„Lederjacken“ aus Kork, Kleider aus Plastikflaschen
von Thomas Helbing
12 Beispiele, wie cool Öko-Mode sein kann

Kann Mode ökologisch, nachhaltig UND trendy sein? Ja! STYLEBOOK.de hat auf der Modemesse „Greenshowroom“ Modemacher entdeckt, die schick und fair clever kombinieren.

Die Nachfrage nach Eco-Fashion steigt, immer mehr Designer widmen sich dem Thema nachhaltige Mode. Doch die meisten Konsumenten verbinden mit Öko-Mode immer noch grob gestrickte Pullover aus kratziger Wolle und Teile aus bräunlichem Sackleinen, aber keinesfalls trendige Klamotten.

Die Labels, die sich beim Greenshowroom anlässlich der Berliner Modewoche präsentierten, wollen dieses Vorurteil widerlegen. STYLEBOOK.de hat sich umgesehen und zeigt clevere Designer-Ideen, wie sich Ethik und High Fashion hervorragend verbinden lassen. Wichtigstes Thema: Upcycling, also das Wiederverwerten getragener Kleidung, das Verwenden von Stoffresten aus der textilen Großproduktion oder das Verwandeln von Plastikmüll in Textilfasern. Aber sehen Sie selbst:

  • Johanna Riplinger

    Foto: getty images

    1. Öko-Mode ohne Öko-Look

    Dass Eco-Fashion nicht zwangsweise nach Müsliesser aussehen muss, beweist die Designerin Johanna Riplinger, die deutsche und amerikanische Wurzeln hat und in Paris lebt. Riplingers Mode ist farbenfroh und unterscheidet sich optisch kaum von normaler Prêt-à-porter. Für ihre bunten Entwürfe lässt sie sich vom Farbenreichtum Indiens inspirieren, für das Einfärben von Seide, Leinen und Baumwolle – alles aus biologischem Anbau – verwendet sie uralte Färbetechniken mit natürlichen Farbgebern wie Samen, Blüten und Wurzeln. Das vermeidet den unnötigen Einsatz giftiger und umweltbelastender Chemikalien, die bei der herkömmlichen Textilveredelung benutzt werden

  • Lederjacke aus Kork

    Foto: Thomas Helbing für Stylebook.de

    2. Mode aus Kork

    Diese Jacke sieht zwar aus wie aus Leder gefertigt, besteht aber aus Kork. Dafür werden Schichten der Korkeiche mit einem biologischen Kleber zu einer hauchdünnen Schicht verklebt. Das Material ist viel weicher und vor allem leichter als echtes Leder, trotzdem atmungsaktiv und natürlich robust. Ausgedacht hat sich das, das Hamburger Eco-Label Bleed. Das vermeidet den Einsatz von giftigen Chemikalien, die sonst bei der Lederproduktion zum Einsatz kommen. Zudem werden so die Bestände der gefährdeten Korkwälder gerettet. Denn Kork ist nicht nur ein nachwachsender Rohstoff, sondern die Rinde der Korkeiche schützt den Boden vor Erosion und erhöht die Regenwasseraufnahme. Außerdem bindet sie das Treibhausgas CO2, was durch ein Abschälen der Rinde in Abständen von neun Jahren sogar noch verstärkt wird

  • RCM Clothing

    Foto: PR

    3. Mode aus Hanf

    Das finnische Label RCM Clothing verwendet für seine Kollektionen vorwiegend Materialien aus Hanf oder Hanf-Gemischen. Gleich vorweg: Nein, davon kann man sich keinen Joint bauen. Der Vorteil von Hanffasern: Hanf ist viel anspruchsloser als Baumwolle, z. B. reduziert sich dadurch der Wasserverbrauch beim Anbau, auch auf giftige Pestizide kann beim Hanfanbau verzichtet werden. Im Gegensatz zum Baumwoll-Anbau, wo extrem viel Pestizide zum Einsatz kommen, die schädlich für Mensch und Umwelt sind. Somit sind Hanf-Textilien gut für Allergiker. Kratzig auf der Haut? Im Gegenteil: Hanf ist weicher als Baumwolle. Besonders toll ist Kleidung aus Hanf im Sommer, da es Feuchtigkeit extrem gut aufnimmt und die Faser antibakterielle Eigenschaften aufweist (Stichwort: Schweißgeruch!)

  • Taschen Schuhe Nine to five

    Foto: PR

    4. Taschen und Schuhe aus Fischhaut

    Dieser Fisch stinkt nicht, sondern sieht vor allem super aus. Für ihre Taschen und Schuhe verwendet Sandra Schittkowski vom Label Nine to Five teilweise Lachsleder. Die Haut der Edelfische aus Biolachsfarmen, die bei der Fischproduktion als Abfall übrig bleiben, werden aufwendig und ökologisch aufbereitet, sind außerdem robuster als normales Leder. Andere Teile in der Kollektion bestehen aus hochwertigem Kalbsleder, das aber nicht mit extrem giftigen, allergieauslösenden Chromsalzen gegerbt wird, sondern mit Extrakten aus der Rhabarberwurzel oder Holz-Extrakten des Kastanienbaumes. Das ist nicht nur voll öko, sondern macht das Leder viel weicher und langlebiger

  • Unterhose von Wonderlands

    Foto: getty images

    5. Unterhose aus Plastikmüll

    Diese Bux war mal eine PET-Flasche. Jedenfalls ein Teil des Materials besteht aus recyceltem Plastikmüll, der zu feinen Polyester-Fäden versponnen wird. Der Rest der Unterhose des Schweizer Labels Wonderlands besteht aus recycelter Baumwolle. Wer diese Unterhose trägt, bei dem wächst was Großes: Denn das Verpackungsmaterial des Slips besteht aus Zellulose und Rucola-Samen, einfach in die Erde stecken und ernten. Zudem gehen Teile des Verkaufserlöses an weltweite Entwicklungsprojekte, jeder Konsument kann dabei beim Kauf selbst entscheiden, welches Projekt er unterstützt

  • Jan n June

    Foto: PR

    6. Mode aus Plastikschrott

    Auch das Label Jan ’n June verwendet in seinen Kollektionsstücken Materialien, die aus recyceltem Plastikschrott aus den Ozeanen stammen. Dieser wird eingeschmolzen, zu Kunstfasern versponnen und mit anderen Materialien vermischt. Außerdem verwenden die beiden Labelgründerinnen Anna Bronowski und Juliana „Jula“ Holtzheimer Materialien aus Micro-Modal-Fasern, die aus Buchenholzabfällen gewonnen werden und deren Herstellung CO2-neutral ist. Dieser sowie alle Produktionsstufen jedes einzelen Jan ’n June-Teils ist für jeden Endverbraucher transparent und nachvollziehbar

  • Sonnenbrille von Antonio Verde

    Foto: PR

    7. Diese Brille war ein Computer

    Das ist mal eine echte Nerdbrille. Denn das Gestell des Sonnenbrillenmodells „Trento“ des Öko-Brillenlabels Antonio Verde besteht teilweise aus recycelten Apple-Computern. Nur die Bügel sind aus Bambusholz gefertigt

  • Schmuck von Amalena

    Foto: PR

    8. Schmuck aus quecksilberfreiem Gold

    Den Schmuckstücken des Labels Amalena haftet kein bitterer Beigeschmack an. Denn hier kommt nur ethisch korrekt geschürftes Gold aus Kolumbien zum Einsatz, das nicht mit dem Einsatz von hochgiftigem Quecksilber oder Cyanid gewonnen, sondern natürlich ausgewaschen wird. Gefertigt werden die Ketten, Ringe und Armbänder von Frauen der Region. Goldig: Auf der Amalena-Webseite kann man die Stücke nicht nur direkt shoppen (eine Kette kostet ab 600 Euro), es werden alle Goldschmiedinnen mit einem kleinen Steckbrief vorgestellt

  • Hemd von Carpasus

    Foto: Thomas Helbing für Stylebook.de

    9. Korrektes Business

    Das Schweizer Label Carpasus will DAS perfekte Herrenhemd liefern und legt Wert auf Liebe zum Detail. Gefertigt aus Öko-Baumwolle, die Kragenstäbchen aus Galalith (Kunststoff, der aus Milch gewonnen wird) und mit Knöpfen aus natürlicher Steinnuss. Neben klassischem Schnitt und hoher Qualität steht das korrekte Hemd (ca. 140 Euro) vor allem für faire Arbeitsbedingungen: Jedes Hemd trägt einen Code im eingenähten Wasch-Etikett. Wer diesen auf der Carpasus-Webseite eingibt, erfährt genau wer und wo das Teil produziert hat und wurde, die Produktionskette vom Anbau bis zum Endhändler wird transparent. Gute Sache!

  • Invincible-T-Shirt von Aluc

    Foto: PR

    10. Das andere T-Shirt made in Bangladesch

    Welche Folgen der weltweite Textilkonsum und die -produktion haben können, konnte die ganze Welt im April 2013 beim Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch miterleben. Mehr als 1130 Menschen starben in den Trümmern, Hunderte Näherinnen der Fabrik verloren eine Hand, einen Arm, ein Bein, werden nie wieder arbeiten können, wurden ihrer Existenz beraubt. Das Berliner Öko-Label Aluc engagiert sich für das Projekt Oporajeo. Dort arbeiten Leute, die das Unglück von Rana Plaza überlebt haben. Das „Invincible“-Upcycling-T-Shirt von Aluc wird von diesen Menschen und Resten aus der lokalen Textilproduktion produziert. Made in Bangladesh kann also auch fair funktionieren. Aber: Die Produktion des T-Shirts wird crowdsupported, das heißt die Produktion findet erst nach dem Erreichen einer Gesamtbestellmenge von 1000 Stück statt. Die ersten 100 T-Shirts werden zudem zu einem speziellen Preis von 19 Euro verkauft, die nächsten 200 Unterstützer können es für 24 Euro erwerben, danach wird es zum regulären Preis von 29 Euro angeboten. Der Konsument entscheidet also. Vor allem Großabnehmer wie Promoagenturen oder für Konzert-T-Shirt sind zur Unterstützung aufgerufen

  • Pullover von Mud Jeans

    Foto: PR

    11. Die Pfand-Jeans

    Das Label Mud Jeans bietet nicht nur Hosen aus ökologischem Denim, die fair hergestellt sind, sondern neben einem kostenlosen Jeans-Reparaturservice auch ein Jeanshosen-Pfandsystem. Heißt: Wer seine alte Mud Jeans zurückschickt, bekommt zehn Euro beim nächsten Kauf gutgeschrieben. Dieser Jeansmüll wird aber nicht einfach weggeworfen, sondern so aufbereitet, dass daraus kuschelige Pullover entstehen. Diese Jeans kneift garantiert nicht mehr

  • Schuh aus veganem Leder von Freivon

    Foto: Thomas Helbing für Stylebook.de

    12. Ein Schuh aus Mais

    Wer auf Lederschuhe aus schlechtem Gewissen verzichten möchte, muss auf veganes Leder zurückgreifen. Bisheriges Problem: Veganes Leder ist ein Erdöl-Produkt und somit nicht gerade umweltfreundlich. Die Modelle des Schuhlabels FreiVon bestehen neben dem problematischen Kunststoff-Leder zu 40 Prozent aus Maisstärke und somit aus nachwachsenden Rohstoffen. Bio-Bambus im Innenschuh sorgt zudem für ein tolles Fußklima. Bisher gibt es nur ein klassisches Damenmodell (240 Euro, ein Herrenschuh kommt noch in diesem Jahr), das von einer Schusterei in Pirmasens (Rheinland-Pfalz) in Handarbeit hergestellt wird

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