Alles nur geklaut?
von Laura Pomer
H&M zieht Modelinie zurück

Wenn Nachahmung die höchste Form der Bewunderung ist, könnte H&M die Designerin Camilla Lundsten vergöttern. Der Moderiese brachte Kinderkleidung auf den Markt, die den verspielten Looks der Designerin zum Verwechseln ähnlich sehen. Das brachte Lundsten auf die Barrikaden...

  • H&M zieht geklaute Kollektion zurück

    Foto: littlephant.com

    Die schwedische Designerin Camilla Lundsten erhebt Plagiat-Vorwürfe gegen H&M. Auf @littlelephant veröffentlichte sie ein Foto, das beweist: Die Entwürfe sind sich zum Verwechseln ähnlich!

Beim Surfen durch den H&M-Online-Shop stieß Designerin Camilla Lundsten auf Kinderkleider, die ihr sehr bekannt vorkamen: Sie sahen verdächtig nach ihren eigenen Designs für ihr Kinderlabel Littlephant aus. „Geschockt und traurig“ stellte sie fest, dass die H&M-Kollektionsstücke auch in anderen Ländern vertrieben wurde, erklärte Lundsten im Interview mit dem „Wall Street Journal“.

Weil ihre Beschwerde-Mails an den schwedischen Textilriesen unbeantwortet blieben, wandte sich die Designerin über Instagram an die Öffentlichkeit, die sie in nur wenigen Stunden auf ihrer Seite hatte:
1400 User nahmen in wenigen Stunden Notiz von dem Bild, auf dem die Schwedin ihre Kreation der von H&M gegenüber gestellt hatte, und vergaben ein Like. Langsam wurde ganz Schweden auf den Skandal aufmerksam.

Der Textilriese hatte sich nach wie vor nicht gerührt. Erst nachdem es Lundsten gelungen war, die Email-Adresse der höchsten Instanz ausfindig zu machen und Firmenchef Karl-Johan Persson höchstpersönlich zu kontaktieren, bekam sie eine Reaktion. „Man entschuldigte sich und sagte, die Inspiration sei dem Original zu ähnlich geworden“, erzählt die Designerin im Interview.

Damit, dass die Kollektion zurückgezogen wird, möchte Lundsten sich nicht zufrieden geben. Die von ihren Designs inspirierten Modelle waren schließlich seit mehr als einem Monat im Verkauf. „Ich bin sicher, sie haben damit gutes Geld gemacht“, erklärt sie. Deshalb stünden ihr zumindest Anteile zu. 

Inwieweit sie rechtliche Schritte einleiten kann, weiß die Designerin nicht: Im europäischen Gesetz seien die Grenzen zwischen Inspiration und Plagiat fließend. Nun hofft sie, mit ihrem Fall zumindest eine Debatte auszulösen.

In den Augen der Unternehmensleitung hätte es soweit gar nicht kommen müssen. Wie eine H&M-Sprecherin gegenüber dem „Wall Street Journal“ erklärte, hat Lundsten zunächst die falschen Stellen kontaktiert. Andernfalls hätte man selbsverständlich früher reagiert.

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