Castro
Das isrealische H&M

Im eigenen Land ist die Modemarke seit über 60 Jahren ein voller Erfolg – im Ausland musste sie Anfang des Jahres alle Filialen schließen. Stylebook-Reporterin Monika Lembke war im Headquarter in Tel Aviv und wollte wissen: Warum ist Castro in Israel Top und im Ausland Flop?

  • Foto: PR

    Hier ist es kaum bekannt, doch in Israel ist der Hype um die Günstig-Kette Castro ziemlich hoch

Die Schweden haben H&M, die Spanier Zara und die Israelis haben Castro, die beliebteste Günstig-Modekette des Landes. Obwohl immer mehr internationale Marken den israelischen Markt entdecken, verteidigt Castro seit Jahren seine Position als führende Fashionmarke. Castro hat 138 Stores im Land,  H&M gerade einmal acht. Der Castro-Stil: casual, die Zielgruppe: 20 bis 35, das selbst erklärte Erfolgsrezept: immer anders, innovativer sein als die Konkurrenz.  Der erste Werbespot im israelischen Fernsehen: Castro, die erste Plakatwand: Mode von Castro, die erste Fashionshow Israels: Castro.

Die Palette reicht von Schuhen bis hin zu Jacken, jeden Tag kommen neue Produkte in den Verkauf. „Das Sortiment ist genau auf die israelische Zielgruppe abgestimmt. Und hier bei uns trägt man im Oktober noch Shorts und braucht auch im Januar keine dicken Daunenmäntel“, erklärt Marketing-Manager Adi Diacovsky. Wer sollte den Geschmack der Israelis besser kennen als sie selbst. „Designe für dich selbst“, lautet daher das Motto der (ausschließlich israelischen) Designer des Hauses. Deren Chefdesigner sich übrigens „captain“ nennen, man versteht sich als großes Fashion-Team, das momentan schon an der Kollektion 2013 arbeitet.

Am Hauptsitz des Unternehmens in der Tel Aviver Vorstadt Bat Yam wird die gesamte Kollektion entworfen. Die Modenschauen im Februar und im August sind (neben der gerade neu etablierten Tel Aviv Fashion Week) DAS Modeevent des Landes.

Im Ausland hingegen konnte Castro nicht lange überzeugen. 2004 wurde die erste deutsche Filiale in der Kölner Schildergasse eröffnet, zahlreiche Stores folgten, u.a. in Ländern wie der Schweiz, Russland und Thailand. Sieben Jahre später schloss auch die letzte internationale Filiale wieder die Pforten.



Der Grund? „Das Timing war wohl schlecht. Die Wirtschaftskrise 2008 hat uns schwer getroffen. Die Deutschen achten in Krisenzeiten stärken auf ihre Ausgaben für Mode als beispielsweise die Israelis. Unsere Marke war noch nicht etabliert genug, um diese Zeit zu überstehen. Wir hätten viel Geld investieren müssen und dafür sind wir im Vergleich zu großen internationalen Marken einfach zu klein“, erklärt Marketing-Manager Adi. Der unterschiedliche Modegeschmack zwischen Deutschen und Israelis sei aber nicht der Grund für das Scheitern: „Was bei uns ein Top-Seller war, war es in Deutschland auch. Unsere Mode ist international.“

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Historie: Castro in Zahlen
1950: Der aus Griechenland stammende Aharon Castro und seine Frau Lina eröffnen ihr erstes Geschäft in Tel Aviv – heute führt ihre Tochter  Esther und ihr Mann Gabriel Rotter das Unternehmen
1974: Castro wird als Aktiengesellschaft eingetragen
1992: Börsengang
2000: Die Castro-Herren-Kollektion kommt auf den Markt
2004: Castro eröffnet seine internationalen Filialen u.a. in Deutschland (mit der Otto-Group als Partner), Russland, Thailand, Schweiz und Ukraine
2008: Aufgrund der Wirtschaftskrise Schließung der Filialen in Osteuropa
2011: Die letzten internationalen Filialen (u.a. in Deutschland) werden geschlossen
Heute: 138 Damen-, Herren-, Schuh- und Taschen sowie Outlet-Stores in Israel
Umsatz 2010: 181 Millionen Dollar (doppelt so viel wie im Jahr 2000), Mitarbeiter: 1580

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