The Facehuner: Yvan Ridoc im Interview

Blogger Yvan Rodic sucht den wahren Menschen
von Sonia Lyson
„Ich will keine Fashionista“

Yvan Rodic wurde als „The Facehunter“ berühmt und gilt als einer der ersten wirklich erfolgreichen Streetstyle-Blogger der Welt. Jetzt war der Facehunter im Rahmen einer Kollaboration mit Geox zu Besuch in Berlin. STYLEBOOK-Mitarbeiterin Sonia Lyson traf Yvan Rodic zum Gespräch.

Yvan Rodic alias The Facehunter fotografiert für das italienische Modeunternehmen Geox bekannte Blogger und Journalisten in deren Lieblings-Schuhen der Marke. Dafür bereist er die Metropolen Paris, Berlin, Barcelona und Mailand. Im Geox-Flagshipstore der jeweiligen Stadt stand Yvan Rodic dann den lokalen Journalisten Rede und Antwort zu seiner Arbeit für das Label und sprach über seinen neuen Bildband „Die Welt als Catwalk“.

  • Streetstyle-Fotograf Yvan Rodic

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    Foto: PR

    Durch seinen Blog „The Facehunter" ist Yvan Rodic zu einem der wichtigsten Streetstyle-Fotografen weltweit avanciert

STYLEBOOK: Willkommen in Berlin, Yvan. Ihre Kollaboration mit der Schuhmarke GEOX kam etwas überraschend für uns. Wie ist es dazu gekommen?
Yvan Rodic: Vielen Dank. Für mich war es auch ziemlich überraschend, um ehrlich zu sein. Geox hat sich in den letzten Jahren sehr gewandelt. Am Anfang ging es hauptsächlich um funktionale Turnschuhe. Nicht besonders modisch. Jetzt machen sie trendbewusstere Schuhe, diesen Wandel finde ich cool. Geox zeigt außerdem, dass Mode nicht immer unbequem sein muss. Ich finde den Imagewechsel spannend, deswegen habe ich mich auf die Zusammenarbeit eingelassen. Es hat mir viel Spaß gemacht, mit Geox durch verschiedene Städte zu reisen und die unterschiedlichsten Blogger in Geox-Schuhen zu fotografieren.

Heutzutage gibt es unzählige Blogs. Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass „Facehunter“ schon seit mehreren Jahren so erfolgreich ist?
Ich glaube, dass ich von Anfang an dabei war, war mein großes Glück. Außerdem finde ich, dass der Name mysteriös klingt. Die Leute fragen sich: „Facehunter – warum jagt jemand Gesichter?“ Hätte ich meinen Blog „Stylehunter“ genannt, wäre das nur halb so spannend, denke ich. Ich glaube auch, dass ich Spaß in die Sache gebracht habe. Ich stehe nicht nur vor den Fashionshow-Venues herum und warte, bis bekannte Leute herauskommen. Ich reise unwahrscheinlich viel, auch zu ganz ungewöhnlichen Orten und suche nach dem Besonderen. Nach Streetstyles, die man noch nicht tausendmal gesehen hat oder die von Kopf bis Fuß aus einem Designer-Label bestehen.

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Sie sind ein sehr talentierter Fotograf und haben hart für ihren Erfolg gearbeitet. Ärgert es Sie, wenn Sie die Blogger sehen, denen es nur um teure Geschenke zu gehen scheint?
Das ist mir eigentlich egal. Es ist einfach etwas anderes. Jeder sollte tun, was er für richtig hält. Die meisten Blogger - vor allem die weiblichen - nehmen sich selbst als Gesicht ihres Blogs und werden somit zu einer Marke. Meine Arbeit unterscheidet sich davon sehr. Ich bin bekannt für mein scharfes Auge und für das, was ich mit meiner Kamera festhalte.

Schauen Sie sich regelmäßig andere Blogs an?
Nein, nicht wirklich. Ich folge einigen Bloggern auf Instagram und kenne auch viele persönlich, aber ich finde die meisten nicht besonders inspirierend, um ehrlich zu sein. Das liegt auch daran, dass die meisten Blogs von Frauen für Frauen gemacht sind.
 
Was muss ein Outfit haben, damit Sie auf der Straße stehen bleiben und die Kamera zücken?
Es ist mehr als ein Outfit. Die Persönlichkeit und Ausstrahlung spielt eine große Rolle: Ich will nicht einfach nur eine Fashionista. Ich will den wahren Menschen. Es muss sich richtig anfühlen. Ein Outfit, das sich künstlich anfühlt, zum Beispiel ein Look der identisch vom Catwalk nachgekauft worden ist, finde ich ziemlich langweilig. Die Person muss den Look zu ihrem eigenen machen und es schaffen, damit seine oder ihre Persönlichkeit auszudrücken. Das macht für mich ein perfektes Outfit aus!

In Ihrem neuen Buch: „Die Welt als Catwalk“ haben Sie nicht nur Ziele wie London, Paris oder New York, sondern auch Beirut, Baku oder Oslo besucht und die unterschiedlichsten Fashion Victims abgelichtet. Warum sollten Leute für Ihr Buch bezahlen, wenn sie Ihre Arbeit auch online bewundern können?
Weil in meinem Buch jedes einzelne Bild von mir mit Bedacht ausgesucht habe. Es sollten nur Bilder von Menschen gedruckt werden, deren Look die Stadt in meinen Augen perfekt widerspiegelt. Außerdem schreibe ich auf meinem Blog nicht, in meinem Buch beschreibe ich jede Stadt, die ich auf meiner Reise besucht habe, in einem kurzen Paragraphen.
 
Yvan, vielen Dank für das Gespräch.

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