Primark Skandal: Hilferuf in Kleid genäht

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Anonyme Botschaften in Kleider-Etiketten
Bereits zweiter Hilferuf von Primark-Näherinnen

Erst erregte eine Britin Aufsehen, die einen Hilferuf auf dem Etikett ihres Billig-Kleides von Primark fand – vermutlich von einer Näherin aus Bangladesh. Jetzt meldet sich eine zweite Kundin zu Wort. Der irische Textil-Discounter untersucht jetzt beide Fälle.

Knapp 13 Euro kostete das Sommerkleid, dass sich Rebecca Gallagher (25) in einer Filiale des irischen Textil-Discounters Primark in Swansea, Südwales, kaufte – ein echtes Schnäppchen. Anziehen wird es die Kundin trotzdem wohl nie. Der Grund: Als sie nach der Waschanleitung suchte, fand sie das Etikett, auf das die Worte „Forced to work exhausting hours“ („Ich werde gezwungen, bis zur Erschöpfung zu arbeiten“) gestickt waren.

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Die Britin erzählte der „South Wales Evening Post“ prompt von dem Hilferuf der Arbeiter. Jetzt meldete sich eine zweite Kundin bei der Zeitung. Sie kaufte bereits 2013 ein Top bei Primark auf dessen Etikett gestickt war „Degrading Sweatshop Conditions“ („Entwürdigende Bedingungen eines ausbeuterischen Betriebs“). Primark untersucht zum aktuellen Zeitpunkt beide Fälle.

„Ich habe keine Ahnung, wer das Etikett in meinem Kleid angebracht hat, aber es hat mich wachgerüttelt. Mir graut bei dem Gedanken, dass mein Sommertop möglicherweise von einer erschöpften Person gemacht wurde, die sich dafür in einem Sweatshop abschuftet“, sagte Gallagher zur „South Wales Evening Post“. „Um ehrlich zu sein, habe ich nie viel darüber nachgedacht, wie meine Kleidung gemacht wird“, sagte Gallagher weiter. Als die Kundin zuerst Primark von dem Fall berichten wollte, wartete sie 15 Minuten in der telefonischen Warteschleife, bevor sie aus dieser flog.

Zum Fall von Gallagher sagte ein Sprecher von Primark zu Vogue.co.uk: „Wir finden es seltsam, dass dieser Vorfall erst jetzt ans Licht kommt, da dieses Kleid bereits vor mehr als einem Jahr im Ausverkauf war. Es gab keine anderen Vorfälle bezüglich dieses Artikels.“ Primark betonte außerdem, dass es Mitglied der „Ethical Trade Initiative“ ist, die sich für faire Behandlung und gute Arbeitsbedingungen in den Fabriken einsetzt. Ein offizielles Statement zu dem Fall gibt es bisher allerdings nicht.

Der Textil-Riese Primark stand schon öfter für seine niedrigen Preise und Ausbeutung von Arbeitern in der Kritik. Die Kette gehört zu den Herstellern, die auch Mode aus der Rana Plaza Fabrik in Bangladesh beziehen. Hier starben im vergangenen Jahr 1129 Menschen beim Einsturz des achtstöckigen Gebäudekomplexes.

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