Kinder mit Down-Syndrom als Model
von Thomas Helbing
Diese Mode-Kampagne ist ganz gross

Kinder werben für Kindermode – an sich nichts ungewöhnliches. Doch wenn die kleinen Modestars mit einer Behinderung leben müssen? Ist das genauso normal, wie die aktuelle Kampagne eines Onlineshops für Kindermode zeigt.

  • Brandkids Kampagne

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    Foto: Inge Snelders

    Die dreijährige Livia ist eine von sechs Kindern, die aktuell für die Modemarke Brandkids modelt. „Für Livia war das ein aufregendes Erlebnis“, verrät ihr Vater im STYLEBOOK-Interview

Sie heißen Akim, Alma, Fabian, Helena, Justus und Livia, sind zwischen zwei und sieben Jahre alt und die aktuellen Stars der Werbekampagne des Kindermoden-Onlinehändlers Brandkids.

Kindermodels mit Down-Syndrom

So weit nicht ungewöhnlich. Aber, was auf den ersten Blick vielleicht gar nicht zu sehen ist, alle sechs Kinder haben das Down-Syndrom, ein Gendefekt bei der sich die Chromosomen bei der Zellteilung während der Schwangerschaft abnormal verteilen.

Typische Merkmale wie die schräg gestellten Augen und das recht breite, runde Gesicht sagen nicht viel über die Beeinträchtigungen aus, mit denen diese Menschen ihr Leben lang leben müssen. Viele leiden an einem Herzfehler, bei den meisten ist die Muskulatur nicht so gut ausgeprägt, die Sprachfähigkeit gestört, generell entwickeln sich Down-Syndrom-Kinder langsamer.

Jedes Kind ist anders – aber alle sind gleich

Davon ist auf den Kampagnenbildern nichts zu sehen – im Gegenteil: Wir sehen fröhliche, lachende, aufgeweckte Kinder, die so normale Dinge tun und die gleichen Träume haben wie nichtbehinderte Knirpse in ihrem Alter.

„Das ist auch die Botschaft der Kampagne“, sagt Hans Lormans, CEO von Brandkids, im STYLEBOOK-Interview. „Alle Kinder haben das gleiche Vertrauen in die Zukunft, diese unbekümmerte Naivität zum Leben.“ Dabei spiele es keine Rolle, so Lormans, welche Herkunft sie haben, ob sie nun mit einer Behinderung oder einer anderen Krankheit aufwachsen oder nicht.

Berührungsängste wegschieben

„Ich kann schon zählen“, lautet beispielsweise die Botschaft der dreijährigen Livia aus Berlin, eines der drei Mädchen in der Kampagne. Zum ihrem Modeljob kam sie über die „Lebenshilfe Berlin “, ein Verein, der sich für Eltern mit behinderten Kindern engagiert. Der hatte auf Anfrage von Brandkids einen Aufruf für die Kampagne gestartet.

Livias Vater sah darin die Möglichkeit, anderen Eltern in der gleichen Situation Mut zu machen. Aber natürlich auch, um Berührungsängste wegzuschieben: „In unserem Bekanntenkreis ist Livias Besonderheit, wir sprechen nicht von Behinderung, natürlich ganz normal. Aber überall im Alltag begegnen uns Eltern, die misstrauisch gegenüber Livia reagieren und mit der Situation nicht umgehen können“, erzählt Thomas Hooke (38) gegenüber STYLEBOOK.de.

Mit der Situation umgehen – das mussten auch Livias Eltern erst lernen. Denn, dass „Livi“ das Down-Syndrom hat, erfuhren sie erst zwei Tage nach der Geburt. „Man fällt zwangsweise in ein großes Loch, weil die heile Welt, auf die man sich gefreut hat, zerbricht“, verrät Thomas Hooke. Doch Livia habe ihm und seiner heute dreißigjährigen Frau immer wieder Kraft gegeben. Hooke: „Es ist unglaublich, wie lebensbejahend Livia ist.“

Und das soll bitte so bleiben!

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