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Schöner Schrott!
Dieses Kleid war mal ein Motorrad

Ein Oberteil, das im früheren Leben als Motorrad schon mal über die London Bridge gebraust ist? Bei Designer Timothy Bouyez-Forge wäre diese Vorstellung durchaus möglich. Der Absolvent des „Royal College of Art´s London“ macht Kleidung aus alten Motorradteilen.

Wie gut Recycling und Haute Couture zusammenpassen, bewies jüngst Designerduo Viktor & Rolf, die ihre alten Kollektionen zerschnitten und eine komplett neue daraus kreierten. Bei Designer Timothy Bouyez-Forge wird Schere und Nadel jedoch nicht ausgereicht haben. Denn seine Entwürfe aus Motorradteilen erforderten Bolzenschneider und Schweißbrenner.

  • Timothy Bouyez-Forge

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    Foto: Timothy Bouyez-Forge/Ted Mendez

    Eigentlich interessierte sich der Designer eher für 3D-Animation und Spiele-Design. Bis er seine Leidenschaft für Texturen und Farben entdeckte

Goldpolierte Haremshosen und glänzend grüne Mieder hat Bouyez-Forge aus Windschutzscheiben oder Kotflügeln gebastelt, anschließend lackiert. Seine Mission: Mechanik mit Mode verschwimmen lassen.

Ein von @timothy_bf gepostetes Foto am


„Ein Outfit ist wie ein Transportmittel“
„Ein Outfit ist manchmal fast wie ein Transportmittel“, beschreibt der Designer dem „Dazed & Confused Magazine“ die Idee zu seiner Kollektion. „Es kann dich vielleicht mit in ein anderes Land oder in eine andere Traumlandschaft nehmen.“

Auf die verrückte Idee, Mode aus alten Motorradteilen herzustellen, brachte ihn ein Lehrer. „Ich startete damit, Skulpturen aus Metall und alten Autoteilen zu basteln. Mein Lehrer Tristan Webber sagte, dass meine Formen so aussehen wie alte Motorradteile. Ich dachte mir: Ja! Und schon sammelte ich in den Garagen von Dalston Motorradteile ein, die ich auf meinem Rücken geschnallt regelmäßig in die Uni fuhr.“

Job bei Mary Katrantzou
Inspirieren ließ sich der Designer von Sportwagen, BMX-Rädern, schweren Maschinen und Frauen auf Rennrädern. Aber auch der Roman „Crash“ von James Graham Ballard (†78) und der Manga „Akira“ von Katsuhiro Otomo (62) seien Grundlagen für seine Arbeit gewesen.

Nicht verwunderlich, dass Bouyez-Forge sich für eine eher skulpturale Interpretation von Mode entschieden hat, denn eigentlich lag das Interesse des Designern nicht unbedingt im Fashion-Bereich: „Ich dachte anfangs nicht über ein Modestudium nach. Ich wollte 3D-Animation oder Spiele-Design machen.“ Nach steigendem Mode-Interesse landete er schließlich auf dem „College of Fashion“ in London und bekam nach seinem Abschluss einen Job bei Mary Katrantzou (33).

Das Publikum hat bis jetzt nur einen Teil der ganzen Motorrad-Schrott-Kollektion. Erst im September zeigt der Designer die vollständigen Entwürfe. Nach der Präsentation möchte er sich gleich auf eine neue Kollektion stürzen. Die Modewelt ist eben genauso rasant wie ein PS-starkes Motorrad.

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