Kreativdirektorin Susanne Tide-Frater im Interview

Mode-Expertin Susanne Tide-Frater im Interview
von Stephanie Beckmann
Trends sind tot, es lebe die Persönlichkeit!

Letzte Woche wurde der Voo Store in Berlin Kreuzberg von dem erfolgreichen Online-Shop-System Farfetch zum „Superstore“ gekürt: Eine Auszeichnung, die das Gesamtkonzept beurteilt. Zu diesem Anlass unterhielt sich STYLEBOOK mit der Brand-Direktorin Susanne Tide-Frater, die bereits als Kreativchefin für die Londoner Kaufhäuser Harrods und Selfridges arbeitete. Und erhielt interessante Antworten auf die wichtigen Trendfragen des Lebens.

  • Foto: Trevor Good

    Die Kreativdirektorin von Farfetch, Susanne Tide-Frater im Gespräch mit Herbert Hofmann vom Voo Store

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    Das Voo-Store-Team feierte die Auszeichnung zum „Superstore“

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    Der Voo Store in Berlin-Kreuzberg: Nicht nur die Produkte, auch deren Präsentation und das Raumkonzept spielen eine Rolle

Sie ist der kreative Kopf hinter großen Kaufhäusern und erkennt die wichtigen Strömungen, obwohl sie selber kaum noch an Trends glaubt. Susanne Tide-Frater krempelte die Londoner Modehäuser Selfridges und Harrods um, nun ist die Kreativdirektorin beim internationalen Online-Shop Farfetch. Nur ausgewählte Shops mit Persönlichkeit werden von Farfetch vertrieben – in ist, wer drin ist! Über diese Ehre darf sich nun auch der Voo Store in Berlin freuen. Wir trafen die sympathische Susanne Tide-Frater mit der platinblonden Statement-Frisur während der kleinen Feier in dem Concept-Store, entlockten ihr Mode-Tipps, ließen uns erklären wo noch Trends entstehen und was die Auszeichnung als Superstore bedeutet.

STYLEBOOK: Susanne Tide-Frater, wie erkennen Sie Trends? Und wer ist ihr persönlicher Trendsetter oder Ihre Stil-Ikone?
Susanne Tide-Frater: Ich glaube nicht wirklich an saisonale Trends, da ich nicht denke, dass sie die Mode dann noch beeinflussen. Wenn überhaupt, muss man Trends selber setzen und ihnen nicht folgen. Nichts anderes machen die Partner von Farfetch, wenn sie die Designer-Kollektionen nach ihrem persönlichen Geschmack einkaufen. Unsere Kunden sind genau so, sie glauben an Individualismus, mehr als an den Mainstream. Dennoch glaube ich an größere Trends oder das Konsumverhalten. Der beste Ort, um die kreative Welt von morgen zu verstehen, ist im Moment die Möbel-Messe in Mailand und das Drumherum in dieser Stadt. Alles dreht sich um Räume, Volumen und Farbe – aber nicht saisonal begrenzt. Meine persönlichen Trendsetter und Stil-Ikonen sind Menschen, die konstant die Grenzen verschieben, ohne Rücksicht darauf, was andere dazu sagen: Miuccia Prada, Tilda Swinton und Phoebe Philo.

Haben Sie jemals einen Trend unterschätzt?
Ja, ich bin wirklich fasziniert von dem immer wiederkehrenden Sixties-Trend, der entweder niemals verschwindet oder immer wieder auftaucht. Ich glaube, Frauen und Designer teilen einfach eine Begeisterung für diese spezielle Ära.

Sie haben sicher eine endlos lange „Must-Have“-Wunschliste, die ständig modifiziert wird. Können Sie auch „Nein“ sagen?
Da haben Sie Recht, sie ist endlos! Ganz oben auf der Liste steht aktuell eine schwarze Haider Ackermann Jacke, ein Paar rote High-Heel-Sandalen von Balenciaga mit silbernem Absatz, ein Print-Kleid von Carven und ein kurzer Pulli. Wenn die neue Saison beginnt, fühle ich mich immer wie ein Kind in einem Bonbon-Laden und es ist immer schwer, „Nein“ zu sagen.

Für welches Teil würden Sie Ihr Konto plündern?
Für einen weiteren Ring von Rosa Maria, die absolut fantastischste Schmuckdesignerin aus Libanon.

Und welche Basics befinden sich immer in Ihrem Koffer?
Kaschmirpullis von de Roemer, Shirts in allen Farben von Enza Costa, Leggings von Helmut Lang – die perfekten Layering-Teile, egal wie das Wetter ist und wo man hingeht.

Wie würden Sie Ihren Stil heute beschreiben?
„Sophisticated-relaxed“: Ich trage schwarze Hosen, Overknee-Boots, eines meiner Lieblings-Enza-Costa-Shirts und eine gesteppte, khakifarbene Jacke des britischen Designers Christopher Raeburn, der soeben den British Fashion Award in der Kategorie „Aufstrebender Designer des Jahres“ gewonnen hat.

Was sind Ihre Lieblingsshops?
Ra und L’Eclaireur in Paris, Andreas Murkudis und Voo in Berlin, Penelope und Stilo Fetti in Italien und, natürlich, all unsere Shops bei Farfetch. Ich liebe Shops die sich nicht nur über ihre Produkte definieren, sondern über ihr Store-Design, die visuelle Präsentation und die Persönlichkeit der Shopbesitzer.

Und was macht den Voo Store zu einem „Super Store“?
Genau eben das! Es ist ein sorgfältig kuratierter Raum, in dem Produkte, Objekte und Räumlichkeiten zusammen ein wundervolles Erlebnis schaffen. Die Produkte reichen von cooler Streetwear über zeitgenössische Designer bis zu Lifestyle-Objekte. Sie veranstalten Events die Musik, Mode, Design und Kunst vereinen – eine kreative Plattform eben.

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