Der Look von Wes Andersons Film „Moonrise Kingdom“
von Stephanie Beckmann
Von der Leinwand auf den Laufsteg?

Es ist der Sommer 1965. Die Schwüle in der Luft scheint am eigenen Leib spürbar, obwohl man im dunklen Kinosaal sitzt. Denn der neue Film „Moonrise Kingdom“ von Wes Anderson ist durch die Sepia-Linse nostalgisch Gelb gefärbt und die Liebesgeschichte zwischen zwei Teenagern so mitreißend, dass man versucht ist, sich wie die Darsteller Kniestrümpfe anzuziehen und über eine Wiese zu springen...

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    Foto: Tobis

    „Moonrise Kingdom“

    Im neuen Film von Wes Anderson verlieben sich zwei Teenager und brennen durch. Der Look: nostalgisch gefärbt, wie durch einen Sepia-Filter

Es wäre nicht das erste Mal, dass ein filmisches Ereignis die Mode beeinflusst. Man denke nur an „The Great Gatsby“, der noch nicht einmal angelaufen, das Jazz-Age auf die Laufstege im letzten Jahr zurück brachte oder „Black Swan“, der für ein Ballerina-Revival sorgte. Und natürlich die US-Serie „Mad Men“, die für eine Retro-Welle auf den Laufstegen der Mode sorgte. Auch „Moonrise Kingdom“ spielt in den 60ern, allerdings im ländlichen Nordosten der USA.

In gewohnt liebevoll überzeichneten Rollen skizziert Regisseur Wes Anderson („The Royal Tenenbaums“, „Die Tiefseetaucher“, „Darjeeling Limited“) eine romantische Komödie mit Starbesetzung: Bruce Willis, Tilda Swinton, Edward Norton und natürlich ist auch Bill Murray wieder dabei.

Die Story: Ein zwölfjähriges Mädchen und ein gleichaltriger Junge verlieben sich vor der nostalgischen Kulisse von Pfadfinderjugend, Spießbürgertum und Natur in grobkörniger „Instagram“-Färbung. Die beiden brennen in die Wildnis durch. Im Gepäck: So stylische Utensilien wie ein Fernglas, eine Korbtasche und ein Strauß Wald- und Wiesenblümchen.

Der mädchenhafte Look: Hochgeschlossene Minikleider in Sonnengelb oder rosa-weißem Vichy-Karo, dazu hochgezogene Kniestrümpfe, weiße Kragen und geschnürte Halbschuhe. Der Junge, ein Pfadfinder-Pionier, trägt allerlei Abzeichen auf seiner khakifarbenen Uniform, dazu eine Waschbärenmütze und das obligatorische Halstuch – dessen Zipfel akkurat auf der Brust liegen, als Teil der Pfadfinder-Uniform und wiederkehrendes Symbol für Disziplin und Tradition, Zugehörigkeit und Vereinskultur.

Die anderen Protagonisten glänzen durch Pillbox-Hütchen auf dem betonfesten Locken-Bubikopf zum gerade geschnittenen Kastenmantel oder Kopftuch zum roten Anorak an der weiblichen Front. Die Männer auf der Leinwand tragen zugeknöpfte Cardigans und Seitenscheitel, Nerd- und Pilotenbrillen.

Eine Mode, die das Kleinstadtleben in den Vorgärten und die heile Welt repräsentiert, mit einem ironischen Schuss Patriotismus (siehe den Abzeichen-Kult der Pfadfinder) und der unschuldigen Leichtigkeit mädchenhafter Minikleider.

Ein Look, den wir demnächst auch auf den großen Laufstegen wiederfinden?

Überraschen würde das nicht – denn schon in früheren Filmen bewies Regisseur Wes Anderson auffällig sicheres Trend-Gespür: Nach „The Royal Tenenbaums“ von 2001 feierten die Retro-Anzüge mit den drei Streifen von Adidas ein Comeback; „Die Tiefseetaucher“ von 2004 brachte rote Strickmützen in Mode. Und seit „Darjeeling Limited“ von 2007 ist Monogramm-Gepäck von Louis Vuitton der liebste Reisebegleiter des Großstadt-Hipsters.

„Moonrise Kingdom“ läuft seit dem 24. Mai auch im deutschen Kino. Tipps zum Nachstylen – in der Bildergalerie!


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