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Street-Model Eva Collé
Lieber Blowjobs als Fashionweek

Gut für Eva Collé, dass Models heute kein „Sauberfrau“-Image brauchen, denn sie verkörpert das krasse Gegenteil. Die Wahl-Berlinerin lebt nach eigenem Bekunden immer mal wieder auf der Straße, verdient sich ihren Lebensunterhalt auf dem Strich – und Top-Marken wie Vêtements buchen sie trotzdem. Oder gerade deshalb...?!

Wer sich durch den Instagram-Account von Eva Collé klickt, bemerkt schnell: Sie ist kein typisches Model. Ihre Beine und Achseln sind unrasiert, die kurzen Haare am Kopf sehen dafür aus wie selbst weggeraspelt. Eine klassische Schönheit ist sie nicht.

Ein von Eva Collé (@303va) gepostetes Foto am


Eva Collés Andersartigkeit kommt an!
Dennoch, oder wahrscheinlich sogar deshalb stand sie bereits für das Indie-Magazin und eine Kampagne des Sportartikel-Riesen Nike vor der Kamera. Ihr größter Job bisher: die Spring-/Summer-Fashion-Show des It-Labels Vêtement, wo sie sich harmonisch in das Gesamtbild der eher untypischen Models einreihte. In Wahrheit jedoch ist bei ihr alles noch etwas krasser.

  • Eva Collé

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    Foto: Indie Mag / Tom Blesch

    Keine klassische Beauty: Model Eva Collé für das Indendent-Magazin „Indie Mag“

Wer ist „Eva Collé“?
Ob es sich dabei um ihren echten Namen handelt, ist fraglich. Immerhin ist Eva nach eigenen Angaben Italienerin, aufgewachsen in der Hafenstadt Salerno und später nach Neapel gezogen. Sie ist freischaffende Fotografin, das Handwerk hat sie an der Kunstschule Liceo Artistico Forlì in der Emilia-Romagna gelernt. Seit 2013 lebt sie in Berlin, hat hier eine Zeit lang beim Verlag A Firm Nigh Holistic Press gejobbt, zwischendurch zog es sie für eine Weile ins australische Melbourne. Das alles erfährt man auf Evas Facebook-Account. Ihm verrät sie noch viel mehr: von ihren heroinabhängigen Eltern über ihre wirrsten Gedanken, Wünsche und Träume bis zu ärztlichen Behandlungen und anderen Ereignissen des Alltags. Intimste Einblicke in ihr Privat- und Berufsleben gibt es auch zahlreich in Bildern.

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Ein von Eva Collé (@303va) gepostetes Foto am

So wissen aufmerksame Leser etwa, dass Eva vor ein paar Monaten aus ihrer Wohnung geflogen ist, seither bei Freunden unterkommt und eigentlich immer knapp bei Kasse ist. Was sie hat, gibt sie am liebsten für neue Tätöwierungen, Drogen oder ihren heißgeliebten Whiskey aus. An Geld kommt sie durch großzügige „Sugar-Daddys“, die ihr einen Termin beim Friseur oder auch mal eine Reise spendieren, über Gelegenheitsjobs und vor allem: als Prostituierte. Öffentlicher Selbstmord – so würden wohl einige Evas brutal freizügige Selbstdarstellung in den sozialen Netzwerken nennen. Doch so ist es ganz und gar nicht!

Ein von Eva Collé (@303va) gepostetes Foto am


(Schmutziger) Sex sells
In Wahrheit waren ihr Instagram- und Facebook-Account ihre Eintrittskarte ins Model-Geschäft, also gerade ihre „Edgyness“, diese „Street-Credibility“, die das Designer-Kollektiv hinter Vêtements überzeugt hatte – das gestanden die beiden ganz offen in einem Interview mit dem „Pop Magazine“. Das Label, das sich eine gewisse Fashion-Subkultur auf die Fahne geschrieben hat, war im Netz auf die androgyne Eva gestoßen und buchte sie prompt für die Schau in Paris. 

  • Eva Collé

    Foto: Getty IMages

    Im Oktober lief Eva für Vêtements auf der Paris Fashion Week

Doch so cool es war, sich mit einem echten Mädchen von der Straße zu schmücken, so schnell stießen Vêtements an die Grenzen ihrer Lässigkeit. Denn Eva lässt sich nicht den Mund verbieten, im wörtlichen Sinne. Im Interview mit dem Süddeutsche Magazin verriet sie „Ich bekomme für zwei Tage Fashionweek so viel wie für zwei Blowjobs“. Als karge Hunde bezeichnet zu werden, war für Vêtements Grund zur sofortigen Kündigung.

Eva sieht das locker, so wie generell das Thema Kohle. Deshalb geht sie auch nur dann arbeiten, wenn ihre allerletzten Reserven erschöpft sind. Das Modeln ist dabei nur eine Option, genauso wie ihre beiden anderen beruflichen Standbeine, die immernoch genau so auf Facebook nachzulesen sind: „Freelance Photographer“ und „Sex Worker“.

 

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