Saint Laurent Paris: Hedi Slimane entwirft teure Kleider

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Warum kostet ein Kleid 57 000 Euro?
Luxus-Wahn bei Saint Laurent

Bei gehypten Labels haben wir ja schon einiges erlebt – Preise steigen oft grundlos ins Unendliche. Doch Saint-Laurent-Chefdesigner Hedi Slimane (44) schießt den Vogel ab. In seiner Kollektion für den kommenden Winter findet man ein Kleid für rund 57 000 Euro, nachdem im Sommer ein Blazer für etwa 47 000 Euro auf dem Laufsteg glänzte. Wir gehen der Sache auf den Grund…

  • Saint Laurent: Teure Kleider

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    Anna Dello Russo in Saint Laurent

    Die Modechefin der japanischen „Vogue“ war bei der Pariser Fashion Week im März 2013 der lebende Beweis dafür, dass die exklusive Pailletten-Jacke von Saint Laurent auch abseits des Laufstegs existiert. Gesehen hat man das gute Stück sonst nämlich selten. Kein Wunder, bei einem Preis von circa 47.000 Euro


Zehn Prozent Wolle zeigt das Etikett der Leo-Jacke aus der aktuellen Prêt-à-porter-Sommerkollektion von Saint Laurent. 80 Prozent sind schnödes Polyester. Der Rest ist Satin. Nun mag der hohe Kunststoffanteil an den vielen kleinen Pailletten liegen, mit denen der Blazer bestickt ist. Außerdem ist der Schnitt angelehnt an Yves Saint Laurents ikonischen „Le Smoking Anzug“ aus den 1960er-Jahren. Doch das allein rechtfertigt nicht den stolzen Preis von 47 350 Euro. 

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Das ist nicht zu toppen? Doch! In der kommenden Winterkollektion, seiner zweiten für das französische Modehaus, entwirft Hedi Slimane ein Dress, das mit 57 200 Euro so viel kostet wie ein Mittelklassewagen von Mercedes. Überflieger-Model Cara Delevingne (20) wirbt in genau diesem Paillettenkleid für die Saint-Laurent-Winterkampagne – wie im Video links unten zu sehen ist. Es gibt sie also wirklich, die Prêt-à-porter-Stücke, die genauso schwindelerregend teuer sind wie eine Haute-Couture-Robe.

Die Gründe für solch luxuriöse Preisgestaltung:

1. Hedi Slimane polarisert gern. Als er im März 2012 zum Chefdesigner von YSL ernannt wurde, bestand seine erste Amtshandlungen darin, das Label in „Saint Laurent Paris“ umzubenennen. Skandale um Magermodels auf den Laufstegen folgten, dann aufsehenerregende Werbekampagnen mit Marilyn Manson (44) oder Courtney Love.

2. Der Designer ist laut eigener Aussage „immer auf der Suche nach dem ultimativen Schnitt
“. Besondere Entwürfe dieser Art lassen sich jedoch nicht  in Massenproduktion herstellen, sind deshalb in der Auflage oft begrenzt – und ähneln dadurch maßgeschneiderten und in mühevoller Handarbeit gearbeiteten Couture-Kreationen. Vorteil: Als Kunde kann man ein Prêt-à-porter-Kleid trotzdem direkt von der Stange kaufen, während man Haute Couture bestellen und dann oft monatelang drauf warten muss.

3. Das hohe Preisniveau ist Kalkül.
Selbst Basics wie ein schlichter Business-Blazer kosten bei Saint Laurent um 2 000 Euro, Abendmode erreicht wie beschrieben bis zu fünfstellige Summen. Damit schlägt Slimane gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Er grenzt sich von der breiten Masse ab und richtet sich gezielt an eine betuchte Klientel, die sich mit einem Stück aus seiner Kollektion auch ein luxuriöses Gefühl absoluter Exklusivität kauft. Gleichzeitig steigert er den Haben-Wollen-Effekt – bei allen, eben auch der breiten Masse – ins Unendliche...

Das Geld da holen, wo es ist – das ist Slimanes Motto, mit dem er sich in für uns unerreichbare Weiten verabschiedet. Saint Laurent für H&M? Das können wir uns bei dieser Attitüde wohl abschminken! Unsere Abschiedsgrüße in der Bildergalerie…

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