In Weiss ins weisse Haus
von Thomas Helbing
Diese Strategie steckt hinter Hillary Clintons Power-Look

Jetzt ist sicher: Hillary Clinton (68) will die erste „MRS. President“ der USA werden, wurde als erste Frau in der Geschichte der Demokraten fürs Präsidentenamt offiziell nominiert. Politisch ist sie dafür bestens gerüstet, aber auch modisch? STYLEBOOK.de hat Clintons Führungsstil entlarvt.

„Was ziehe ich an?“ Diese Frage ist bei Politikerinnen extrem heikel. Angela Merkel weiß das, genauso wie die neue britische Premierministerin Theresa May. Erst recht: Hillary Clinton, die die erste Präsidentin der USA werden will und somit extrem im Fokus steht.

So wie am Donnerstagabend, als sie beim Parteitag der Demokraten offiziell die Kandidatur in einem klassisch-schlichten, cremeweißen Hosenanzug annahm. Eine extrem clevere Wahl! Schließlich symbolisiert die Farbe Weiß das Gute, die Hoffnung, das Licht, auch das Kluge und den Neuanfang. Und bevor jetzt gleich wieder Nörgler nörgeln, es sei sexistisch Frauen nach ihrem Äußeren zu bewerten, aufgepasst: Mode ist in dieser Position keine Frage persönlicher Stylevorlieben, sondern eine Strategie.

  • Hillary Clinton

    Foto: getty images

    Zur ihrer offiziellen Nominierung als Präsidentschaftskandidatin trägt Hillary Clinton einen schlichten, weißen Hosenanzug, dazu nudefarbene Kitten Heels, dezenten Schmuck. Wir sind uns sicher: Dass sie letztendlich diesen Look wählte, ist keine Frage ihres persönlichen Geschmacks, sondern das Ergebnis von cleveren Beratern und Stylisten

Clinton überlässt bewusst modisch nichts dem Zufall. Der beste Beweis: Die mächtigste Frau der Modewelt, „Vogue“-Chefin Anna Wintour, soll laut dem Portal „Business of Fashion“ ihre gute Freundin Hillary höchst persönlich im Wahlkampf modisch beraten. Weil Hillary Clinton weiß: Es werden alle darüber reden, was sie trägt, wie sie aussieht. Ob ihre Looks präsidial genug sind oder zu abgehoben oder zu bieder. So ist es sicher auch kein Zufall, sondern eine ironische Anspielung auf das Rollenklischee, dass ihr erster Instagram-Post zum Auftakt des Präsidentschaftswahlkampfs nur einen Kleiderständer mit Ensembles in Rot, Weiß und Blau zeigte, darunter der Kommentar „hard choices“.

Hard choices.

Ein von Hillary Clinton (@hillaryclinton) gepostetes Foto am


Wir haben Clintons Power-Look der letzten Wochen analysiert:

Der Style
Hillary Clinton bevorzugt A-förmige Blazer und Blusen, die über die Hüfte gehen. So kaschiert sie perfekt ihre birnenförmige Figur. Die Schnitte sind konservativ. Dafür sorgt ihre Schneiderin Nina McLemore mit Farben wie Rot, Türkis, Gelb und Demokraten-Blau in sämtlichen Schattierungen für Frische und Signalwirkung. Ähnlich wie beim Bonbon-Farben-Prinzip von Queen Elizabeth II. weiß dann jeder: Hier kommt die Chefin! Doch im Unterschied zu Angela Merkels bunten Blazern trägt Hillary Clinton farbige Ensembles oft von Kopf bis Fuß. Extreme Muster vermeidet sie, ebenso auffällige Stücke von bekannten Luxusmarken. Denn: Würde sie in einem mehrere Tausend Dollar teurem Stück entlarvt werden – die öffentliche Empörung wäre riesig. Das musste Clinton erst vor ein paar Tagen erfahren, als sie eine 12.000-Dollar-Jacke trug.

Auffällig: Trifft Clinton in politischen Debatten auf ihre meist männlichen Widersacher setzt sie auf den Power-Style aus Hose und Blazer (sie trägt kaum noch Kleider und Röcke), um wahrgenommen zu werden; bei Wahlkampfveranstaltungen mit Bürgern trägt sie hingegen Hosen und luftige Hemdblusen mit halblangen Ärmeln, die zeigen sollen: Ich bin eine Arbeiterin, ich kann anpacken, ich bin wie ihr. Zufall? Clever!

  • Hillary Clinton

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    Foto: dpa picture-alliance

    Der clevere Powerstyle von Hillary Clinton

    Hillary Clinton trägt bevorzugt kräftige Farben von Kopf bis Fuß. Das sorgt für Aufmerksamkeit. Auffällig: Spricht sie zu Bürgern (wie hier bei einer Veranstaltung in Las Vegas) trägt sie Blusen statt formellem Blazer. Das wirkt volksnäher

Die Accessoires
Hillary Clinton hat ein Faible für Statement-Ketten, die oft farblich auf das Oberteil abgestimmt werden. Auch an Ohrringen scheint Clinton eine schier unendliche Auswahl zu haben. Oft zieren goldene Armbänder ihre Handgelenke. Auch hier auffällig: Will Clinton volksnah rüberkommen, trägt sie Schmuck nur dezent. Wie bei ihrer Nominierungsrede am Donnerstag: Zum weißen Hosenanzug wählte sie nur eine schlichte Halskette, silberne Ohrclips, ein Kettenarmband und einen Ring, um mit auffälligem Schmuck nicht von ihren Worten abzulenken. Und trotz einer Körpergröße von 1,65 Meter setzt sie bei Schuhen auf flache Pumps (meist nudefarben) und sogar Ballerinas. Bodenständigkeit ist Trumpf nicht Trump!

  • Hillary Clinton

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    Foto: splash news

    Hillary Clinton hat ein Faible für üppigen Hals- und Goldschmuck. Nachahmer sollten aufpassen: Zu auffälliger Schmuck kann im Business ablenken

Die Frisur
Flotte Kurzhaarfrisur, dynamische Föhnwelle, jugendlicher Bob, Zopfgummidebatte – wo auch immer Clinton in der Vergangenheit das politische Parkett betrat, wurde an ihrer Frisur kein gutes Haar gelassen. Aktuell setzt Hillary Clinton auf einen durchgestuften, stets adrett aufgeföhnten Bob, der uns ein wenig an die Föhnwelle von Lady Diana (†36) erinnert. Das wirkt frisch und majestätisch zugleich.

  • Hillary Clinton

    Foto: getty images

    Frisch geföhnt ins Weiße Haus: Hillary Clinton bei ihrem Nominierungsauftritt am Donnerstag

  • Hillary Clinton

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    Foto: getty images

    Hillary Clintons frühe Style-Jahre

    1992: Lässig im Oversize-Blazer

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