„Designer for Tomorrow“-Gewinnerin Alexandra Kiesel
von Christine Korte
„Im September besuche ich Marc Jacobs in New York!“

Dieses Jahr konnte das Modehaus „Peek & Cloppenburg“ Star-Designer Marc Jacobs als Schirmherren für den Nachwuchspreis „Designer for Tomorrow“ gewinnen. Alexandra Kiesel, Absolventin der Kunsthochschule Berlin Weißensee, bekam für ihre Kollektion „Baukasten Individualisten 12/6/24“ den begehrten Preis von Marc Jacobs während der Berliner Fashion Week im Juli persönlich überreicht. Was kommt jetzt? STYLEBOOK sprach mit der gebürtigen Leipzigerin über ihren berühmten Mentor und ihre Zukunftspläne.

Hat Marc Jacobs Sie schon nach New York eingeladen?
Ja, ich fahre im September im Rahmen der Fashion Week nach New York. Ich bin schon sehr aufgeregt, denn das wird mein erster Besuch in der Metropole. Dort werde ich mir Marcs Shows anschauen, er zeigt ja dort seine eigenen Labels. Vorher wollte ich noch in seinem Atelier vorbeischauen. Da wird bestimmt einiges los sein. Außerdem freue ich mich darauf, durch die Straßen der Stadt zu schlendern und auf einen original New Yorker Käsekuchen.
 
Das „I love Marc Jacobs“-T-Shirt, das Sie auf der Modenschau von „Designer for Tomorrow“ in Berlin  trugen, geht jetzt in Serie?
Ja, das war eine ganz spontane Idee von mir. Ich habe das vor der Show noch schnell im Copy-Shop machen lassen. Und dann hatte ich am Tag der Verleihung einfach Lust, es anzuziehen. Noch am selben Abend, beim „Vogue“-Cocktail, waren dann alle so begeistert davon, dass „Peek & Cloppenburg“ entschieden hat, die T-Shirts in Serie zu geben.
 
Wie hat sich Ihr Leben nach der Preisverleihung verändert?
Ich habe, bevor ich den Preis gewonnen habe, noch einen Job als Schneiderin an der Deutschen Oper in Berlin zugesagt – für das Tanztheater Alvin Ailey aus New York. Den Auftrag wollte ich so kurzfristig nicht mehr absagen. Das war natürlich echt stressig. Tagsüber hatte ich ein Interview nach dem nächsten und abends war ich in der Deutschen Oper. Heute ist der erste Tag, an dem ich mal kurz aufatmen kann.
 
Innerhalb von sechs Monaten müssen Sie jetzt ihre eigene Kollektion auf die Beine stellen, die sie auf der kommenden Berliner Fashion Week präsentieren werden. Dürfen Sie uns darüber schon etwas verraten?
Die Grund-Idee des Baukastens wird weiterhin bestehen bleiben. Meine Looks werden aus bestimmten Modulen zusammen gesetzt. Für die nächste Saison wird es neue Module geben. Ich möchte gerne mit befreundeten Berliner Streetart-Künstlern zusammenarbeiten. „What are your Local Heroes“ soll die Kollektion heißen. Ich werde eine Gartenparty organisieren und alle Künstler einladen, um ihnen das Projekt vorzustellen. Am liebsten hätte ich einen Künstler pro Look. Mal schauen, wen ich dafür gewinnen kann.
 
Ihre Gewinner-Kollektion schneiderten sie auf einer alten DDR-Maschine aus den 70er Jahren. Werde Sie die auch weiterhin benutzen?
Ich habe natürlich nicht nur auf dieser Maschine genäht. Die habe ich auch noch nicht solange. Eine Freundin ist als Designerin zu H&M nach Stockholm gegangen und konnte sie nicht mitnehmen. Dann hat sie sie mir vermacht. Das Modell hat ein wunderschönes Design und wird auch in 30 Jahren noch gut funktionieren. Ich habe ein Faible für schöne Nähmaschinen. Ich kann mir auch vorstellen, später mal antike Modelle zu sammeln.

Für welchen Typ Frau machen Sie ihre Mode?
Irgendwann soll sich die Käuferin selbst ihre Kreationen aus meinen Bauteilen zusammen bauen. Ich träume in der Zukunft von einem Online-Shop. Die Frau, die meine Mode trägt, muss also genau wissen, was sie will.
 
Was war der wichtigste Ratschlag, den Marc Jacobs Ihnen mit auf den Weg gegeben hat?
Er ist ein Designer, der seinen eigenen Stil hat und genau wie ich auch eine künstlerische Herangehensweise an seine Kollektionen hat. Trotzdem vergisst er nie, dass Mode etwas ist, das von anderen Menschen getragen werden soll. Das ist  auch mein Kampf: Tragbare Mode zu machen, die trotzdem einen künstlerischen Anspruch hat. Das hat ihn dann auch letztendlich von meiner Kollektion überzeugt: die richtige Mischung aus Kunst und Kommerz. Das möchte ich auch für die Zukunft unter einen Hut kriegen.
 
Glauben Sie, dass Marc Jacobs den „Designer for Tomorrow“-Award auch international bekannt gemacht hat?
Ich glaube schon, dass Marc Jacobs dem Preis auch eine internationale Relevanz gegeben hat. Ich habe schon Anfragen aus Spanien, Italien und England. Auch die Tanzgruppe aus New York, für die ich jetzt an der deutschen Oper gearbeitet habe, wusste schon das Marc Jacobs wegen des Preises in der Stadt war.
 
Was ist das interessante an Berlin als Modestadt gegenüber anderen Metropolen?
Berlin hat einfach noch keinen festen Stil-Stempel aufgedrückt bekommen wie Paris oder New York. Die Berliner Kreativen sind einfach noch offen. Und trauen sich auch neue Dinge auszuprobieren.
 
Letzte Frage: Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?
Ich träume natürlich von meinem eigenen Label. Würde aber auch gerne für andere große Designer arbeiten. Ich bin ein großer Fan des dänischen Designers Henrik Vibskov. Da würde ich gerne mal mit dabei sein. Ich liebe seine Kollektionen, aber er organisiert auch immer wieder Ausstellungen, wo er seine konzeptionellen Kunstinstallationen präsentiert. Ich habe selbst ein Semester Bildhauerei studiert. Im Moment mache ich Mode, aber ich würde auch gerne wieder eine Kunstausstellung auf die Beine stellen.

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