Ilaria Venturini Fendi launcht recycelte Taschen-Linie

Ilaria Venturini Fendi macht aus Abfall Luxustaschen
von Christine Korte
Ganz schöner Müll!

Fendi – der Name verpflichtet geradewegs dazu, etwas mit Mode zu machen. So ist es auch bei Ilaria Venturini Fendi. Und doch ist alles anders. Der Sprössling des Fendi-Clans recycelt Abfälle und macht daraus Luxustaschen. STYLEBOOK.de traf die Designerin zum Interview und sprach mit ihr über Frauenpower, ihr Engagement in Afrika und wie schön Müll sein kann.

  • Ilaria Venturini Fendi

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    Kaum zu glauben, dass diese wunderschönen Materialien Abfall sind: In ihrem Atelier in der Nähe von Rom kreiert Ilaria Venturini Fendi aus recycelten Materialien Luxus-Taschen für ihr Label Carmina Campus


Ilaria Venturini Fendi ist die Tochter von Anna Fendi, einer der vier Fendi-Schwestern, die das gleichnamige Familienunternehmen zu einem Weltkonzern gemacht haben. 2004 klinkte sich Ilaria aus der turbulenten Modewelt aus, zog auf ein Landgut bei Rom, wo sie bis heute im Einklang mit der Natur lebt. 2006 fand sie einen Weg, ihre Ideale einer nachhaltigen Lebensweise und ihre Leidenschaft für Mode zu vereinen und launchte das Label Carmina Campus – Luxus-Handtaschen, Accessoires und Möbel-Designs aus recycelten Materialien. Ihre Eco-Taschen gibt es seit dem 10. Juli auch in Deutschland. Zum Launch ihrer Kollektion im Berliner Conceptstore „The Corner“ in Berlin traf STYLEBOOK.de die Designerin zum Interview.

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STYLEBOOK.de: Sie stammen aus einer der legendärsten Modefamilien der Welt. War ihre Laufbahn als Designerin von Anfang an vorbestimmt?
Ilaria Venturini Fendi: „Der Eintritt in die Modewelt, war etwas sehr natürliches. Um mich herum, nicht nur meine Familie, sondern auch die Menschen, mit denen wir gemeinsam arbeiteten, drückten sich alle in irgendeiner Weise darüber aus. Trotzdem habe ich die ersten zehn Jahre meines Lebens auf einem Bauernhof auf dem Lande verbracht. Mein Vater hatte mit der Fashion-Branche nichts am Hut. Er war ein Geschäftsmann, der die Natur liebte. Er starb als ich zehn war. Diese ersten Jahre meines Lebens haben mich sehr geprägt. Dann lernte ich die Welt meiner Mutter näher kennen. Wenn ich sie sehen wollte, fand ich sie in ihrem Atelier. Der kreative Part ihres Berufes hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Bevor ich in das Familienunternehmen einstieg, habe ich dann erst Mal bei Chanel unter Karl Lagerfeld gelernt.“

Was hat Karl Lagerfeld Ihnen beigebracht?
Fendi: „Dass Kreativität keine Grenzen kennt. Er ist ein Genie. Es gibt nichts, was für ihn unmöglich ist. Deshalb hatte ich auch den Mut, Carmina Campus zu gründen. Mit dem Label habe ich es geschafft, Mode und Natur in Einklang zu bringen. Zwei Dinge, die mir sehr am Herzen liegen.“

Fendi steht nicht nur für Luxus-Fashion, sondern auch für ein starkes Frauenbild. Was raten Sie Frauen auf dem Weg in Führungspositionen?
Fendi: „Ich bin definitiv in einem Matriarchat aufgewachsen. Ich habe sehr früh gelernt, dass Frauen eine unglaubliche Macht haben. Wenn wir zusammen halten, können wir Berge versetzen. Wie viel Kraft in uns steckt, habe ich besonders während meiner Arbeit in Afrika erfahren. Wenn wir dort die Situation von nur einer Frau verbessern, verbessert sich gleich das Wohl einer ganzen Familie. Gemeinsam können wir in Zukunft noch viel mehr für uns erreichen.“

Wie sieht ihre Arbeit in Afrika konkret aus?
Fendi: „Zunächst habe ich gemeinsam mit der Universität in Rom das Projekt ‚Bee-Keepers‘ in Kamerun gestartet. Wir haben dort mit den Menschen eine Bienenzucht aufgezogen. Honig ist eine Medizin, die viele afrikanische Krankheiten heilt. Leider ist es schwierig, dort nachhaltig etwas zu erreichen. Kamerun ist einer der korruptesten Gegenden Afrikas. Die Produktionsstätten liegen heute brach. Ich bin dann 2009 mit den Vereinten Nationen nach Kenia gegangen, wo mittlerweile 90 Frauen für mein Label Carmina Campus arbeiten. Wir produzieren dort zum Beispiel Taschen aus alten Safari-Zelten.“

Wo finden Sie sonst ihre Materialien?
Fendi: „Die Möglichkeiten sind endlos! Es gibt so viele Materialien, deren Leben noch vor ihrem Verfallsdatum beendet wird. Besonders in der Industrie wird oft einwandfreie Ware weggeschmissen. Ich arbeite sehr gerne mit Materialien, die wirklich Abfall sind wie Dosen, Einkaufstüten oder alten Lichtschaltern. Italienisches Traditionshandwerk in Kombination mit  Recyceltem ist ein völlig neues Konzept. Ich möchte damit beweisen, dass man aus Resten echten Luxus kreieren kann.“

Sind ihre Taschen auch fair produziert?
Fendi: „Dazu sage ich nur: Made in Italy. Unser Firma ist noch sehr überschaubar. Neben dem Projekt in Afrika, wird alles nach europäischen Richtlinien in Italien handgefertigt.“

Günstig-Ketten schocken mit Skandal-Berichten über unwürdige Arbeitsverhältnisse, ihre Massenproduktionen sind alles andere als umweltfreundlich. Was möchten Sie den Konsumenten mit auf den Weg geben?
Fendi: „Seien Sie sich Ihrer Macht bewusst. Sie können mit der Nachfrage den Markt bestimmen. Und die muss in eine andere Richtung gelenkt werden!“

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