STYLEBOOK trifft Fashion-Profi Justin O’Shea
von Susanna Riethmüller
„Die einfachen Trends sind die Besten“

Justin O’Shea ist Buying-Director des Onlineshops mytheresa.com – und damit einer der einflussreichsten Trendsetter Deutschlands. Der, Verzeihung!, superkernige Australier entscheidet auch diesen Herbst wieder, was in unseren Kleiderschränken landet. STYLEBOOK fragte ihn, welche Investitionen sich jetzt unbedingt lohnen.

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    Foto: PR

    Justin O'Shea ist einer der einflussreichsten Mode-Menschen in Deutschland. Als Buying-Director des Onlineshops mytheresa.com entscheidet er jede Saison aufs Neue mit, welche Stücke von welchen Designern wir nach den Schauen auch wirklich kaufen können – und damit auch, welche Trends sich bis zum Konsumenten durchsetzen. Für STYLEBOOK hat er eine Prognose für den Herbst abgegeben. Weiter klicken!

STYLEBOOK: Justin, Trends entstehen heute schneller als je zuvor – auf der anderen Seite bleiben sie aber auch länger aktuell. Mittlerweile kann man eigentlich alles tragen, oder? Und vor allem: alles zu allem.
Justin O'Shea: Das stimmt – vor allem in den letzten drei Saisons war irgendwie alles Trend. Das kommt daher, dass Mode heute ein digitales Bewusstsein hat. Menschen überall auf der Welt können jederzeit Bilder von Schauen oder Streetstyles sehen und sich darüber austauschen. Das hat die Flut an Einflüssen immens verstärkt, und damit müssen Designer und Konsumenten erst mal klar kommen. Aber: Jetzt scheint es langsam wieder beständiger zu werden. Die Identität einer Marke rückt in den Vordergrund. Den Konsumenten ist es momentan wichtiger, ein Teil von einem bestimmten Label zu haben, das sie lieben – als einem saisonalen Trend zu folgen. Sie wollen die Valentino-Frau sein? Super, schlagen Sie zu! Valentino wird auch in den nächsten Jahren nicht aus der Mode kommen. 

Wie finde ich als Laie denn heraus, ob ich die Valentino-Frau bin? Oder ob ich einem bestimmten Trend folgen möchte?
Das hängt schlicht davon ab, was Ihnen gefällt. Man sollte sich immer seiner Persönlichkeit entsprechend anziehen. Menschen, die Trends kaufen, einfach weil sie gerade angesagt sind, wirken nie authentisch und deshalb auch nie gut angezogen. Das sieht man sofort! Im kommenden Herbst/Winter erwartet uns eine minimalistische Schönheit, die wir schon von Céline kennen: klar, luxuriös, sogar etwas sportlich. Es besteht also gar kein Grund mehr, übertrieben gestylt zu sein, in verrückten Prints oder untypischen Formen. Ich glaube fest daran, dass sich das durchsetzt. Die einfachen Trends sind die besten. 

Wenn Sie für mytheresa.com die neuen Kollektion sichten und einkaufen:
Woher wissen Sie denn zum Beispiel, ob ein bestimmtes Teil Trend wird?
Ich verlasse mich auf meinen Instinkt. Wenn ich etwas sehe, das mir innerhalb einer Sekunde durch Mark und Bein geht – zum Beispiel die futuristischen Sweater von Givenchy oder die Sneaker von Isabel Marant – dann weiß ich, dass das Stück Potential hat, Trend und Bestseller zu werden. Daran können Sie sich auch beim Shoppen orientieren. Ein gutes Teil überzeugt sofort. 

Gibt es internationale Bestseller? Key-Pieces oder Designer, die einfach alle lieben?
Definitiv. Am besten sind in den letzten Saisons die Kollektionen von Dries van Noten, Valentino, Stella McCartney, Givenchy, Balenciaga und Miu Miu gelaufen. Nicht zu vergessen: Isabel Marant. Von ihr verkaufen wir am meisten. Jeder weiß, wie unglaublich populär sie ist. Ihr Wedge-Sneaker kam auf der ganzen Welt gut an, von Australien über Osteuropa bis nach Holland. 

Ein unglaublicher Hype! Wie entsteht ein derartig großer, an Hysterie grenzender Erfolg?
Der Wedge-Sneaker von Marant kam genau zur richtigen Zeit. Er war sportlich, von der Straße beeinflusst. Diese Idee brodelte schon seit einiger Zeit vor sich hin, Marant hat dann einfach als Erste zugeschlagen. Dazu kam: Ihr Schuh war anders als alle anderen, ein ähnliches Modell hatte es noch nie gegeben. Logisch, dass das dann alle haben wollen.

Welche Labels sind im kommenden Herbst besonders wichtig?
Weiterhin Dries van Noten, Valentino und Givenchy. Sie geben den Ton an. Aber auch Balenciaga und Alexander Wang haben ein gutes Gespür, dem man folgen sollte. Signifikant sind außerdem Designer wie Joseph Altuzarra und Christopher Kane. Wer sie kauft, beweist ein Gespür für Individualität. 

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Was sind die drei wichtigsten Trends für den kommenden Herbst?
Erstens: Der maskuline Look. Das heißt: grobe Wolle, aber auch Nadelstreifen. Vor allem zusammen getragen gibt das eine interessante Mischung – der Kontrast aus männlich und weiblich ist ja immer aufregend. Ich denke dabei auch daran, wie jetzt Hosen und Röcke übereinander getragen werden, zum Beispiel bei Dries van Noten oder Givenchy. Zweitens: Glamour. Valentinos Kollektion war inspiriert vom goldenen Zeitalter der großen Holländer, Stichwort flämisch, aber sehr cool umgesetzt. Drittens: Der Perlenschmuck ist zurück. Das habe ich bei Valentino und Saint Laurent gesehen. Jetzt aber bitte keine doppelreihige Perlenkette kaufen. Das wird eher grungig!

Können Sie den kommenden Herbst an Key-Pieces festmachen? Welche drei It-Teile brauche ich für die neue Saison?  
Armee-Boots von Saint Laurent, eine Perlenkette von Valentino und ein Teil von Dries van Noten – egal was, sie sind alle ultimativ modern.

Angenommen, ich habe ein Budget und kann in genau ein spezielles Teil investieren, welches trimmt meinen Herbst-Look sofort auf aktuell?
Die beste Investition im Winter ist immer ein Mantel, weil man den die ganze Zeit trägt. Außerdem ist er das Erste, was andere Menschen von Ihnen sehen und wonach sie Sie beurteilen. Niemand interessiert sich für das Darunter, wenn schon der Mantel schlecht ist. Für den kommenden Herbst empfehle ich den Oversized-Mantel von Dries van Noten. Der kommt richtig cool und kann auch zum Rock getragen werden. 

Und was ist definitiv nicht mehr angesagt?
Sehr helle Farben, kurze Röcke und Plateau-Pumps, vor allem miteinander kombiniert. 

Wie shoppt man eigentlich richtig online? Oftmals ist es schon schwierig, die richtige Größe auszumachen. Wie kann ich sicher sein, dass ein Teil dann wirklich passt und mir steht?
Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht, weil Sie eben nichts anprobieren können. Als Kunde muss ich aber begreifen, dass Online-Shopping nicht von Zauberhand geschieht – es gibt nicht nur Sie und Ihren Computer. Auf der anderen Seite sitzen echte Menschen, die Sie zum Beispiel im Fall von mytheresa.com rund um die Uhr anrufen und mit Fragen löchern können. Sie wissen, wie ein Teil ausfällt, wie es sich anfühlt. Diese persönliche Interaktion ist nicht nur in einem Laden entscheidend, sondern auch online. 

Die Herbst-Trends von Justin O'Shea gibt's auch im STYLEBOOK-Shop!

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