Karl Lagerfeld, Anna Wintour, Terry Richardson...
von Janine Dudenhöffer
Die Uniform der Mode-Profis

Mode ist ja soooo mannigfaltig und wandelbar und jede Saison anders. Denkste! Designer, Fotografen, Redakteure: Diese Menschen setzen Trends, obwohl sie selbst immer das Gleiche anhaben…

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    Foto: Getty Images

    Karl Lagerfeld

    Drei Anlässe, ein Look. Der Lagerfeld! Nur alte Hasen kennen ihn noch beleibt und dunkelhaarig in heller Klamotte. Heute sieht der alterslose Designer 365 Tage im Jahr aus wie ein Abziehbild: stramm sitzender, schwarzer Anzug mit Weste, weißer Kragen, Handschuhe, natürlich die Sonnenbrille

Sie sind rar, die Schnappschüsse, die Karl Lagerfeld OHNE sein Markenzeichen, die Sonnenbrille, zeigen. Ähnlich verhält es sich mit Jil Sander (68). Die Hamburger Designerin, die sich jüngst in Mailand wieder in ihrem puristischen Business-Look zeigte, wäre OHNE ihre Hosenanzüge wie die Freiheitsstatue OHNE Krone, Napoleon OHNE Dreizack oder Berlin OHNE Fernsehturm. Ohne? Unvorstellbar!

Die meisten Mode-Profis tragen eine Art Uniform – sie definieren sich über dieses Markenzeichen. Das gilt vor allem für Designer, aber auch für Journalisten oder Fotografen. Was bei Karl und Jil Sander Brille und Anzug, ist bei Suzy Menkes (68) die legendäre Haartolle und bei Terry Richardson (47) das Karohemd aus Flanell. Zugegeben, seine immer gleiche Fotopose, die erhobenen Daumen, sind ein Kapitel für sich...


Isabel Marant (45) ist eine der gefragtesten Designerinnen der Zeit – für die Entwürfe der Französin stehen Frauen auf der ganzen Welt Schlange. Marants Antwort auf diesen Über-Hype: eine betont legere Aufmachung, kein Make-up, die Haare nachlässig zum Dutt gebunden. Aber immer, ganz Parisienne, mit hohen, zickigen Absätzen. Gegenüber dem Magazin „Interview“ erklärte sie ihre Unlust zum Aufstylen kürzlich so: „Ich muss meine Entwürfe ständig anprobieren, mich also ohnehin zwanzig Mal am Tag umziehen, da will ich mich nicht auch noch dazwischen immer neu zurechtmachen.“

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Das klingt plausibel. Und sympathisch! So sympathisch, dass wir einen Aspekt fast übersehen hätten: Diese Menschen bringen uns Mode näher. Mode, die stetig dem Wandel unterworfen ist, sich durch Trends und immer neue Kollektionen, Entwürfe, Extravaganzen andauernd neu definiert. Kein Wunder, dass sie sich nicht auch noch andauernd um die eigene Garderobe kümmern wollen. Einen Widerspruch sehen wir darin trotzdem nicht. Sondern einen starken Charakter!

Vielleicht trifft es dieser Vergleich am besten: Trends zu setzen und dabei eine Uniform zu tragen, ist wie Wein zu predigen und Wasser zu trinken. Es macht die Träger umso bemerkenswerter. Cheers!

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