Mode in China: Angelica Cheung, Uma Wang und Liu Wen stecken dahinter

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Mode auf der Überholspur China unterwegs zur Fashion-Supermacht

1,3 Milliarden Chinesen in Einheitsuniform – das war einmal. Das Reich der Mitte rüstet modisch auf, Chinas Luxusindustrie gilt als Zukunftsmarkt. Wer in Chinas Modebranche die Fäden in der Hand hält und wie der Markt tickt, verrät STYLEBOOK.

Uma Wang, Liu Wen und Fan Bing Bing – diese melodisch klingenden Namen sind die Zukunft der Modebranche. Und die spricht künftig Chinesisch, glaubt man den nackten Wirtschaftszahlen.

DIE FAKTEN
China wird die USA – den bisher größten Markt für Luxuswaren – bis 2020 überholt haben, prognostiziert die Unternehmensberatung McKinsey. Einer weiteren Studie zufolge leben bereits ein Viertel der 1000 reichsten Menschen der Welt im Reich der Mitte, Tendenz rasant steigend. Damit belegt China hinter den USA und Japan laut dem „Global Wealth Report“ Platz drei an Millionärshaushalten. Dazu kommt eine kaufkräftige Mittelschicht in den Boomtowns wie Shanghai, Hongkong und Peking. Viel wichtiger für den Luxusmarkt: Traditionell sind Chinas Frauen den Männern gleichgestellt, der Anteil des von Chinesinnen erwirtschafteten Kapitals beträgt rund 50 Prozent, ein Drittel der chinesischen Millionäre sind weiblich.

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    Angelica Cheung

    Die Chefredakteurin der chinesischen „Vogue“ ist wie ihr amerikanisches Pendant, Anna Wintour, die einflussreichste Frau in der Modebranche Chinas. Ihre Leserschaft wächst stetig (aktuell 1,2 Millionen). Da bleibt es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis die Frau mit dem markanten Bob Wintour ihren Posten als mächtigste Frau der Branche streitig macht. Die studierte Juristin leitet das Magazin seit seiner Gründung 2005 und ist überzeugt davon, dass China eines Tages der größte Luxusmarkt der Welt sein wird

DIE GROSSE MODE-REVOLUTION
Die Front Rows bei den internationalen Modenschauen sind längst mit chinesischen Starletts wie Schauspielerin Fan Bing Bing besetzt, Luxusmarken eröffnen nirgendwo so viele neue Boutiquen wie in China (Armani noch 50 bis Ende dieses Jahres), Luxuslabels wie Prada oder Louis Vuitton exportieren ihre Millionen-Mega-Shows samt Setting und Models ins Reich der Mitte und chinesische Models sind mittlerweile so gefragt wie einst die brasilianischen oder russischen Mädchen. Doch Chinas Modewelt tickt anders als in Europa oder Amerika.
Angelica Cheung, Chefredakteurin der chinesischen „Vogue“: „Chinesen lebten Jahrzehnte in einer modischen und kulturellen Wüste. Was wir hier machen, ist Aufklärungsarbeit... Was waren die Swinging Sixties? Wer steckt hinter Céline? Leser der französischen ‚Vogue‘ wissen das – Chinesen nicht“, erzählt die 46-Jährige mit dem markanten, asymmetrischen Bob im Interview mit der „Times“.
Kulturschock China – das musste auch Prada erfahren. So ist bekannt, dass das Italo-Label seine Sommerkollektion 2011 für den chinesischen Markt komplett umkrempelte: Originalteile aus Baumwolle wurden in Seide gefertigt (Chinesen sollen Baumwolle hassen), alle Elemente, die an traditionelle chinesische Kleidung erinnerten, wurden modeliert. „Meine ursprüngliche Kollektion konnte für China gar nicht falscher sein“, soll Miuccia Prada damals gesagt haben.

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DIE PROGNOSEN
Chinas „Vogue“-Chefin bescheinigt ihrem „Volk“ ein aufstrebendes Stilgefühl, das seinen Reichtum nicht in Bling-Bling und Logo-Manie, sondern subtil inszeniert: mit Kleidern von Haider Ackermann, Balenciaga und Marni. „Ein bisschen Mao lebt wohl immer noch in uns allen“, bemerkt Cheung ironisch.
Auch Chinas Design-Nachwuchs wie Uma Wang und Huishan Zhang wird zunehmend international beachtet. Das ist erst der Anfang. Die renommierte Londoner Designer-Schmiede Central Saint Martins soll geradezu einen Ansturm chinesischer Mode-Studenten verbuchen. „Die werden nicht nach China zurückgehen, um zu kopieren, sondern um kreativ zu werden“, so Direktorin Louise Wilson in der „Times“.
China als „Werkbank der Welt“, die den Globus mit Billigtextilien überschüttet – auch das wird sich ändern. Das chinesische Lohn-Niveau steigt, die Lebenshaltungskosten in China explodieren. „Es wird nicht mehr langen dauern und das minderwertige Label ‚Made in China‘ wird gegen ein anspruchsvolles ‚Designed in China‘ ausgetauscht werden“, prophezeit Angelica Cheung. Wer außer „Chinas Anna Wintour“ noch eifrig daran strickt, zeigen wir in der Fotogalerie.

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