Alexander Brenninkmeijer & sein Label Clemens en August
von Karen Gottschild
Der Designer erklärt seinen Modezirkus

Sein graumeliertes Haar ist locker nach hinten gekämmt, er trägt einen blauen Anzug, schwarze Weste, weißes Hemd. Alexander Brenninkmeijer (44) wirkt unkonventionell, trotz seiner 1,92 Meter fast unscheinbar und er lächelt. Das tut der Spross aus dem riesigen C&A-Clan eigentlich ständig. Als sehr nett, sehr freundlich, sehr Gentleman wird der Modemacher beschrieben. Auch als STYLEBOOK ihn zum Interview trifft, ist das nicht anders.

Alexander Brenninkmeijer empfängt uns in der Galerie Sprüth Magers in Berlin Mitte. Dort hat er für vier Tage (13. – 16. April) seinen „Shop“ aufgebaut. Oder besser gesagt: ein paar Wasserrohre, die er zu Kleiderstangen umfunktioniert hat. In zwei Räumen hängt hier die aktuelle Frühling/Sommerkollektion seines Labels Clemens en August, getrennt nach Damen und Herren. Vier Tage lang verkauft er seine Klamotten in der Hauptstadt, dann wird die Galerie wieder mit Kunst bestückt und sein Modezirkus zieht weiter.

Wohin? Und warum?

Das Verkaufsprinzip von Clemens en August geht so: Es gibt keinen festen Shop, das sähe er nur als Hindernis. Er beliefert den Einzelhandel nicht. Es dürfen nur Stammkunden kaufen. Alexander Brenninkmeijer schaltet weder Anzeigen, noch macht er Schlussverkäufe. Stattdessen geht es zweimal im Jahr auf Deutschlandtour, nach Österreich und in die Schweiz. Nur wer per E-Mail oder Postkarte eingeladen ist oder sich auf der Homepage informiert, weiß Bescheid.

Dafür bietet Clemens en August qualitativ sehr hochwertige Stoffe zum Einkaufspreis! Einen Herrenanzug bekommt man schon ab 400 Euro, die Beratung gibt's vom Chef persönlich. Der Stil? Reduziert, klassisch. Fast wie Helmut Lang oder Jil Sander.

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Mal ehrlich: Lohnt sich das? „Ja. In München und Zürich und Wien kommen sehr viele Leute hin, über drei Tage zwischen 700 und 1.000 Leute. Während in anderen Städten nur 200 kommen.“

Obwohl er seit 1996 nicht mehr im geheimnisumwitterten Familienunternehmen C&A arbeitet, hat er doch einiges mit seinen legendären Vorfahren gemeinsam: Sein Label ist nach den Gründern Clemens und August Brenninkmeijer benannt – und es gab deswegen jahrelangen Gerichtsstreit mit seiner C&A-Familie um die Namensrechte. Und auch Clemens und August Brenninkmeijer sind wie Alexander mit ihren Stoffen durchs Land gezogen, um sie zu verkaufen.

Bescheidenheit ist sein großes Thema. Gibt es denn nichts, wofür auch er mal richtig Geld ausgibt? „Einen auf dick zu machen, passt nicht wirklich zu mir. Zu meinem Charakter passt es eben nicht, mit einem großen Auto vorzufahren“, erklärt Alexander Brenninkmeijer. Und er will noch nicht einmal, dass man ihn siezt. Man bekommt den Eindruck, er möchte normaler als normal wirken und bloß nichts machen, mit dem man ihn als reichen Typen aus noch reicherer Familie vergleichen könnte.

Selbst beim Thema Kleidung pflegt er seine Bescheidenheit: Er nimmt für sich, was nach einer Verkaufstour noch übrig bleibt und freut sich, falls eines seiner Lieblingsstücke noch da ist.

Doch das ist natürlich gut für seine Kunden. Denn reinschauen und sich das ein oder andere Teil gönnen, lohnt sich auf jeden Fall!

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