Modheaus Saint Laurent
von Thomas Helbing
Haute-Couture-Comeback nach 13 Jahren

Das ist eine kleine Sensation: Das Modehaus Saint Laurent hat angekündigt, wieder Haute-Couture-Mode zu schneidern. Die ersten Modelle wurden bereits präsentiert.

Im Januar 2002 wurde die letzte Haute-Couture-Kollektion von Yves Saint Laurent mit einem grandiosen Fest im Centre Pompidou gezeigt, damals noch vom Namensgeber persönlich geschneidert. Gleichzeitig war es auch die letzte Kollektion des Mode-Genies überhaupt, der sich danach bis zu seinem Tod 2008 komplett aus der Mode zurückzog. Niemand hatte daran geglaubt, dass die Marke jemals wieder in die „Hohe Schneiderkunst“ der Haute Couture zurückkehren würde. Umso größer die Überraschung jetzt!

  • Yves Saint Laurent Haute Couture 2001

    1/3

    Foto: getty images

    Modelle aus der vorletzten Kollektion des Modehauses Yves Saint Laurent 2001

Couture-Comeback = „Yves Saint Laurent“-Comeback

Wie das Modehaus mitteilte, arbeitet Kreativdirektor Hedi Slimane bereits seit Beginn seiner Arbeit 2012 für Saint Laurent an dem Couture-Projekt. Produziert werden sollen die Stücke für Frauen und Männer und ausschließlich für „gute Freunde des Hauses“ in der neuen Couture-Abteilung in einem Palais aus dem 17. Jahrhundert, dem L‘hôtel de Sénecterre, in der Pariser Rue de l’Université. Offizielle Couture-Schauen wird es nicht geben.

Gekennzeichnet werden die Kleidungsstücke mit einem handgestickten, nummerierten „Yves Saint Laurent“-Couture-Label aus elfenbeinfarbener Seide. Somit kehrt auch die Marke „Yves Saint Laurent“ in die Mode zurück, nachdem das Modehaus seine Prêt-à-porter-Kollektion seit 2012 schlicht unter dem Namen „Saint Laurent“ präsentiert und verkauft. Auf der „Saint Laurent“-Webseite und Twitter wurden auch schon erste, stimmige Fotos der neuen Couture-Linie gezeigt, auch vom „goldenen“ Kundenbuch:

Die Haute Couture ist NICHT tot!

Die Rückkehr des Modehauses Yves Saint Laurent zeigt: Die Haute Couture ist lebendiger denn je. Immer wieder wird der „Hohen Schneiderkunst“ der Untergang prophezeit. Doch in letzter Zeit erlebt diese einen regelrechten Boom, steinreiche Stammkundinnen halten den Couture-Häusern die Treue, wissen das Traditionshandwerk zu schätzen in Zeiten von Fast Fashion.

Bei Chanel, dem Flagschiff der Pariser Haute Couture, seien die Umsätze mit Couture-Kleidern in der ersten Jahreshälfte 2014 um 20 Prozent gestiegen, bei Valentino sogar um 30 Prozent, berichtete das Branchenblatt „Women's Wear Daily“. Außerdem gibt es generell einen Zuwachs an Haute-Couture-Ateliers, also wieder mehr (auch junge) Modehäuser, die Haute Couture schneidern und sich den strengen Auflagen der Couture-Kontrollinstitution „Chambre Syndicale de la Haute Couture“ stellen.

Und es sind nicht nur greise Millionärsgattinen, die zur Haute-Couture-Kundschaft gehören. Wie ebenfalls „WWD“ berichtet und Dior-Geschäftsführer Sydney Toledano zitiert, leisten sich immer mehr jüngere Kunden zwischen 30 und 40 Jahren die sündhaft teuren Kleider.

Genau diese Zielgruppe dürfte auch Saint Laurent und dessen Chefdesigner Hedi Slimane im Auge haben. Denn die Prêt-à-porter-Kollektionen und der Stil von Slimane für Saint Laurent sind zwar bei Modekritikern umstritten – bei der Jugend sind sie Kult und die Stücke verkaufen sich trotz extrem hoher Preise (Kleider beginnen bei 1000 Euro, Blusen bei 800) wie geschnitten Brot. 

Anzeige

Kommentare


Blogs