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„Shopaholic“-Autorin Sophie Kinsella im Interview
von Julia Wagner
„Wir sind doch alle mal im Kaufrausch“

Die Britin Sophie Kinsella (46) wurde mit ihren „Shopaholic“-Büchern zur Bestseller-Autorin – und das Postergirl aller Shoppingsüchtigen weltweit. Für ihr neues Buch kam sie nach Berlin und plauderte mit STYLEBOOK.de über Kaufrausch, wie man einen Bestseller schreibt und was es mit ihrem Pseudonym auf sich hat.

Jeder, der gerne Bücher liest, kennt den Namen Sophie Kinsella. Die unterhaltsamen Romane der Britin sind, mal abgesehen von Buchläden, so ziemlich auf jedem Flughafen dieser Welt erhältlich, einer wurde sogar in Hollywood verfilmt. Das schaffen nicht viele Bestseller-Autoren. Allein in Deutschland verkauften sich die Bände ihrer „Shopaholic“-Reihe über zwei Millionen mal, weltweit wurden sie in 30 Sprachen übersetzt.

In Berlin stellte die Autorin ihr neues Buch „Shopaholic & Family“ (Goldmann Verlag)  vor. STYLEBOOK.de traf Sophie Kinsella zum Interview:

  • Sophie Kinsella

    Foto: Goldmann Verlag

    Spätestens seit Sophie Kinsellas Romanserie „Shopaholic“ wissen wir, wie unterhaltsam Soppingsucht sein kann

STYLEBOOK.de: Wie viel Ihrer berühmten Protagonistin Rebecca Bloomwood aus den „Shopaholic“ Romanen steckt auch in Ihnen?
Sophie Kinsella: „Jede Menge! Wie ich anfing, Becky zu entwickeln, habe ich alle meine lächerlichen Gedanken zu Shopping oder Klamotten zu einem Charakter zusammengefasst. Aber, je länger es sie gibt, desto öfter tut sie Dinge, die ich niemals tun würde. Aber es steckt natürlich immer was von mir in ihr.“

Ehrlich, sind Sie auch ein Shopaholic?
Sophie Kinsella: „Ich bin ein Teilzeit-Shopaholic. Wenn ich an einem Buch arbeite, dann denke ich an wenig anderes. Aber, wenn ich dann mal beschließe zu shoppen oder, dass ich ein bestimmtes Paar Schuhe brauche, dann nimmt mich das komplett ein. Shopping löst bei mir Begeisterung aus, genauso wie ein Sale-Schild. Also, wenn ich es mache, dann mache ich es zu hundert Prozent. Aber, im Gegensatz zu Becky, kann ich es ausstellen.“

Was ist Ihre bevorzugte Beute? Taschen, Schuhe, Klamotten...?
Sophie Kinsella: „Es wäre so viel leichter, wenn ich nur eine Sache hätte, auf die ich mich konzentrieren würde. Aber es ist leider alles. Manchmal gehe ich Schuhe kaufen und wenn ich davon genug habe, geht es weiter mit Taschen oder was für Zuhause oder Möbel. Es hört nie auf und irgendwann lande ich dann wieder bei Schuhen. Das ist wie ein Zyklus.“

Sie haben früher als Finanz-Journalistin gearbeitet. War Ihnen dieser Job zu langweilig?
Sophie Kinsella: „Ich habe mich damals für jede Menge Jobs beworben. Und den einzigen, den ich ergattert habe, war bei einem Magazin namens ‚Pension World‘ (dt. Rentenwelt, Anm. d. Red.). Das war alles andere als aufregend. Aber, ich war trotzdem froh, ihn zu haben und er hat mich gelehrt, auch aus den langweiligsten Themen etwas zu machen. Ich habe etwas gebraucht, um herauszufinden, dass ich Schreiben liebe, aber lieber Dinge erfinde, als Fakten zu sammeln. Der Umstieg zur Autorin war relativ leicht, weil ich nie eine gute Finanzjournalistin war.“

Hatten Sie jemals ein schlechtes Gewissen beim Geldausgeben, eben weil Sie früher Finanzjournalistin waren?
Sophie Kinsella: „Diese Region des Gehirns schalte ich beim Shoppen einfach aus. Jeder liebt doch diesen lustvollen Rausch beim Einkaufen, mit Sicherheit sogar der Präsident der ‚Bank of England‘. Ich kenne ihn nicht. Aber er hat sicher auch kleine Becky Bloomwood Momente in seinem Leben. Wir alle haben sie und sind ab und an mal im Kaufrausch.“

Erklären Sie uns mal bitte, wie Sie Ihr Leben so managen: Sie schreiben Bestseller, sind dafür ständig unterwegs und haben fünf Kinder…
Sophie Kinsella: „Wenn Sie das so sagen, klingt das tatsächlich nach viel. Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung. Ich versuche jeden Tag die Situation aufs Neue zu meistern. Jede Aufgabe, die ich gerade mache, widme ich mich in dieser Zeit zu hundert Prozent. Ich habe einen tollen Ehemann, eine tolle Familie und Hilfe. Meine Eltern passen jetzt gerade auf meine Kinder auf, während ich in Berlin bin. Solange man improvisieren kann und seinen Humor bewahrt, schafft man das.“

Wie sieht ein typischer Tag in Ihrem Leben aus, wenn Sie gerade an einem neuen Bestseller arbeiten?
Sophie Kinsella: „Ich habe eine sehr wichtige Vorplanungs-Phase, bevor es ans Schreiben geht. Dann sitze ich mit meinem Laptop in Coffeshops herum, überlege, mache mir Notizen und gebe mir die Zeit, die es braucht. Wenn ich dann tatsächlich mit dem Schreiben anfange, dann sitze ich schon morgens an meinem Computer, weil ich dann meistens schon die Szenen im Kopf habe. Und das mache ich diszipliniert jeden Tag bis ich 1000 Wörter geschrieben habe. Danach ist Schluss für den Tag.“

Gibt es Tage, an denen Ihnen so gar nichts einfällt?
Sophie Kinsella: „Wenn das passiert, dann drehe ich den Computer ab, weil ein leerer Bildschirm mir Angst einflößt. Dann gehe ich mit meinem Mann einen Cocktail trinken und erkläre ihm das Problem. Und dann reden wir über den Plot, trinken noch mehr Cocktails und lösen die Schreibblockade. Notfalls überdenke ich den Plot nochmals.“

Werden Sie für immer weiterhin neue Shopaholic Bände schreiben?
Sophie Kinsella: „Becky Bloomwood wird für immer in meinem Kopf herumgeistern. Aber keine Ahnung, ob ich weiterhin über sie Bücher schreibe. Ich liebe es, auch andere Charaktere zu entwickeln. Nächstes Jahr wird ein neues Buch erscheinen, das nichts mit Shopaholic zu tun hat, ebenso in zwei Jahren. Ich habe einfach zu viele Ideen in meinem Kopf, und die kann ich nicht alle zur Seite schieben und nur über Becky Bloomwood schreiben. Also, ich weiß noch nicht, wann ich zu Becky zurückkehren werde nach diesem Buch.“

Warum haben Sie sich für die Shopaholic-Reihe überhaupt das Pseudonym Sophie Kinsella gegeben? In Wirklichkeit heißen Sie ja Madeleine Wickham…
Sophie Kinsella: „Ich hatte damals schon Bücher geschrieben, aber nicht so humorvolle wie diese und nicht in dieser schnellen Sprache. Ich hatte das Gefühl, es ist einfach ein anderes Ich von mir. Außerdem dachte ich, wenn es alle schrecklich und blöd finden, dann kann ich noch immer so tun, als wäre ich es nicht gewesen.“

Sehen Sie hier das komplette Interview:

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