H&M zieht „Kurden-Overall“ nach Kritik zurück
Ist das noch Mode oder Provokation?

Ein khakifarbener Overall aus der Herbstkollektion der schwedischen Modekette H&M wird aktuell scharf im Netz kritisiert und diskutiert. Der Grund: der Jumpsuit im Military-Look erinnere zu stark an die Uniformen der weiblichen, kurdischen Soldatinnen, die gegen die Terrormiliz ISIS kämpfen. H&M hat sich bereits öffentlich entschuldigt – zu Recht?

H&M-Overall in der Kritik
Der khaki-grüne Jumpsuit aus der aktuellen Herbstkollektion von H&M ist mehr als ein Trendteil in einer modisch angesagten Farbe: Dieser Overall löste heftige Diskussionen auf Facebook und Twitter aus, da er den Kampfanzügen kurdischer Kämpferinnen der Volksverteidigungseinheiten YPG, die aktuell in Syrien gegen den Islamischen Staat Irak Syrien (ISIS) kämpfen, zu sehr ähnele. „Geschmacklos“, „schamlos“, „respektlos“, „ekelhaft“ urteilten hunderte Online-User und kritisierten unter anderem, dass H&M die mutigen YPG-Kämpferinnen und deren Wiedererkennungswert der Kampfausstattung zu Werbezwecken missbrauche. Der Modehersteller reagierte prompt.

Anzeige

H&M entschuldigt sich öffentlich
„Es tut uns sehr Leid, falls sich jemand durch das Kleidungsstück angegriffen fühlt. Das war nicht unsere Intention“, ließ H&M-Pressesprecherin Ida Ståhlnacke als Stellungnahme verlauten, nachdem der Overall im Military-Look im Internet einen Shitstorm gegen den schwedischen Textilkonzern auslöste. Ståhlnacke erklärt: „In den letzten Saisons kam es zu einer erhöhten Nachfrage nach Overalls in unterschiedlichen Farben, wie etwa in Blau oder Rot. Der fragliche Overall wird in einem hellen und komfortablen Material gefertigt und ist Teil einer größeren Sammlung aus vielen H&M-Kleidungsstücken in Khaki, da dieser Grünton eine der angesagtesten Farben der Saison ist.“

Modemarken in der Kritik
Es ist nicht das erste Mal, dass Modeunternehmen für ein Kleidungsstück in der öffentlichen Kritik stehen. Allein innerhalb der vergangenen sechs Wochen gab es einen Shitstorm gegen den spanischen Textilriesen Zara sowie gegen den amerikanischen Konzern Urban Outfitters. Zara stand in der Kritik, weil das Unternehmen ein gestreiftes Shirt mit gelbem Stern in der Kinderkollektion auf den Markt brachte, das an die Strafbekleidung von KZ-Häftlingen im Dritten Reich erinnerte. Urban Outfitters erlaubte sich, ein Sweatshirt im College-Stil mit Fake-Blutflecken zum Verkauf anzubieten, was stark an das Kent-Uni-Massaker von 1970 erinnert. Konsequenz: Shitstorm nebst öffentlicher Kritik. Auch hier nahmen beide Modeunternehmen die betreffende Kleidungsstücke sofort aus dem Handel und entschuldigten sich öffentlich. 

Modetrends versus Realität
Zweifelsohne: Der Modetrend Military lässt seit Jahrzehnten Inspiration an Soldaten-Uniformen zu. Offenbar hat H&M nun den Fehler begangen, bei der Auswahl eines Key-Pieces, dem Overall mit aufgesetzen Brusttaschen, sowie einer Trend-Farbe, Khaki, nicht lange genug darüber nachgedacht, dass ein Kleidungsstück mit jenen Attributen Menschen aufgrund der aktuellen Ereignisse im Irak und Syrien verletzen kann. Ob H&M einen peinlichen Patzer beging und die Ähnlichkeit des Trend-Kleidungsstückes mit der Kleidung realer YPG-Kämpferinnen unbeabsichtigt war, steht im Internet weiterhin zur Diskussion.


Kommentare


Blogs