Prada

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Prada: Gewinnsteigerung von fast 60 Prozent
Nicht nur der Teufel trägt Prada

Prada verkauft sich gut, trotz wirtschaftlich schwieriger Zeiten. Das liegt sicher an gutem Management – vor allem aber am exzellenten Design von Miuccia Prada (63). Die „Königin der Trends“ schafft es jede Saison aufs Neue, den Nerv der Zeit zu treffen, ohne sich dabei selbst zu kopieren.

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    Miuccia Prada und ihr Ehemann Patrizio Bertelli. Sie kümmert sich ums Design, er ums Geschäft. Ergibt: Das erfolgreichste Paar der Modebranche



Schuhe für 800 Euro, Handtaschen ab 2.000 Euro – anderswo Ladenhüter, bei Prada verkaufen sich diese Luxusprodukte derzeit wie geschnitten Brot. Das ganze noch einmal in nackten Zahlen ausgedrückt: Das italienische Modehaus hat seinen Gewinn im ersten Halbjahr 2012 um fast 60 Prozent gesteigert, verdiente 286 Millionen Euro. Die Börsenprofis haben dafür drei Gründe:
1. In Asien stieg die Nachfrage nach Prada-Produkten rasant. Im Gegensatz dazu beklagte dort Konkurrent Burberry Umsatzeinbrüche.
2. Vor allem Handtaschen und die günstigere Zweitlinie Miu Miu verkaufen sich besonders gut.
3. Prada ist strategisch (z. B. kleines Filialnetz) besser aufgestellt als die Konkurrenz. 

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Nun sind schöne Blüten noch längst keine Früchte. Für diese ist nämlich eine Frau zuständig: Miuccia Prada. Die scheue Designerin ist eine der wenigen weiblichen Superstars im Modebusiness. Ihr ist es zu verdanken, dass fast jeder halbwegs informierte Mensch die fünf italienischen Buchstaben kennt (na ja, und ein bisschen der Kino-Hit „Der Teufel trägt Prada“ mit Meryl Streep und Anne Hathaway).

Pradas Erfolgsformel: Sich immer wieder neu erfinden und immer schön gegen den Strom schwimmen. Miuccia Prada hechelt keinen Trends hinterher, sie setzt sie. Das brachte ihr beiläufig den Beinamen „Königin der Trends“ ein.

Miuccias Markenzeichen: Keine Kollektion gleicht der anderen, fast jede ist eine Sensation (nur die Sommerkollektion 2009 wurde selbst von der einflussreichen Modekritikerin Suzy Menkes getadelt). Propagiert sie für diesen Winter noch Kleider und Kostüme im Tapetenmuster, sieht Prada die Frauen im nächsten Sommer als Geishas in Kimonokleidern und überhohen Plateaus.

„Kleidung hat nichts mit Erfolg zu tun, Kleidung soll Spaß machen.“

Miuccia Prada

In den 1990er Jahren brachte Miuccia Prada das damals verpönte Nylon in Mode. Lilabraune Kittelkaros zu blaugestreiften Strümpfen, Söckchen zu High Heels, Samsonfell-Mäntel zu Mondrian-Kleidern – geschmacklos? Bei Prada keineswegs! Trendpotential? Riesig! Aus dem Mix solcher Kontraste beziehen Pradas Kollektionen ihre Spannung – und damit auch ihre Modernität. Nicht zu vergessen die Accessoires, die bei Frauen weltweit Saison für Saison das gewisse Haben-Müssen-Gefühl auslösen.

Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau. Im Falle Pradas kehrt sich das um: Wenn Miuccia Prada die einflussreichste Designerin der Welt ist, dann ist Ehemann Patrizio Bertelli der Antriebsmotor hinter ihr. Bertelli ist mitverantwortlich, dass aus einem kränkelnden Lederwarenhandel ein internationales Mode-Imperium mit über 250 Boutiquen von San Francisco bis Seoul wurde. „Er ist das Hirn, wir sind die Arme“, sagt Miuccia Prada über ihren Ehemann, den sie 1977 auf einer Messe in Mailand kennen lernte.

Das passt zu Seniora Prada. Rummel um ihre Person schmeckt der Designerin, die in Politikwissenschaften promovierte, nämlich überhaupt nicht. Sie geht selten aus, pflegt stattdessen ihr Familienleben und einen treuen Kreis von Freundinnen.

Understatement ist bei Miuccia Prada eben Prinzip wenn sie sagt: „Kleidung hat nichts mit Erfolg zu tun, Kleidung soll Spaß machen .“


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