Der neue Mode-Minimalismus
von Stephanie Beckmann
Schlicht ist schick

Müssten wir für dieses Jahr modisch betrachtet einen Überbegriff finden, es wäre wohl Minimalismus. Oder viel mehr das große Comeback dieses Modetrends. STYLEBOOK erklärt, wo der Hype herkommt und wie er funktioniert.

  • 1/10

    Foto: Getty Images

    2013 ist das Minimal-Jahr...

    ... und der Trend kommt nun so richtig in Fahrt! Ob auf den Straßen, dem roten Teppich oder den Laufstegen: der puristische Look ist überall (v.l.n.r.): Eine Fashion-Bloggerin kombiniert geschickt Highstreet-Kette (Hose von Zara) mit Designer-Mode (Pulli von JW Anderson, Schuhe von Céline), die Schauspielerin Tilda Swinton ist für ihren reduzierten Look berühmt, Designer-Labels wie Céline und Jil Sander sind Meister in dieser Disziplin

2013 ist das ultimative Minimal-Jahr: Gerade Schnitte, geometrische Formen, reduzierte Farbgebung und der Verzicht auf Details und jeglichen Firlefanz an der Kleidung machen den aktuellen Zeitgeist aus – das zeigten gerade erst Designer wie auch Vladimir Karaleev auf der Mercedes Benz Fashion Week in Berlin. Mit Jil Sanders großem Comeback im vergangenen Jahr hielt der Minimalismus in der Mode wieder Einzug – und zwar geballter denn je. Auch das Label Céline ist dank Designerin Phoebe Philo und ihrer reduzierten Entwürfe beliebter als jemals zuvor.
 
Reduktion ist überhaupt ein gutes Stichwort. Aber: Man kann nicht willkürlich alles weglassen, was nicht nötig ist (Schmuck und Schnörkel zum Beispiel) – und fertig ist der Minimal-Look. Gleichzeitig kommt es auf die Betonung des Wesentlichen an. Das gilt es möglichst prägnant auf den Punkt zu bringen, mit einer extra Portion Stoff um die Schultern zum Beispiel, einer markanten Schnittführung in der Taille oder am Rocksaum. „Form follows Function“ heißt ein Prinzip des Minimalismus’.
 
Dieses Motto beherrschen auch die Skandinavier sehr gut: Mode, die auf dem Bügel und den ersten Blick ein wenig plump, fast langweilig aussieht, aber angezogen dem Körper eine neue Architektur verleiht. Dank dem H&M-Ableger COS ist Purismus heute auch für jeden erschwinglich, der sich weder Céline noch Sander leisten kann. Ein pinkfarbener Zipper am Kleid oder eine auffällige Naht auf dem Shirt geben den cleanen Designs den nötigen Twist und schon wirkt das voluminöse Teil individuell statt 08/15.

Wie eindrucksvoll klare Formen und schlichte Eleganz sein können, lässt sich nicht zuletzt ganz leicht an prominenten Vertreterinnen erkennen. Die Faszination für die androgyne britische Schauspielerin Tilda Swinton (52) oder der Hype um die schwedische Bloggerin Elin Kling (29) beweisen: Purismus ist stärker als optische Überfrachtung à la Weihnachtsbaum.
 
Ob es nun an der Euphorie über Jil Sanders Rückkehr liegt, an der schwachen Konjunktur (in knappen Zeiten wird auch der optische Gürtel enger geschnallt – auf Wiedersehen, Opulenz!) oder auch einfach dem üblichen Rhythmus zu verdanken ist, denn alle Trends kehren bekanntermaßen in gewissen Abständen zurück: 2013 sollten minimalistische Teile in keinem Kleiderschrank fehlen.

Aber Achtung, auf ein paar Details kommt es an: In diesem Jahr besonders gefragt sind runde, voluminöse Schulterpartien, kurze, kastige Shirts, Long-Westen und Tulpenröcke. Im Sommer machen zarte Seiden-Tops mit Spaghetti-Trägern den Look, im Winter dürfen wir uns in übergroße Mäntel mit überlangen Ärmeln hüllen. Die wichtigsten Materialien sind steife Baumwolle, glänzender Satin, grober Strick und Neopren. Neben den All-Time-Favorites Schwarz und Weiß spielen Champagner, Asphaltgrau und eisige Pastelltöne, wie Rosé und Hellblau in diesem Sommer und Winter die Hauptrolle.

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Die schönsten minimalistischen Looks der Saison – in der Bildergalerie

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