de la Falaise (†63) bastelte sich zu dieser Zeit aus der Tischdekoration des Abends gerne mal ein Armband und einen Turban. Das gefiel dem Modeschöpfer, prompt machte er sie zur Schmuck- und Hut-Designerin für das Couture-Haus. Ihre nonchalante Art, sich zu kleiden, war so gar nicht „Paris“, sondern ein Mix aus der französischen Metropole, New York und Marrakesch – und ist bis heute ein Vorbild für Individualistinnen.



In den 90er-Jahren feierten zum Beispiel Vanessa Paradis (39) und Sienna Miller (30) ein Revival der Gipsy-Röcke, Schlapphüte, langen Ketten und Westen. Heute wirkt der bohème Modestil wieder weniger fransig, klimpernd und wild. Statt mit Cowboystiefeln und Türkis-Schmuck werden Pyjama-Hosen mit weißen Blusen, T-Shirts und Blazern kombiniert, wallende Kaftane mit Slim-Pants.

Der Trend ist großstädtischer und sieht weder nach Strandurlaub auf Ibiz, noch nach Musik-Festival à la Woodstock aus. Grafische oder fernöstliche Prints auf Oversized-Kleidern und Blusen werden mit Art-Deko-Schmuck kombiniert, schwarzer Lidstrich mit gegelten Haaren getragen, Jazz-Age-Kleider bleiben solo – ohne viele Accessoires.

Stilbrüche und Vintage-Teile vollenden den Look, wie zum Beispiel bei den neuen Boho-Queens: Isabel Lucas (27), Lou Doillon (29) oder Florence Welch (25, Florence and the Machine). Profis auf dem Gebiet bohèmer Klamotten-Kombinationen sind auch die Designerin Margeritha Missoni (29), das It-Girl Nicole Richie (30) und die Olsen Twins Ashley und Mary-Kate (26). Das Glamour-Paar Sean Lennon (36) und Kemp Muhl (24) shoppt am liebsten Mode aus vergangenen Jahrhunderten.

Wer Spaß beim Styling empfindet und einen Hauch von Dekadenz mitschwingen lässt, tritt auch garantiert nicht in die Hippie-Falle!

Kommentare


Blogs