Eco-Fashion erobert den Laufsteg
von Thomas Helbing
So cool ist Öko!

Kann Mode ökologisch UND trendy sein? Ja, kann sie! STYLEBOOK stellt Ihnen Modemacher vor, die „schick“ und „fair“ so kombinieren, dass selbst Anna Wintour begeistert ist.

  • Green Carpet Challenge und Eco-Fashion

    1/8

    Foto: Getty images, PR

    Öko-Mode muss nicht alternativ aussehen. Dafür sorgen Livia Firth (l.) und „Vogue“-Chefredakteurin Anna Wintour mit dem Projekt „Green Carpet Challenge“ sowie Designer mit ihrer Mode, die wir Ihnen in unserer Bildergalerie vorstellen...

Öko-Mode – die meisten verbinden damit grob gestrickte Pullover aus kratziger Schafswolle und Teile aus bräunlichem Sackleinen, aber keinesfalls trendige Klamotten. Die Initiative „Green Carpet Challenge“ will dieses Vorurteil widerlegen und Ethik mit High Fashion verbinden.

Dahinter steckt Livia Firth (44), Frau von Kinostar Colin Firth (53). Sie bat fünf britische Star-Designer – Victoria Beckham, Christopher Kane, Burberry-Kreativchef Christopher Bailey, Roland Mouret und Erdem – Abendkleider unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit zu produzieren. Dank prominenter Unterstützer wie „Vogue“-Chefin Anna Wintour (63) oder Schauspielerin Emma Watson (23) bekommt das eher tantenhafte Thema nachhaltige Mode endlich Glamour und die nötige Publicity. 

LONDONS MODESZENE WIRD GRÜN

Aufmerksamkeit, von der Anna Skodbo (28) nur profitieren kann. Die junge Designerin aus London hat sich mit ihrem Label Phannatiq auf Eco-Fashion spezialisiert. Auf den ersten Blick ist Annas Kollektion alles andere als „ökig“. Ganz im Gegenteil: Eher eine coole Mischung des typisch exzentrischen Londoner Streetstyles. Das gute daran, ist das gute darin. Alle verwendeten Stoffe aus Seide, Bambus und Baumwolle sind nachhaltig produziert. Gefärbt und gedruckt wurde mit natürlichen, wasserlöslichen Pflanzenstoffen wie Kurkuma und Gelbkraut. Keine Angst, die Sachen sind trotzdem per Hand oder in der Maschine waschbar. „Es macht ja keinen Sinn, ökologisch korrekte Mode herzustellen, die dann chemisch gereinigt werden muss“, erzählt Anna im Gespräch. Logisch!

Produziert wird außerdem nicht in Masse, sondern nur in kleinen Stückzahlen im eigenen Atelier oder in kleinen Manufakturen in Großbritannien. Anna: „Ich kenne jeden meiner Produzenten und kann genau sagen, wer was hergestellt hat.“ Das kann jeder nachprüfen: Jedes Kleidungsstück bekommt ein Etikett auf dem die Zusammensetzung und der Herstellungsprozess dokumentiert sind. Jedes Teil erzählt dadurch eine Geschichte. Irgendwie  sympathischer als anonyme Massenfertigung, oder?

Form follows sense – diesem Motto hat sich auch Designerin Ada Zanditon verschrieben, die u. a. bereits für Alexander McQueen arbeitete. Sie präsentierte ihre neue Kollektion zuletzt bei der London Fashion Week: bodenlange, transparente Kleider, bunte Tops mit exotischen Prints, Lederjacken... LEDER!? „Warum nicht, ich bin ja keine Vegetarierin“, klärt sie auf. „Wichtig ist, dass ich darauf achte, woher das Leder kommt.“ Ada verwendet nur recyceltes Leder oder Häute von Rind und Schwein, die sowieso in der Fleischverarbeitung quasi als Abfallprodukt übrig bleiben.

Stichwort Abfall. Den produzieren auch die großen Modehäuser. Dass dieser nicht im Müll landen muss, sondern in Adas Atelier, dafür sorgt der Londoner Stoffhändler Crescent Trading. Dieser hat sich darauf spezialisiert, „Stoffreste“ aus der Textilindustrie (beispielsweise von Burberry) an Designer wie Ada oder Londons Eco-Fashion-Pionier Christopher Raeburn zu Discount-Preisen weiterzuverkaufen. Adas Meinung nach haben sowieso nur die kleinen Labels das Potential,  beim Thema nachhaltige Mode zu punkten. „Die Industrie ist doch nur auf Profit aus und fertigt ausschließlich Mode, die schnell unbrauchbar und überflüssig wird, nur damit der Kunde ständig immer mehr Mode kauft, die immer schneller aus der Mode kommt“, erzählt Ada im Interview.

SICH MIT GUTEM GEWISSEN SCHMÜCKEN

Verantwortungsvolles Handeln und Luxus sind auch für Guya Merkle untrennbar. Die 27-jährige Deutsche bietet im elterlichen Schmuckunternehmen Vieri Stücke an, denen kein bitterer Beigeschmack anhaftet. Für ihren Schmuck verwendet sie nur zertifizierte Edelsteine und ethisch korrekt geschürftes Gold. Tagelang suchte sie in Peru nach passenden Gold-Kooperativen und war teilweise entsetzt: „Ich sah Arbeiter, die ohne ausreichenden Schutz mit Quecksilber hantierten.“ Guya weiß, ohne Quecksilber kein Gold „aber man kann den Kreislauf kontrollieren und dafür sorgen, dass niemand gefährdet wird.“ Das hat natürlich seinen Preis: „Ich finde das nur legitim. Wer sich den Luxus leistet, Schmuck zu kaufen, etwas, das im Grunde niemand braucht, der kann auch einen kleinen Extrabeitrag leisten“, so Guya. Es scheint, als wäre sie statt einer Goldader auf eine grüne Ader gestoßen!

Mehr Infos über die neue Eco-Fashion-Bewegung finden Sie in der Fotogalerie!

Nicht nur in London, sondern auch deutsche Designer machen sich Gedanken über einen nachhaltigen Modekonsum. Im Netzwerk „Future Fashion Guide“ (www.futurefashionguide.com) finden sich 140 Eco-Fashion-Labels, die sich auf ökofaire Mode spezialisiert haben. Per Filter kann gezielt nach einer Marke gesucht werden, also ob die Mode „vegan“, „handgefertigt“, „eco-gefärbt“ ist usw. Dort finden interessierte Konsumenten auch Adressen und Shops, wo man die Mode kaufen kann.

Thomas Helbing Stylebook,
Redaktion

Anzeige

Kommentare


Blogs