STYLEBOOK trifft Lagerfeld
von Carolin Dendler
„Karl“ ist jetzt für alle da

KARL GOES ONLINE ... für Net-A-Porter entwarf der Designer eine 70-teilige Linie. Darunter T-Shirts mit Karl-Aufdruck (bereits vergriffen!), Jeans mit seinem Logo auf dem Knopf, schmale Reißverschlusskleider. Dominierend sind seine Lieblingsfarben: Metallic, Schwarz, Weiß. Die Preise – ab 49 Euro (Handschuhe) bis 900 Euro (Lederjacken). Lagerfeld spricht von „Masstige“ – einer Wortschöpfung aus Masse und Prestige. Eine Herrenkollektion ist ebenfalls geplant – und bald soll alles auch über Karl.com zu kaufen sein. Carolin Dendler traf den Designer bei den Pariser Haute Couture Schauen.

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    Foto: dpa-Picture Alliance

    Karl Lagerfeld präsentierte seine neue „Günstig“-Linie während der Haute Couture Schauen in Paris ...

STYLEBOOK: Chanel, Fendi, und nun auch noch die „Karl“ Online-Kollektion. Wie schaffen Sie das? Und – wie hält man das alles auseinander?
Karl Lagerfeld: Ich finde es toll, das Gegenteil von dem zu machen, was ich woanders mache. Das Teuerste und das Preiswerteste. Ich muss mich selbst wundern, dass das klappt. Die alte Geschichte von Exklusivität, das ist Quatsch – das ist jetzt vorbei. Denn die, die Couture kaufen können, kaufen auch die preiswerten Sachen. Es ist alles ein Mix, es gibt keine strengen Regeln mehr mit den neuen Vertriebssystemen wie online.

Was war denn das günstigste Kleidungsstück, das Sie jemals gekauft haben?
Ich schaue nie auf den Preis.

Herr Lagerfeld, wann waren Sie denn das letzte Mal einkaufen? Und was haben Sie gekauft?
Ich gehe öfter mal einkaufen, letzte Woche vielleicht. Ich gehe öfter zu Colette in Paris. Den Laden finde ich toll. Da kaufe ich auch meine Weihnachtsgeschenke.

Haben Sie schon mal online geshoppt?
Indirekt ja, ich lasse shoppen. Möbel zum Beispiel.

Und bei Kleidung ... schon mal was umgetauscht? Oft passt das Bestellte einfach nicht ...
Ich? Nie. Ich habe eine Ideal-Standard-Figur, 34 italienische Größe und 48 französische Größe. Das passt immer.

Wie sieht es mit ihren privaten Online-Aktivitäten aus – twittern Sie? Posten Sie auf Facebook?
Nein, dazu habe ich keine Zeit. Das machen andere für mich. Ich muss schließlich zeichnen, schaue wenig Fernsehen und lese aber gern Zeitungen. Für mich ist der Tag irgendwie zu kurz. In Frankreich wollen alle die 35-Stunden-Woche. Ich bin für den 35-Stunden-Tag.

Was tragen Sie aus Ihrer eigenen Linie?
Ich habe die Jeans an, schauen Sie mal, wer hat schon Jeans mit seinem eigenen Kopf drauf!

Sie präsentieren ihre neue Online-Line „Karl“ zur Zeit der Haute Couture, hat denn die hohe Schneider-Kunst überhaupt noch eine Zukunft? Und – wird es irgendwann keine Geschäfte mehr geben, weil wir alle online shoppen?
Chanel wird es immer geben, wir machen ja nicht mal Verlust. Und  Geschäfte? Das werden wir dann sehen.

Kommen Prominente in der ersten Reihe nie aus der Mode?
Für die ist es schon wichtig ... Ich persönlich ziehe Leute vor, die was von Mode verstehen.

Und kurz vor der Oscar-Verleihung ... ist der Red-Carped dort nicht der wichtigste Laufsteg?
Ach, die Oscars ... hat sich doch schon fast überholt. Diese ganzen Starkleider, das ist doch Klischee.

Wer ist denn für Sie „Best-Dressed“ zur Zeit? Welche Frau, welcher Mann?
Dazu möchte ich nichts sagen ... ich will ja niemanden verletzten.

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Ok, Themenwechsel dann. Wer oder was hat Sie zu Ihrer neuen Kollektion inspiriert?
Das lässt sich schlecht in Worte packen. Mich inspiriert alles, ich nehme alles auf.

Ihre neue Katze Choupette (Anm.: Choupette heißt so viel wie „mein kleiner Liebling“) soll Sie jedenfalls zu ihrer Chanel-Kollektion inspiriert haben?
Die Katze hat mir Baptiste (Anm. Giabiconi) zu Weihnachten geschenkt. Eigentlich habe ich ja immer Hunde vorgezogen, aber jetzt gefällt sie mir. Es ist eine Birmakatze, sie hat Persönlichkeit. Sie hat eisblaue Augen, die Farbe habe ich für die Chanel-Kollektion  
übernommen. Aber die ist schon total verwöhnt, isst von silbernem Geschirr.

Für die Chanel-Show ließen Sie ein Flugzeug nachbauen ... Fliegen Sie gern?
Ja, ich fliege gern, aber lieber in Privatflugzeugen. Ich kann diese großen Flughäfen nicht ausstehen, wo man abgetastet wird. Das ist wie im Gefängnis. Das kann ich genau so wenig leiden, wie Leute, die an mir für Kleidung Maß nehmen. Deshalb mache ich das auch gar  
nicht mehr. Bei Dior kennen die meine Maße, da muss ich nicht mehr hin.

Was haben Sie im Flugzeug immer dabei?
Ich habe mein Kissen dabei, das hatte ich schon auf meinen ersten Flug nach Amerika, 1950. Darauf steht in Kreuzstichen „Gute Reise“. Das ist schon ganz kaputt aber ich habe eine neue Hülle dafür.

Sie haben ein neues Haus außerhalb von Paris gekauft. Ihr Rückzugsort? Ist die Stadt zu laut, fangen Sie vielleicht mit Gartenarbeit an?
Ich brauche Auslauf, das habe ich da genug. In Paris kann ich nicht mehr ohne Leibwächter ausgehen. Aber den Garten überlasse ich denen, die das besser können.

Und was sind die Trends für diesen Sommer?
Kommt drauf an, wo Sie wohnen. Für Paris, weißes Hemd, Jeans und eine von diesen ärmellosen Lederwesten.

Was sind Ihre persönlichen Lieblings-Kleidungsstücke? Und: Wie viele Anzüge haben Sie im Schrank?
Schwarze Jacken, Hemden und Jeans. Meine Anzüge habe ich nie gezählt. Ich habe ein riesiges Ankleidezimmer. Ich kann nichts wegschmeißen. Aber ein Heimatmuseum habe ich nun auch nicht.

„Karl“ ist online über Net-A-Porter zu erhalten!

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