„YouTube“-Star DariaDaria
von Sarah Radowitz
Von der Modebloggerin zur Flüchtlingsheldin

Von wegen Fashionblogger sind oberflächliche Modetussis: Die Österreicherin Madeleine Alizadeh (26) von DariaDaria ist eigentlich bekannt für ihre Selfies und Outfitposts. Jetzt hat sie dafür kaum noch Zeit, weil sie sich für Flüchtlinge engagiert – und nutzt dafür geschickt ihre Reichweite im Netz.

Eigentlich wollte die erfolgreiche Mode-Bloggerin Madeleine aka DariaDaria, die selbst einen iranischen Vater hat, nur mal kurz im Flüchtlingslager Traiskirchen, vorbeischauen, um ein paar Kleidungsstücke zu spenden. Jetzt ist sie beinahe täglich dort. 

Mein Name ist Madeleine Alizadeh und heute ist der schönste Tag meines bisherigen Lebens. Gestern Abend war ich verzweifelt und am Ende. Also habe ich beschlossen zu brüllen. Und darauf zu hoffen dass ich gehört werde. Mein Brüllen wurde gehört. Dank euch, weil ihr geshared, kommentiert, weitergeleitet habt. Dank Armin Wolf, dank der österreichischen Medienlandschaft, die sich dem Thema sofort angenommen hat. Dank des Innenministeriums, das die Dringlichkeit der Lage endlich erkannt hat. Ich freue mich euch mitzuteilen, dass ich die irakische Familie soeben in ihre neuen Unterkunft gebracht habe. Sie sind erschöpft, krank und haben vorerst endlich das was sie verdient haben: Frieden. Es ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, denn in Traiskirchen stehen nach wie vor hunderte Menschen auf der Straße. Doch heute hat eine Revolution begonnen. Wir sind die Generation die Dinge verändern kann, wenn wir nur wollen. Schaut nicht weg, sondern helft. Ihr könnt alles schaffen. ❤️ DANKE ❤️

Ein von @dariadaria_com gepostetes Foto am

Modebloggerin DariaDaria engagiert sich für Flüchtlinge
Zu helfen, das wurde ihr von Haus aus anerzogen, erzählt Madeleine gegenüber der „Welt“ im Interview. Aus einer Stippvisite im Flüchtlingslager nahe Wien, das nach katastrophalen Zuständen und 1500 Flüchtlingen einen Aufnahmestopp verhängen musste, wurde dann schnell ein täglicher Besuch. Die üblichen Verpflichtungen ihrer Arbeit als Fashion-Bloggerin stellte sie ab sofort hinten an. Stattdessen tauschte das Mädchen, dem täglich 61.000 Leute auf Instagram und über 15.000 auf YouTube durch den Alltag folgen, ihre It-Bag gegen Reisetaschen voller Sachspenden. Ihre Follower konfrontiert sie dazu auch mit neuen Inhalten wie Asylpolitik statt Modetrends.

Matratzen und Kopftücher statt Fashion und Kosmetik
Gemeinsam mit ihren Eltern kämpft sie inzwischen für ihre neuen Freunde bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Praktisch heißt das: Unterkünfte finden und vermitteln, telefonieren am laufenden Band – mit dem Diakonie Wohnservice, Behörden und Anlaufstellen. Aus unorganisiertem Hilfebedürfnis entwickelte sich ein strukturierter Hilfeplan. Ein Leitfaden für alle, die unterstützen wollen entstand nach einem offenen Brief an das Bundesministerium für Inneres und eine Seite mit Bestandsaufnahmelisten und Details wird ständig aktualisiert. Inzwischen kennt sie die Kinder, die in dem Auffanglager wohnen mit Vornamen und weiß, was ihre Freunde am liebsten naschen. „Wir brauchen dringend Reisetaschen, Kopftücher und Binden“- Madeleines Social Media Posts klingen definitiv anders als früher.

STYLEBOOK.de hat mit Madeleine persönlich gesprochen:
 
STYLEBOOK: Was hat dich dazu bewegt, die Flüchtlinge zu unterstützen und es nicht nur bei einer Sachspende zu belassen? 
Madeleine Alizadeh: „Beim ersten Besuch bin ich nur hingefahren und habe Sachspenden am Haupteingang abgegeben. Ich dachte damit geholfen zu haben. Als ich aber dann ein zweites mal hingefahren bin und einen ganzen Tag dort verbracht, mit den Menschen dort Tee getrunken und geredet habe, habe ich bemerkt, an wie vielen Ecken es in Traiskirchen fehlt. Ich habe angefangen Nummern auszutauschen, Listen anzufertigen mit Dingen die spezifische Familien brauchen usw. Dann habe ich angefangen für spezifische Familien Unterkünfte zu suchen, ihnen bei Behördenwegen zu helfen.“
 
Wie schaffst du den Spagat zwischen deinem Job als Modebloggerin, der ja zuweilen ziemlich oberflächlich sein kann, und deinem Engagement für Flüchtlinge? 
Madeleine Alizadeh: „Ich denke, das eine schließt das andere nicht aus. Man muss differenzieren und sagen, nur weil ich mich mit den schönen Dingen des Lebens beschäftige, heißt das nicht, dass ich mich nicht auch sozial engagieren kann. Es gibt viele Menschen, die denken, alle Bloggerinnen sind Tussis, die sich den ganzen Tag nur in den Spiegel schauen. Es liegt an uns zu beweisen, dass es nicht so ist. Natürlich fällt es schwer, wieder in die „oberflächliche“ Welt zu kehren nachdem man sich mit Existenzproblemen von Menschen auseinandergesetzt hat, aber es hilft auch nichts, sich komplett in der Rolle des Helfers zu verlieren und auf den Luxus im eigenen Leben komplett zu verzichten. Mehr Bescheidenheit ist da oft genug.“
 
In welcher Rolle siehst du dich mittlerweile bei dem Thema Flüchtlingshilfe? 
Madeleine Alizadeh: „Ich sehe mich als Sprachrohr und Digital Influencer, so wie bei vielen anderen Themen auch.“
 
Gibt es auch Kritiker auf deinem Weg? Wie reagieren zum Beispiel deine Follower?
Madeleine Alizadeh: „Natürlich! Es gibt viele fremdenfeindliche Kommentare, ich werde teilweise beschimpft und angegriffen, die Palette ist breit. Der Großteil des Feedbacks ist aber mehr als positiv und ich habe das Gefühl dass inzwischen viel mehr Menschen helfen als vorher.“


 
 
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