Im Herbst wird's gemütlich
von Stephanie Beckmann
Eine Hommage an den Bademantel

Sah man im Sommer den Pyjama in ausgehtauglichen Varianten an prominenten Damen, kommt im Herbst das kuschelige Pendant auf den Markt: der Morgenrock als Mantel. Zeit für eine Hommage an das verwegene Kleidungsstück, den Bademantel.

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    Foto: Imaxtree, Getty Images

    Blaue Bequemlichkeit

    Imbissromantik in der WDR-Sendung „Dittsche“ (rechts) – High-Class-Fashion bei Céline (links) und Hermès (Mitte). Der Look könnte verschiedener nicht sein und doch ist die Anleihe an das Kleidungsstück Bademantel bei den Designern zu erkennen

Für Denker und Dandys, die im Rauch ihrer Pfeife gleich nach dem Frühstück einem Geistesblitz nachhängen oder in exaltierter Position verharren, als stünden sie sich selbst Portrait, ist der Bademantel das optimale Kleidungsstück. Von edlem Stoff, großzügig im Schnitt und bohème in seiner Anmutung. Doch sobald dieser Hausmantel aus der Privatheit an die Öffentlichkeit gezerrt wird, ist die Grenze zwischen Avantgarde und Schrulligkeit fließend. Sahen Hans Albers (1891-1960) und Tennessee Williams (1911-1983) noch recht charmant bis verwegen aus in ihren Satinstoffen – Playboy Hugh Heffner (86) machte so ein Kleidungsstück sogar zu seinem Markenzeichen – wirken Jeff Bridges (62) in „The Big Lebowski“ oder Olli Dittrich (55) in seiner Doku-Soap „Dittsche“ doch eher amüsant und schludrig in ihren filzigen Fetzen.

Ja, so ein Bademantel hat Charakter! Er besitzt etwas von Natur aus Männliches, was die Herren noch maskuliner wirken lässt, Frauen hingegen wecken den Beschützerinstinkt in zu großen Modellen à la Julia Roberts in „Pretty Woman“ am Frühstückstisch von Richard Gere. Werden die Ärmel gekürzt oder hochgekrempelt und ist die Schulterpartie mondän genug wirken sie dagegen wieder selbstbewusst und cool.

Verlässt man sich auf die Prophezeiung der Designer, wird der Bademantel nun ein Outdoor-taugliches Comeback erleben. Der modische Herbst und Winter wird mehr als lässig: In supergemütlichen Oversize-Mänteln kann uns die kommende Kälte nichts anhaben, denn optisch haben wir kaum die heimeligen vier Wände verlassen. Die neuen Mäntel muten nämlich an wie Morgenröcke.

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Ob in frostigen Tönen wie Eisblau, in knalligem Kobaltblau oder in warmem Burgunder bis hin zu grob meliertem Asphalt und klassischem Schwarz – die Silhouette ist großzügig. Wo die Eggshape-Varianten an Stoff in der Weite klotzen, legen die Sanduhr-Modelle in der Länge nach. Erstere werden jetzt offen gelassen oder die Seitenteile werden nur übereinander gelegt – der sogenannte Clutch-Mantel. Letztere sind zwar schmal geschnitten, werden aber in der Taille mit großzügigen Gürteln gebunden. Weitere Details beschränken sich auf Zipper und Taschenklappen. Die Krägen – soweit vorhanden – bleiben schlicht, kein Schnickschnack lenkt ab von einer cleanen Optik.

Alte Charmeure und neue Modelle – in der Bildergalerie!

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