Streit um muslimische Mode
Modezar Pierre Bergé kritisiert „Versklavung der Frauen“

Gerade erst sorgte die muslimisch inspirierte Modekollektion von Dolce & Gabbana für Aufsehen, da löst Modezar Pierre Bergé (85) mit seinen Aussagen zur sogenannten „Islamic Fashion“ in Frankreich einen echten Skandal aus.

Stefano Gabbana und Domenico Dolce sind längst nicht die einzigen Designer, die den Fashion-Markt des Mittleren Ostens für durchaus lukrativ halten. Auch andere Labels haben mittlerweile die muslimischen Frauen als Zielgruppe entdeckt. Unter anderem launchte die japanische Modekette Uniqlo eine Kopftuch-Kollektion, Marks & Spencer Burkinis, also Ganzkörperbademode, und H&M warb im vergangenen Jahr sogar mit einem Hijab-tragendem Model.


Streit um muslimische Mode entbrannt
Das passt allerdings nicht allen Modemachern. Pierre Bergé, Lebensgefährt des verstorbenen Designers Yves Saint Laurent (†71) und Mitbegründer der Marke bezeichnete diesen Trend in einem Interview mit dem französischen Sender „Europe 1“ als „skandalös“. Marken, die wie D&G islamische Mode produzieren, seien „Teil der Versklavung von Frauen.“

  • Pierre Bergé auf der Fashion Week

    Pierre Bergé in der Frontrow bei Yves Saint Laurent auf der diesjährigen Fashion Week. Er gründete das Unternehmen damals zusammen mit seinem Lebensgefährten Yves Saint Laurent (†71)

„Ich habe immer geglaubt, dass ein Modeschöpfer dazu da sei, Frauen schöner zu machen, ihnen Freiheit zu geben, und nicht Komplizen dieser Diktatur zu sein, die Frauen dazu zwingt, sich zu verstecken“, äußerte sich Bergé weiter in dem Interview. „Verzichtet auf Geld, habt Überzeugung“, riet Bergé den Anbietern der sogenannten „Islamic Fashion“. Auch die französische Modedesignerin Agnès Troublé warnte davor, solche Bekleidung zu „verharmlosen“.
 
Mode wird in Frankreich zur politischen Diskussion
Nachdem auch die französische Ministerin für Familie und Frauenrechte, Laurence Rossignol, dagegen wetterte, heizte sich die Stimmung schnell auf. Nicht zuletzt, weil das Land noch immer von den islamistischen Anschlägen auf die Satire-Zeitung „Charlie Hebdo“ am 7. Januar und die Pariser Anschlagsserie vom 13. November 2015 traumatisiert ist und in Frankreich traditionell Religion und Staat strikt voneinander getrennt sind. Das soll auch vor allem für Frankreichs Kulturgut, die Mode, gelten.

Jetzt äußerte sich der muslimische Blogger Fateh Kimouche mit entschärfenden Worten: „Das Angebot der großen Marken ist einfach eine Reaktion auf die Nachfrage. Dahinter stehen keine dicken Bärtigen. Man sollte vielleicht ein bisschen pragmatisch sein.“

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