American Apparel mit neuer Chefin und Ethik-Codex: ab jetzt brav?

Foto: American Apparel

American Apparel: Neue Chefin, neuer Ethik-Kodex
von Laura Pomer
Schluss mit schlüpfrig?

Unter neuer Leitung will der US-Retailer American Apparel seinen von Skandalen geprägten Ruf vergessen machen. Von nun an definiert ein strenger Ethik-Kodex die Verhaltensregeln innerhalb der Firma. Und darin geht es um weitaus mehr als moralisch vertretbare und politisch korrekte Werbung.

  • Paula Schneider

    1/6

    Foto: Getty Images

    Mit ihr soll alles anders werden: Als neue American-Apparel-Chefin will Paula Schneider, die ihr Haar inzwischen übrigens blond trägt, den Ruf des Labels wieder auf Vordermann bringen. Ihr Vorgänger ...

In seinen Kampagnen hat American Apparel nicht selten über die Strenge geschlagen. Alleine 2014 löste das Label unter anderem mit einer barbusigen Muslimin, einem freizügigen Lolita-Anzeigen-Look und Schaufenster-Puppen mit aufgeklebtem XXL-Schamhaar für heftige Diskussionen. Auch in den vorangegangenen Jahren störten sich Kritiker immer wieder an den meist extrem jungen Hobby-Models in knappsten Stöffchen und aufreizenden Posen.

Anzeige

Schluss mit schlüpfrig
Im vergangenen Juni zog das Unternehmen die Reißleine und feuerte seinen umstrittenen, mehrfach wegen sexueller Belästigung angeklagten CEO Dov Charney (45). Seine Nachfolge tritt nun Paula Schneider an, die frühere Modechefin des Labels. Ihr ambitioniertes Ziel: „American Apparel zu einer besseren Firma zu machen.“ Wie Schneider Mitte Dezember in einem offiziellen Statement verkündete, wolle sie dabei den ursprünglichen Werten wie „Qualität und Kreativität“ und der „Philosophie einer Produktion ohne Sweatshops“ treu bleiben.

Epischer Ethik-Kodex
Was den Mitarbeitern der Firma erlaubt ist und was nicht, bestimmt nun ein überarbeiteter Verhaltens-Kodex – der mit seinen 12 Seiten viermal so lang ist wie das Schriftstück, das zur Charney-Ära gültig war. Wie das Branchenblatt „Women’s Wear Daily“ berichtet, wird darin nicht nur eine neue „Fairness“-Politik beschlossen – sprich: die Diskriminierung von Geschlechtern, Rassen oder Homosexuellen strikt unterbunden – sondern auch das zwischenmenschliche Untereinander in der Firma geregelt. So sind romantische Beziehungen wie auch unverbindliche Dates zwischen Mitarbeitern ab sofort verboten, insbesondere auf unterschiedlichen Hierarchie-Ebenen. Ob sich das (auch wirtschaftlich) krisengebeutelte Label dadurch wieder berappelt, wird sich zeigen.

Wird American Apparel jetzt bieder?
Dass künftig keine Minderheiten verletzt werden und Mitarbeiterinnen sicher vor sexueller Belästigung sein sollen, ist jedenfalls zu begrüßen. Bleibt bloß zu hoffen, dass der Anstands-Kurs der neuen Firmenleitung nicht ins Extreme umschlägt. Eines muss man dem bisherigen Auftritt von American Apparel nämlich lassen: Er war mutig – wie die Unterwäsche-Kampagne mit der 62-jährigen Jacky O'Shaughnessy – und auf jeden Fall ein Hingucker.


Kommentare


Blogs