Abercrombie-CEO Mark Jeffries: Wir machen keine Plus-Size Mode

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Abercrombie & Fitch empört die Modebranche Fettnapf Firmenpolitik

von Stephanie Beckmann

Mike Jeffries, Chef der amerikanischen Streetwear-Kette Abercrombie & Fitch, leistete sich einen wahrhaftig dicken Ausrutscher. In einem Interview sagte er: Weder wolle er Mode für korpulente Menschen herstellen, noch diese in seinen Läden sehen. Die Branche ist fassungslos.

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    Mike Jeffries, Firmenchef der beliebten Streetwear-Kette Abercrombie & Fitch, setzte sich nun im wahrsten Wortsinne in ein Fettnäpfchen, denn er gestand: Es gibt einen guten Grund dafür, keine Damengrößen XL und XXL zu führen, denn seine Mode ist nicht für dicke Mädchen. Autsch!

Jeder ist wahrscheinlich schon mindestens einmal in einen dieser dunklen, labyrinthartigen Shoppingtempel geraten, um einen der berühmten kuscheligen Kapuzenpullis mit dem Schriftzug „Abercrombie & Fitch“ zu ergattern und kennt das ausgefeilte Verkaufskonzept: Blitzlicht und ohrenbetäubende Musik lassen Erinnerungen an 1990er-Jahre-Discotheken aufflackern. Über die Klimaanlage wird der beißend frische Signature-Duft versprüht, von allen Seiten wird man von verdammt gutgelaunten, tanzenden Verkäufer(inne)n gefragt: „Hey, wie geht’s? Kann ich dir helfen?“
 
„Nein, danke“ lautet nun vermutlich die Antwort vieler potentieller Kunden der Highstreet-Kette. Denn nun ist bekannt geworden, warum es die beliebte Streetwear für Frauen nicht in den Größen XL und XXL gibt: Die Macher wollen nicht, dass kurvige Frauen Teil ihres sportlichen Lifestyle-Konzepts werden. 
 
Das deckte der Autor Robin Lewis auf. Für sein Buch „New Rules of Retail“ („Die Regeln des Einzelhandels“) sprach er mit Firmenchef Mike Jeffries und berichtete: „Jeffries möchte nicht, dass fülligere Personen in seinen Läden einkaufen, sondern nur dünne und schöne Menschen. Und diese sollen wiederum keine Leute in seinen Klamotten sehen, die nicht genau so heiß sind wie sie. Leute, die seine Mode tragen, sollen sich fühlen, als gehörten sie zu den ‚Cool Kids’“,  zitiert das britische News-Magazin „Dailymail.co.uk“.

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Das bestätigt, was wir bereits seit 2006 ahnen: „Abercrombie & Fitch“ verfolgt eine diskriminierende Marketingstrategie. Damals erläuterte Mike Jeffries gegenüber der amerikanischen Plattform „www.salon.com“: „Es ist das Wichtigste: Wir stellen gutaussehende Menschen ein, denn diese ziehen andere gutaussehende Menschen an. Wir wollen unsere Sachen nur an gutaussehende, coole Menschen vermarkten und an niemand anderen.“

Und weiter: „Offen gestanden richten wir uns an die coolen Kids, die attraktiven, ‚all-american‘-Kids mit einer tollen Einstellung und vielen Freunden.“ Jeffries gibt offen zu: „Sind wir diskriminierend? Absolut.“

Diese Aussagen sind nicht nur frech, sondern auch reichlich ungeschickt. Denn Jeffries muss aufpassen, dass sein eigenes Unternehmen nicht auch bald zu den uncoolen zählt: Zwischen 25 bis 40 Prozent soll der Retailer inzwischen jährlich einbüßen, wie das „Manager Magazin“ berichtete. Das wiederum könnte daran liegen, dass Jeffries mit seiner Politik potentielle Kunden von vorne herein ausschließt – schließlich sind in den USA, seinem Hauptumsatzland, rund zehn Prozent der Kinder, 20 Prozent der Jugendlichen und über 60 Prozent der Erwachsenen stark übergewichtig.
 
Auf Nachfrage beim Unternehmen zu den Vorwürfen des Autors Robin Lewis erhielten wir leider kein Statement.
 
Übrigens: Bei Männern werden die Größen XL und XXL geführt...


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