Modische Wiedervereinigung: Ostalgie-Trends
von Thomas Helbing
Das war schon in der DDR schick!

Die DDR war modisch ein Niemandsland? Denkste! Worüber damals im Westen gerne mal gelacht wurde, feiert heute sein Laufsteg-Comeback. STYLEBOOK-Redakteur und Zonenkind Thomas Helbing erinnert sich zum Tag der Deutschen Einheit an seine stylische Vergangenheit.

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    Foto: dpa Picture-Alliance, Getty Images

    Ob Jeans-Trend oder Muster-Totale: Was früher in Ostdeutschland schick war, feiert heute ein Revival auf den internationalen Laufstegen. Zum Beispiel Denim bei Marc Jacobs (2.v.l.) oder Prints bei Tommy Hilfiger (r.)

Wie konnte man einen jungen DDR-Bürger glücklich machen? Mit echten Jeans. Ob Hose, Hemd oder Jacke – egal. Hauptsache irgendetwas aus Denim. Aber natürlich verhielt sich das mit den Bluejeans genauso wie mit Apfelsinen, Bananen & Co. – alles Bückware! Heißt: Die begehrten Teile lagen nicht offiziell in der Auslage. Man musste sie sich über Umwege besorgen.

Fragen Sie mich nicht, wie: Mutti hatte es im Frühjahr 1989 geschafft, dass ich glücklicher Besitzer einer Jeans-Jacke (sogar mit ausknöpfbarem Fellfutter) wurde. 400 Mark kostete das gute Stück in der „Jugendmode“, den speziell eingerichteten Bedarfsläden für junge DDR-Bürger – die dem modischen Anspruch ihrer Zielgruppe allerdings meist hinterherhingen.


Also: Diese Jacke war blau, nicht indigoblau, eher ein blasses, schmutziges Blau und aus schwerem, robusten Denim. Natürlich wusste ich, dass dies nicht unbedingt dem modischen Zeitgeist entsprach (und wahrscheinlich auch kein echter Denim war). Egal. Ich trug die Jacke mit Stolz.

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Sie können sich allerdings vorstellen, wie verdattert ich guckte, als ich 20 Jahre später im längst wiedervereinten Berlin meine erste Jeans vom schwedischen It-Label Acne kaufte – und diese meiner alten Jacke made in der DDR bis auf die Faser ähnelte. Gleicher Stoff, gleicher Blauton.

Spontaner Gedanke: Meine alte Heimat war wohl doch kein modisches Niemandsland...

Das sehen auch einige bekannte Designer und Modemarken so, die modische Fossilien des Arbeiter- und Bauernstaates zuletzt verdächtig oft in ihren Kollektionen wiederbeleben, sei es der Anorak oder russische Folklore-Elemente. Wie das heute aussieht? In der Fotogalerie!

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