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John Galliano soll Kultlabel Schiaparelli relaunchen
von Thomas Helbing
Neuer Job für den Skandal-Designer?

Beim Fashion-Poker werden die Karten wieder einmal neu gemischt: Nach 60 Jahren kehrt die Marke Schiaparelli in die Modewelt zurück. Pikant: Chefdesigner soll John Galliano werden, der im vergangenen Jahr wegen antisemitischer Pöbeleien seinen Posten bei Dior verlor.

  • Elsa Schiaparelli

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    Elsa Schiaparelli revolutionierte in den 30er und 40er Jahren ähnlich wie Coco Chanel die Frauenmode und beeinflusst bis heute die Designer. 1954 schloss sie ihr Modehaus

John Galliano sorgte wieder einmal für das größte Getuschel bei der MET-Gala am Montagabend in New York: Wird er verantwortlicher Chefdesigner beim Relaunch des Modehauses Schiaparelli?

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Im Juli wird in Paris eine Boutique eröffnen, am Place Vendôme – dort, wo Markengründerin Elsa Schiaparelli bereits in den 30er- und 40er-Jahren ihr Atelier hatte. Im März 2013 soll die erste Schiaparelli-Kollektion während der Pariser Modewoche präsentiert werden. Bereits im März dieses Jahres hatte das Branchenblatt „Women's Wear Daily“ Gerüchte gestreut, Galliano würde das Label Schiaparelli mit aufbauen.

Stefano Tonchi vom Magazin „W“ äußerte sich zum Thema: „Es gibt jede Menge Designer, die für den Job in Frage kämen... Aber ich dachte, es wäre doch ein großer Spaß, wenn John Galliano das tun könnte“, zitiert das „New York Magazine“ den Moderedakteur und schließt aus der Formulierung „dachte“ (Vergangenheit!) jeden Zweifel über Gallianos Comeback bei Schiaparelli aus.

Doch wir erinnern uns: Im Februar 2011 hatte der 51-jährige Modedesigner, betrunken und in Pöbellaune in einem Parise Café sitzend, ein Paar beschimpft und sich zu antisemitischen Äußerungen hinreißen lassen. In einem Videomitschnitt hörte man Galliano Hitler-Sympathien lallen und Leute beleidigen. Die Wellen schlugen hoch. Schließlich wurde der Exzentriker nach 14 Jahren seines Postens als Kreativdirektor bei Dior enthoben – der absolute Tiefpunkt in der Karriere des Mode-Genies.

Auch wenn John Galliano nach mittlerweile zwei Entziehungskuren auf seine berufliche Rehabilitation hofft und sich zahlreiche Unterstützer wie die Chefin der italienischen „Vogue“, Franca Sozzani, oder eben Stefano Tonchi die Rückkehr Gallianos herbeisehnen – die Benennung John Gallianos zum neuen Chefdesigner bei Schiaparelli wäre heikel.

Allerdings: Für Aha-Effekte war das Modehaus schon immer bekannt.


Die in Rom geborene Designerin Elsa Schiaparalli († 83) machte sich in den 30er Jahren einen Namen mit phantasievoller und unkonventioneller Mode. Sie war die Erste, die Reißverschlüsse in der Haute Couture verwendete; zeitlebens war sie eine der größten Rivalinnen von Coco Chanel. Bekannt wurde Schiaparelli mit Entwürfen in „Shocking Pink“, Strickmotiven aus menschlichen Skeletten, Abendkleidern aus Cord und ausgeflippten Hutkreationen. Das „S“ in ihrem Markennamen stand inoffiziell nicht nur für „Schiaparelli“, sondern auch für „shocking“. 1954 zog sie sich aus dem Modegeschäft zurück.

Schiaparelli hat einmal gesagt: „Ich fand, dass Kleider zu entwerfen die schwierigste und unbefriedigendste Kunst ist. Sobald ein Kleid geboren ist, ist es auch schon Teil der Vergangenheit.“

Ob das auch für John Gallianos Verhalten gilt und die Modebranche ihm eine zweite Chance gibt? Wir werden sehen...

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