Pelz im Trend – Comeback der Felle

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Die neue Pelz-Parade Ein Trend, der nicht gefellt

von Janine Dudenhöffer

Pelz ist immer wieder als politisch unkorrekt und als Tierquälerei gebrandmarkt worden. Er wurde aus Kleiderschränken verbannt, mit Farbe beschmiert – und erlebte doch immer wieder ein Comeback. Wie auch in dieser Saison: Pelz scheint auf einem Höhepunkt angekommen zu sein. Eine haarige Angelegenheit, wie wir finden…

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    Foto: Universal Pictures

    Keira Knightley als Anna Karenina

    Russen-Chic at its best! Keira spielt Anna – und plötzlich ist Pelz angesagter denn je? Dahinter steckt mehr…



„Wir sind Pelz“, so der Slogan der „International Fur Trade Federation“ (IFTF). Dieser Pelz-Handels-Vereinigung zufolge ist der globale Großhandelsumsatz mit Pelzen aller Art in den vergangenen zehn Jahren um 70 Prozent auf 11,5 Milliarden Euro gestiegen. Der größte Markt ist dabei übrigens nicht Russland, wie man annehmen könnte – sondern die Mode-Großmacht China. Grotesk mutet auch das Beispiel Dubaian: Hier verkaufen laut IFTF über 300 Geschäfte wärmende Pelzmode. Und das, obwohl selbst im Winter die Temperaturen im Emirat selten unter 20 Grad plus fallen. Zum Vergleich: In Berlin sind es rund 40 Geschäfte.

Ein fragwürdiger Trend, der sich da Winter für Winter in manche Kleiderschränke kuschelt. Wie selbstverständlich hängen auch diese Saison wieder dicke Felle über den schmalen Schultern von Models bei den Schauen von Fendi, Mulberry & Co. Schauspielerinnen wie Lindsay Lohan (26) tragen auf dem roten Teppich schwere Pelze über leichten Abendroben.

Seinen letzten großen Push bekam der Fell-Trend übrigens durch einen Film. Keira Knigthley (27) lässt in der Tolstoi-Verfilmung als „Anna Karenina" die russische Aristokratie des 19. Jahrhunderts wieder aufleben. Dabei trägt sie, wie damals üblich, Pelze. Dass der Look direkt vom Filmset auf die Laufstege gesprungen ist, weil die Film-Industrie die Modewelt eben schon immer inspiriert und beeinflusst hat – dieser Erklärungsversuch hinkt wie ein angeschossener Fuchs. Selbstdarstellung durch Silberfuchs, das scheint einfach nicht mehr zeitgemäß.

Fell-Verfechter sehen das anders: „Pelz ist für mich viel ökologischer als die billig produzierte Massenware vieler großer Textilketten. Die Frage, was nachhaltig und politisch korrekt ist, wird immer schwerer zu beantworten“, so zum Beispiel Elke Giese vom Deutschen Modeinstitut zu der Zeitung „Die Zeit“.

Dem hält die PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) die laschen Haltungsauflagen der Pelzindustrie entgegen, wodurch „die Tiere weiterhin in engen, dreckigen Drahtkäfigen gehalten werden, häufig neurotisches Verhalten an den Tag legen, krank werden oder sich verwunden… Im weltweit größten Pelzproduzentenland China existieren überhaupt keine effektiven Tierschutzgesetze... Ganz zu schweigen davon, dass ein artgerechtes Leben für die wilden Nerze und Füchse in Gefangenschaft prinzipiell nicht möglich ist“, heißt es in einem offiziellen Statement der Anti-Pelz-Aktivisten.

Alle, die wie wir diesen Trend fragwürdig finden, sollten sich angesichts der modischen Entwicklungen wohl besser ein dickes Fell zulegen – oder einen Webpelz.



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