Pro & Contra: Comeback des Marken-Fetischs
Na logo!?

Große Buchstaben und Symbole auf Pullovern und Shirts sind gefragt und gehasst zugleich. Bei Designern sind Marken-Embleme in dieser Saison wieder sehr beliebt – doch wollen wir die Logos auch auf der eigenen Brust prangen sehen? Eine Frage des Stils...

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    Foto: action press/action press/splash

    Der Marken-Fetischismus ist wieder ausgebrochen, Labels und Signaturen feiern Konjunktur, nicht nur bei Stars wie Claudia Schiffer, Sienna Miller und Rihanna. Auch wir überlegen ganz offen: Dafür oder dagegen, Top oder Flop?

PRO:
Grashüpfergrün war mein Benetton-Sweatshirt, die großen Buchstaben des Logos kunterbunt und ich mächtig stolz. Als Teenager war es cool, Marke zu zeigen. Doch schnell wurde aus dem Trend ein Tabu: prollig, protzig, peinlich. Große Lettern und Symbole auf der Brust zu tragen, galt als No-Go und die Devise „No Logo“ galt auch für mich. Bis jetzt.

Mein innerer Markenrechtsstreit hat sich pro Logo entschieden. Schuld sind die College-Sweater von Kenzo. Das Designer-Duo Carol Lim und Humberto Leon (Opening Ceremony-Gründer) haben die japanische Modemarke vom angestaubten Image befreit und beweisen, dass demonstrativ Marke zeigen wieder très cool ist.

Die Stylebook-Redaktion

Ich träume von fünf großen Buchstaben in grellem Gelb. „KENZO“ steht auf einem blauen Wollpullover und „ultimatives Must Have“ auf meiner persönlichen Wunschliste. Rund 200 Euro kostet das Logo-Leibchen und der Preis bringt mich in einen inneren Markenrechtsstreit: Wäre der Pullover schlicht blau, könnte ich mich eher zum Kauf durchringen – ein schlichter Klassiker, unauffällig und zeitlos, das wären meine persönlichen Argumente. Doch für Buchstaben zu zahlen, fällt schwer: Drückt ein großes Marken-Emblem mir vielleicht einen falschen Stempel auf? Ich schaue mir das Teil der Begierde noch mal im Onlineshop an und entdecke dabei auch noch ein Oversized YSL-Shirt und den A.P.C.-Pullover mit Olympia-Motiv... Hach, das alles  würde so herrlich zu einer lässigen Jeans passen. Am Ende überzeugt mich ein grashüpfergrünes Shirt mit bunten Buchstaben und einem Eiffelturm. Na logo, denke ich mir, einfach mal wieder Teenie sein!

CONTRA:
Logo? Nein, das ist nicht logisch. Wie fragte sich einst ein Bekannter in einem Münchner Schickimicki-Club, dessen Namen hier nicht genannt wird (weder der vom Bekannten, noch der vom Club): „Warum steht denn D&G auf den T-Shirts von Sepp und Uschi? Was soll das?“ Das ist auch mir bis heute schleierhaft. Wenn sich ein Kleidungsstück durch sein Label hervortun muss, statt durch tolle Qualität, Verarbeitung, ein auffälliges Muster oder dem perfekten Schnitt, stimmt doch etwas nicht. Derselbe Gedanke kommt einem umgehend auch beim jeweiligen Träger dieses Label-Logo-Teils in den Sinn: Welche Unzulänglichkeit soll hier vertuscht werden?

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Nie wieder Marken-Diktat! Wenn wir alle wieder dumpfe Buchstaben auf den Shirts tragen, statt coole Muster, Farben und Designs, wo kommen wir denn da hin? Richtig, zurück in die Discotheken-Tempel der 90er-Jahre. Herzlichen Dank, ohne mich!

Stephanie Beckmann Stylebook,
Redaktion

Und da sind wir auch schon wieder in besagter Schickeria-Discotheken-Sphäre angelangt. Tanzte in den 90er-Jahren wohl jeder einmal mit erkennbaren Marken-Modellen auf einer Box zum Sound von Haddaway oder Scooter, tragen heute doch eigentlich nur noch Prolls diese peinlichen Logo-Shirts der Marke „Angeber & Flitzpiepe“, oder? Okay, es gibt Ausnahmen: Signature-Designs wie bei Louis Vuitton oder MCM sind ja fast schon Muster und bei dem Logo mit den zwei „C“ könnte wahrscheinlich auch ich nicht widerstehen...

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