Die Designer von „& other stories“
von Alexandra Kusserow
„Persönlichkeit ist Trend!“

Kreativ-Chef Samuel Fernström und Designerin Anna Teurnell haben drei Jahre an ihrem Baby gearbeitet: dem Shop-Konzept von „& Other Stories“. Ein halbes Jahr nach dem weltweiten Launch der Marke für Mode und Beauty-Produkte öffnete jetzt der zweite Store in Berlin seine Türen. Zuvor traf STYLEBOOK die Schweden zum Interview:

  • Die Designer von & other stories im Interview

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    Foto: PR

    Anna Teurnell und Samuel Fernström

    Kreative Köpfe: Teurnell und Fernström sind die Macher der Marke „& Other Stories“. Mit einer Mode-, Accessoire- und Beauty-Linie möchte das Shop-Konzept seit Frühjahr 2013 die modische und materielle Kluft zwischen überteuerter Ready-To-Wear und qualitativ minderwertiger Massenware von Modeketten schließen. STYLEBOOK traf den Kreativ-Direktor und die Design-Chefin in Ihrem neuen Shop in Berlin Mitte zum Interview

Außergewöhnliche Designs und Qualität zu einem erschwinglichen Preis – so lautet die Botschaft, mit der & Other Stories die Shopping-Welt revolutionieren will. Die Eigenmarke ist die hochpreisige Schwester von H&M und Cos und bietet seinen Kundinnen Mode, Accessoires und Beauty-Produkte unter einem Dach. Seit Lancierung im März 2013 eröffneten die ersten Shops in London, Paris, Kopenhagen, Stockholm und Barcelona. Nach dem Store am Kurfürstendamm erhält Berlin nun bereits seine zweite Filiale – in Mitte, zwischen kleinen Boutiquen und historischen Sehenswürdigkeiten.

Wenige Stunden vor der Shop-Eröffnung traf STYLEBOOK-Redakteurin Alexandra Kusserow die kreativen Köpfe von „& Other Stories“ – Kreativ-Chef Samuel Fernström und Designerin Anna Teurnell.

STYLEBOOK: Seit dem Launch von „& Other Stories“ ist ein halbes Jahr vergangen – eine Fashion-Saison. Was hat sich seitdem in Ihrem Leben – privat wie beruflich – signifikant verändert?
Samuel Fernström: Egal wie sehr man an seine Idee glaubt – vorher weiß man nie, wie es läuft und ist unsicher. Jetzt, wo die Shops endlich geöffnet sind und gut ankommen, bin ich viel relaxter.
Anna Teurnell: Seitdem unser „Baby“ geboren ist, können wir endlich die Reaktion der Kunden erleben. Darauf haben wir insgesamt fast drei Jahre warten müssen. Diese Interaktion macht tierisch Spaß und wir können nun auch besser optimieren.

Was sind die Trends für diesen Herbst/Winter?
Samuel: Prints sind beispielsweise Trend, aber ein wesentlich größerer Trend ist, wie du Prints mixt. Das ist das Interessante.
Anna: „Persönlichkeit“ ist der stärkste Trend. Du tust, wonach du dich fühlst. Mixt, was dir gefällt. Dadurch wird und bleibt man einzigartig.

Einer der Hauptsitze von „& Other Stories“ ist in Stockholm, wo auch schon mal ein kalter Winterwind wehen kann. Welches wärmende Kleidungsstück eurer aktuellen Kollektion würdet ihr unseren Lesern empfehlen, um dem Frieren zu entfliehen?
Anna: Als Skandinavier sind wir natürlich auf den Winter eingestellt und haben viele Winter-Accessoires, wie große Schals und warme Strickmützen für diese Saison entworfen. Gegen die Kälte empfehle ich unseren schwarzen Fellmantel aus Mohair, der so kuschelig wie ein Stofftier ist.
Samuel: Normalerweise reden wir nicht über Zulieferer, aber die Geschichte dieses Mantels ist so cool! Das Fell ist nämlich von einem deutschen Hersteller entwickelt worden, der nicht nur Mode-Kunden wie uns beliefert, sondern hauptsächlich Kuscheltiere produziert: Steiff. Witzig, oder?

Ihr habt Ateliers in Paris und Stockholm, wo Designer aus Frankreich, Italien, Schweden, Japan und Deutschland in kleinen Teams an sechs Kollektionen pro Jahr zusammenarbeiten. Welche Qualitäten muss ein Designer haben, damit ihr ihn einstellt?
Anna: Er oder sie muss natürlich ein leidenschaftlicher Designer sein. Aber was uns am Wichtigsten ist, ist Menschlichkeit – ein „gutes Herz“.
Samuel: Wir sind ein kleines Team mit flachen Hierarchien, ohne Diven – unsere Mode soll Spaß machen und den müssen wir bereits beim Entwerfen fühlen. Das funktioniert am Besten, wenn alle motiviert sind. Wir arbeiten so eng miteinander zusammen – die Art-Direktoren mit den Fotografen, die Mode-Designer mit den Interior-Designern, Mode-Department mit Beauty – da müssen alle gern an den unterschiedlichen Projekten für- und miteinander arbeiten. Und auch einen ausgeprägten Sinn für Mode haben. Den hat bei „& Other Stories“ zum Beispiel auch ein Rechnungsprüfer. So verstehen er, warum ein teureres Material beispielsweise einem günstigeren vorgezogen werden kann, was qualitativ minder hochwertig ist.

Euer Leben als Köpfe einer internationalen Modemarke ist sicher auch mal anstrengend. Gibt es Dinge in eurem Privatleben, mit denen ihr den Stress ausgleicht?
Anna: Kunst ist eine meiner Leidenschaften und ein guter Ausgleich. Zudem lese ich viel. Und ich liebe es, beim Fliegen beispielsweise mein Telefon ausschalten zu müssen. Für wenige Stunden nicht erreichbar sein und Zeit zum Relaxen und für sich zu haben – großartig!
Samuel: Mein Job ist meine Leidenschaft und deshalb ist die Grenze zwischen Job und Privatleben für mich fließend. Das Einzige, was mich wirklich raus bringt, ist Kitesurfen in Schweden oder Brasilien – da komme ich gerade her.

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Die STYLEBOOK Redaktion sitzt in Berlin. Spontan: Drei Worte, die euch zu Berlin oder Deutschland, beziehungsweise den Deutschen einfallen.
Anne: Kreativ!
Samuel: Individuell. Selbstsicher. Und Relaxed. Ich sah zum Beispiel gestern jemanden, der im Bademantel auf die Straße zum Brötchen kaufen ging. Das ist cool. Das ist Berlin. In Hamburg habe ich übrigens auch mal gewohnt, als ich noch für H&M arbeitete. Ich habe St. Pauli und das Schanzenviertel geliebt – und eure Hauptstadt erinnert mich teilweise an diese Stadtteile.

Concept-Stores, Street Style Blogs, Fashion Film, Live-Streaming: Die Modebranche ist in den vergangenen Jahren online wie offline noch vielfältiger geworden. Wie geht's weiter: Was wird der nächste große Trend?
Anna: Mach’ dein eigenes Ding! Ich denke, dass Individualismus und Persönlichkeit der größte Trend unserer Zeit sind.
Samuel: Richtig: Menschen sollen tun, wonach ihnen ist. Sich anziehen, wie sie sich fühlen – und nicht das, was ihnen eine Art Mode-Diktat vorgibt tragen zu müssen.
Anna: Da fällt mir ein passendes Moment ein. Meine Großmutter fragte mich kürzlich, welches die Trend-Farbe der nächsten Saison sein wird. Ich antwortete: „Oma, es ist die Farbe, die du am Liebsten magst...“
Samuel: Sei du selbst und verstell dich nicht – das ist der Schlüssel zum Glücklichsein. Trends kommen immer zurück, eigentlich könnte man sogar sagen, dass sie nie gänzlich verschwinden. Oder, wie seht ihr das?

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