Skurrile Männermodels
von Stephanie Beckmann
Schräge Typen erobern die Laufstege

Schon lange überraschen uns vermeintlich schräge Persönlichkeiten auf den Laufstegen und zeigen uns: Klischees sind out, es ist für alle Platz da – sogar im hart umkämpften Modebusiness! Man(n) muss nur einen Trend aus seinem Anderssein machen, so wie das Gender-Model Andrej Pejic (19), der „weiße Schwarze“ Shaun Ross (20), Mario Galla (25) mit seiner Beinprothese und der tätowierte „Zombie Boy“ Rick Genest (26).

Andrej Pejic – Mann, Frau, beides? Warum auch sich entscheiden. Das australische Model bosnischer Herkunft wurde durch sein androgynes Äußeres bekannt und in der britischen „FHM“ sogar zu den „100 sexiest Woman“ gelistet. Auf der Pariser Fashion Week präsentierte er sowohl Herren als auch Damenmode und verkörpert den revolutionären Trend der Geschlechterauflösung. Ursprünglich als Frau entdeckt, fanden seine Protegés die männliche Auflösung anschließend noch spannender. Doch Pejic ist keine Dragqueen, nur weil er privat auch Kleider und High Heels trägt. Das ist ein Teil von ihm, und keine Inszenierung, wie er im Interview mit „Zeit online“ erklärt. 

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Shaun Ross: Der New Yorker bekam ein ungewöhnliches Geschenk in die Wiege gelegt, er ist einer der wenigen Afroamerikaner mit Albinismus. Seine Gesichtszüge sind von afrikanischer Anmut, Haut und Haare schneeweiß und je nachdem wie das Licht fällt, hat Shaun blutrote Augen. In der Bronx wuchs er als „weißer Schwarzer“ auf und musste, dank seines genetischen Pigmentmangels, hart einstecken als Kind. Seiner Extrovertiertheit sei dank, machte er es sich zum ehrgeizigen Ziel, das erste männliche Model mit Albinismus zu werden und erreichte es mit 16 Jahren. Seitdem modelt er für Alexander McQueen und Givenchy, war bereits in der britischen „GQ“, der italienischen „Vogue“ und dem „i-D Magazine“ zu sehen, lief in Berlin für Patrick Mohr und öffnete so eine weitere Tür für Menschen mit Albinismus.

Mario Galla schrieb sogar ein Buch über sein Schicksal, mit dem Titel: „Mit einem Bein im Model Business. Wie ich trotz Handicap zum Model wurde.“ Der deutsche Beau kam mit einem verkürzten rechten Oberschenkel zur Welt und trägt deshalb eine Prothese. Er arbeitete bereits für namhafte Labels wie Hugo Boss und Michael Michalsky. Der Berliner Designer gab dem Model eine Plattform und ließ den Einbeinigen in Bermudas über den Laufsteg schreiten. Warum auch nicht, Mario trägt schließlich auch privat kurze Hosen und fühlt sich selbst auch nicht wie eine PR-Inszenierung.

Rick Genest, der „Zombie Boy“. Bis zur Unkenntlichkeit tattowiert, verwandelte sich der Kanadier allmählich in eine lebendige Leiche. Mit der offenen Schädeldecke, den tiefen Augenhöhlen, den Sehnen, Muskeln, Knochen und Zeichen von Gewalt und Verfall zollt Rick angeblich einen Tribut an Horrorfilme und besitzt die Anmut eines verwesenden Kadavers. In der Underground-Szene von Melbourne bereits als lebendiges Kunstwerk bekannt, landete Rick mangels Arbeit trotzdem auf der Straße, bis er von Nicola Formichetti entdeckt wurde. Der Mode-Direktor des französischen Labels Thierry Mugler macht ihn zum festen Mitglied in der Fashionriege des Labels und brachte ihn in Lady Gagas Video zu „Born this Way“ unter. Als sich neulich das „Schön!“ Magazin die Mühe machte, Ricks Tattoos unter einer Camouflage-Schicht verschwinden zu lassen, durfte man überrascht sein: Der Zombie Boy sah aus wie der nette Junge von Nebenan und fast ist es ein bisschen schade, um dieses schöne Gesicht.

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