Schwere Vorwürfe gegen H&M
Skandal-Blogger drehen Video über Kinderarbeit

Die Blogger David Kurt Karl Roth und Jakob Haupt fehlen auf keiner Fashion-Party. Für „Dandy Diary“ inszenieren sie sich in den gängigsten Modemarken, ecken mit diversen Aktionen immer wieder an. So springen sie auch nicht auf den Hype um die neue „Alexander Wang x H&M“-Kollektion, veröffentlichen stattdessen ein Video, das vermeintlich zeigt, wie Kinder die Kollektion nähen. Die Botschaft ist eindeutig. Doch begeben sich die beiden Blogger mit ihrer Aktion mächtig aufs Glatteis.

  • DandyDiary

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    Foto: Dandy Diary

    Die Blogger von Dandy Diary mit ihrem Hauptdarsteller

    „Ich bin froh, ein Teil der H&M-Design Kooperation zu sein“, sagt der kleine Junge in der „Alternativen Werbung“. Ob er sich über die Gage freut, die ihm die Blogger zahlen oder über den Film an sich, ist nicht klar

Auf den ersten Blick scheint alles klar: In einem Slum der indischen Hauptstadt Mumbai sitzen in einer kleinen Fabrikhalle kleine Jungen an Nähmaschinen und arbeiten. Älter als vierzehn sieht keiner von ihnen aus. Die Kamera zoomt auf einen der Jungen, der das Etikett „Alexander Wang x H&M“ in ein schwarzes Kleidungsstück einnäht. Kinderarbeit bei H&M? Für das schwedische Modeunternehmen wäre das ein Skandal.

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Sie nennen es „Alternative Werbung“
Aber ganz so einfach ist es nicht. Gedreht haben den Film die Modeblogger David Kurt Karl Roth (30) und Jakob Haupt (29). Sie sagen, sie seien auf eigene Kosten nach Mumbai in Indien geflogen, vor Ort habe ihnen eine spanische Kriegsreporterin als „Fixerin“ (Mittelsmann bei heiklen journalistischen Recherchen) geholfen, Kontakt zu Textilfabrikanten zu knüpfen. Sie hätten sich schließlich für diesen kleinen Betrieb entschieden, so die Blogger. Dann aber wird es interessant, denn für den Dreh haben die beiden bezahlt. „Wir haben den Kindern 500 Euro bezahlt. 500 Euro für 20 Kinder für je 90 Minuten Arbeit“, sagt David Roth. „Wir haben die Kids für ihre Arbeit bezahlt.“ Auf Youtube bezeichnen die Blogger ihren Film als „Alternative Werbung“. Den Clip gibt es hier zu sehen:

Skandal klickt gut?
In den sozialen Netzwerken kommt der Film gut an. Seit er am 2. November live gegangen ist, haben 18.527 Menschen ihn auf Youtube gesehen, 5661 Nutzern gefällt er auf Facebook und 3534 haben ihn geteilt. Die Kommentare reichen von „traurig“, „keines der Kinder ist älter als vierzehn“ bis hin zu „Provo-Kunst“, „Wie viel habt ihr dem Hauptdarsteller gezahlt?“ und „Was soll das jetzt, außer die Zusammenhänge herzustellen?“.

Hauptsache Aufmerksamkeit
David Kurt Karl Roth sagt zu STYLEBOOK: „Es ging darum, eine Diskussion loszutreten, die mit den üblichen Reportagen nicht mehr möglich ist.“ Was genau er damit meint, bleibt unklar. Da die Blogger ihre Quellen nicht preisgeben, lässt sich nicht nachvollziehen, ob der Film ein Fake oder ein Tatsachenbericht ist. Geht es den beiden wirklich darum, auf die Missstände in der Textilindustrie hinzuweisen? Oder, wie der Facebook-Nutzer Alessandro Pukki vermutet: „Es geht euch nicht darum, die Zustände zu verbessern. Sonst würdet ihr nicht in Weekday-Hosen (Ich bin kein Profi, aber gehören die nicht zu H&M?) durch Indien hüpfen. Mein Gefühl ist, dass das alles eine dicke Marketing-Idee von euch ist. Nur nehme ich euch die Message nicht ab.“

Auf den Primark-Zug aufgesprungen?
Erst vor kurzem gab es eine Fake-Kampagne gegen das irische Textilunternehmen Primark, das im Verdacht steht, unter menschenunwürdigen Bedingungen produzieren zu lassen. In einigen Kleidungsstücken wurden Zettel mit Hilferufen von Textilarbeitern gefunden. Diese stellten sich aber als Fälschung heraus.

„H&M“ kündigt juristische Schritte an
Der schwedische Modekonzern reagiert mit einem offiziellen Statement auf das Video. „Gegen das heute veröffentlichte Video von Dandy Diary geht H&M juristisch vor. Die nach eigenen Angaben der Autoren in Indien aufgenommenen Videoaufnahmen zeigen nicht die Produktion von Teilen der Alexander Wang x HM Kollektion. Diese Kollektion wurde nicht in Indien produziert.“ Weiterhin verweist das Unternehmen auf seinen Verhaltenskodex, der Kinderarbeit ausdrücklich untersagt. 

Die Botschaft der „Dandy Diary“-Jungs ist klar: Es lohnt sich, darüber nachzudenken, woher die Mode stammt, die man kauft. Im Zweifel lohnt sich Liegenlassen manchmal mehr als Mitnehmen. Aber: Mit offensichtlich inszenierten Videos und verdrehten Tatsachen wird wohl eher über die Art und Weise der Aktion diskutiert werden als über Missstände in der Textilproduktion. 


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