Der neue Kreativ-Chef von Louis Vuitton
von Thomas Helbing
Wer ist Nicolas Ghesquière?

Die Personalie steht: Nicolas Ghesquière (42) wird neuer Kreativ-Direktor bei Louis Vuitton. Wer ist der Designer, der Balenciaga wieder populär machte und jetzt bei Louis Vuitton in die Fußstapfen von Marc Jacobs tritt? STYLEBOOK stellt den Designer vor.

  • Nicolas Ghesquière

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    Foto: Getty Images

    Nicolas Ghesquière ist kein Poster-Boy

    Der französische Designer gilt – im Gegensatz zu seinem Vorgänger Marc Jacobs – als öffentlichkeitsscheu und schüchtern. Ghesquière verfügt aber über ein gutes Promi-Netzwerk. Zu seinen berühmten Fans und Unterstützern zählen Kristen Stewart (23, l.), Chloë Sevigny (38, M.) und Charlotte Gainsbourg (42, r.). Wir sind uns sicher, sie werden ihm auch bei LV die Treue halten

Als Nicolas Ghesquière 1997 Chefdesigner bei Balenciaga wurde, war er nur eine Notlösung – weil Wunschkandidat Helmut Lang (57) abgesagt hatte. Die Entscheidung war trotzdem ein Gewinn, und zwar für beide: Die Mode von Balenciaga, die damals keiner mehr tragen wollte, und Ghesquière, der bis dato unbekannt und unbeachtet für das Lizenzgeschäft von Balenciaga arbeitete. Der Beginn eines kometenhaften Comebacks für das Modehaus und einer steilen Karriere für den damals 26-Jährigen.

Denn schnell war das französische Traditionshaus, 1937 von Namensgründer Cristóbal Balenciaga gegründet, gefragt wie lange nicht mehr – und Nicolas Ghesquière der umjubelte Star. Dabei tat Ghesquière nur das, worum es in der Mode geht: den Zeitgeist einfangen. Keiner spielte so mit Silhouetten, kreierte innovativere Stoffe, kleidete Frauen lässiger und moderner als der schüchterne Franzose.

Dabei hat Ghesquière nicht einmal eine Modeschule besucht oder eine Schneiderausbildung absolviert. Geboren 1971, wächst er in der französischen Kleinstadt Loudun auf. Schon während der Schule weiß Ghesquière, dass sein Herz für die Mode schlägt und nicht, wie vom Vater gewünscht, für Sport. Er absolviert Praktika bei Agnes B. und Corinne Cobson, will sogar die Schule schmeißen. Direkt nach seinem Schulabschluss geht er mit einem Freund, ein bisschen Bargeld und einer Kreditkarte, die ihm seine Mutter für Notfälle zugesteckt hatte, nach Paris. Er trifft eine Assistentin von Jean-Paul Gaultier, wo er zwei Jahre im Atelier arbeitet. Dort, so sagt er später, habe er vor allem den rauen Umgang in der Branche kennengelernt. Bei Pôles, wo er nach Gaultier als Strick-Designer arbeitet, lernte er die Regeln des Marktes: Stretch verkauft sich nicht! Schwarz verkauft sich auch nicht!

1994 geht er als Freelance-Designer zu Balenciaga. Der Rest ist Geschichte. Im November 2012 verlässt er das Modehaus, das er zu einer der erfolgreichsten und wichtigsten Marken von heute gemacht hat. Nun wird das „Genie“, der „Superboy“, wie Ghesquière in der Vergangenheit bezeichnet wurde, in die Fußstapfen von Marc Jacobs bei Louis Vuitton treten – nicht als Notlösung, sondern als einer der einflussreichsten Couturiers unserer Zeit.

Sechs Fakten über Nicolas Ghesquières, die sein Talent am besten beschreiben: in der Fotogalerie!

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