Primark Skandal: SOS-Botschaft in Hose gefunden

Foto: Getty Images

Hilferuf von chinesischem Häftling
von Julia Wagner
S.O.S-Notiz in Primark Hose

Jetzt tauchte erneut ein Hilferuf eines vermeintlichen Primark-Fabriksarbeiters auf. Diesmal soll es sich um einen chinesischen Häftling handeln, der gezwungen wird, 15 Stunden pro Tag zu arbeiten. Eine Irin fand eine Notiz von ihm in einer Hose von Primark.

Am Donnerstag wurde der bereits dritte Hilferuf eines Primark-Nähers bekannt. Die Irin Karen Winsinka (28) fand in einer Hose des Textil-Discounters eine SOS-Notiz samt Personalausweis. Dabei soll es sich um einen Hilferuf eines Häftlings aus dem chinesischen Gefängnis Xian Nan in der Provinz Hubei handeln.

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Auf dem handgeschriebenen Zettel vermerkt sind die menschenunwürdigen Zustände der Inhaftierten, die „arbeiten müssen wie Ochsen auf dem Feld“ und das bis zu 15 Stunden pro Tag, um Exportwaren zu produzieren. Dabei bekämen sie Essen, das „man nicht einmal Hunden oder Schweinen geben würde“. „Wir rufen die internationale Staatengemeinschaft auf, die chinesische Regierung für ihre Verletzungen von Menschenrechten zu verurteilen“, so der weitere Wortlaut der Notiz.

Zuvor erregte bereits die Britin Rebecca Gallagher (25) Aufsehen, die einen Hilferuf auf dem Etikett ihres Billig-Kleides von Primark fand. Darauf gestickt waren die Worte „Forced to work exhausting hours“ („Ich werde gezwungen, bis zur Erschöpfung zu arbeiten“). Es wird angenommen, dass die Nachricht von einer Näherin aus Bangladesh stammt. Mittwoch meldete sich eine zweite Kundin zu Wort. Sie kaufte bereits 2013 ein Top bei Primark auf dessen Etikett gestickt war „Degrading Sweatshop Conditions“ („Entwürdigende Bedingungen eines ausbeuterischen Betriebs“).

Winsinka hatte die Hose mit Camouflage-Print, für die sie knapp 13 Euro zahlte, bereits 2011 in einer Filiale in Belfast gekauft, aufgrund eines kaputten Reißverschlusses aber nie getragen. Erst letzte Woche holte sie die Hose wieder aus dem Schrank – und entdeckte die Notiz und den Ausweis eines circa 30 bis 40 Jahre alten Mannes. „Als ich die Botschaft übersetzen ließ, hätte ich heulen können. An Sklaverei hatte ich bisher nie gedacht“, so Winsinka zum „Belfast Telegraph“.

Ein Primark-Sprecher erklärte, dass die Firma bereits Untersuchungen eingeleitet habe, äußerte aber Bedenken bezüglich des Vorfalls. „Diese Hosen wurden von Primark 2009 bestellt und im Oktober 2009 in Irland verkauft. Wir finden es seltsam, dass der Vorfall erst jetzt ans Licht kam, die Hose aber bereits vor über vier Jahren im Verkauf war“, sagte der Sprecher. „Das Primark-Team für ethische Standards hat seit 2009 neun Inspektionen unseres Lieferanten vorgenommen. Um das klarzustellen: Dabei wurden keine Gefängnisse oder Zwangsarbeiterlager gefunden“, so der Sprecher von Primark.

Jetzt meldete sich auch Amnesty International zu Wort. Patrick Corrigan, Leiter von Amnesty International UK, nannte den Vorfall eine „entsetzliche Geschichte“. „Es ist schwierig zu sagen, ob diese Geschichte wahr ist, aber wir müssen befürchten, dass es sich dabei um die Spitze des Eisbergs handelt.“

Am 3. Juli eröffnet auf dem Alexanderplatz die zweite Berlin-Filiale von Primark auf 5000 Quadratmetern. Dabei handelt es sich bereits um den 13. Shop in Deutschland. Es bleibt abzuwarten, ob es Proteste geben wird oder, wie bereits zuvor, wieder hunderte Fans billiger Klamotten die Filiale stürmen werden.

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