Vom richtigen Haargummi bis zum perfekten Waschmittel
von Susanna Riethmüller
Wie geht guter Stil, Angelika Taschen?

Angelika Taschen hat ein Buch über den Look der Hauptstadt geschrieben: „Der Berliner Stil“. Darin geht es um Modeverständnis – aber auch darum, dass zu gutem Stil mehr gehört als nur ein schönes Outfit. Zum Beispiel das richtige Haargummi und ein Bio-Waschmittel. STYLEBOOK traf die Verleger-Ikone zum Interview.

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    Foto: Sandra Semburg/Knesebeck Verlag

    Hat für ihr neues Buch den Berliner Stil analysiert: Verlegerin Angelika Taschen

STYLEBOOK: Frau Taschen, was können wir von der Berlinerin in Sachen Mode lernen?
Angelika Taschen: Dass man entspannt ist und seine Energien auch noch für andere Dinge im Leben übrig hat. Ich habe tolle Blog-Einträge zu unserem Buch gelesen, da stand „Einfachheit mit Wow Effekt“ oder „alles geht, nichts muss“, „inszenierte Lässigkeit“, das wäre Berliner Stil. Das fand ich alles sehr gut ausgedrückt. Am besten gefiel mir „aufregend unaufgeregt“. Man kombiniert hier Dinge, die nicht unbedingt zusammenpassen. Abendkleid und Jutebeutel, Jogginghose zum Blazer.

Was macht die Berlinerin anders als die Pariserin oder die New Yorkerin?
Berlinerinnen sind einfach unverkrampfter, haben Lust, anderes auszuprobieren und keine Angst, gegen die Regeln zu verstoßen. Sie kreieren ihren eigenen Stil. Das ist genau das, was Berlin ausmacht, es darf nicht zu angepasst sein. Berlin ist auch weniger von der Modeindustrie beeinflusst als Paris oder New York.

In Ihrem Buch geht es um guten Stil – vom perfekten Haargummi bis zum richtigen Waschmittel. Ist Stil also mehr als das richtige Outfit?
Guter Stil geht sogar noch sehr viel weiter, es geht vor allem auch um innere Haltung, Werte und auch gutes Benehmen wie Höflichkeit. Die inneren Werte führen dann zu den Themen Nachhaltigkeit, was in Berlin groß geschrieben wird. Da sind wir dann schon beim Waschmittel.

Kann man Stil lernen? Wenn ja, wie?
Teilweise kann man Stil lernen, aber es muss von innen kommen, eine Haltung muss dahinter stehen. Man muss lernen, wegzulassen und herausfinden, welcher Typ man ist und was am besten zu einem passt. Sich nicht verkleiden oder nur nachäffen. Das ist gar nicht so einfach.

Ihre persönliche Stil-Regel?
Be yourself! Hört sich auf Englisch besser an... Sei du selbst.

Kunst, Musik, Design, Mode – das alles gehört zusammen. Kann man sich überhaupt stilvoll kleiden, wenn man vom Rest keine Ahnung hat?
Ich denke, es gehört alles zusammen, daran sieht man auch, wie Komplex das Thema Mode und Stil ist. Bei gutem Stil ist immer mehr dahinter, als die richtige Jeans anzuhaben.

Wie viel Haut darf man zeigen, ohne dass es stillos wird?
Das kommt immer darauf an. Wenn eine Frau ein gutes Gefühl für sich selber hat, wird sie genauso viel Haut zeigen, wie es noch wirklich sexy ist und zur Situation passt. Im Schwimmbad darf man natürlich schon einen Bikini tragen.

Warum zeigt eigentlich die Berlinerin so wenig Haut?
Das ist eine gute Frage. Wir haben sehr lange Winter, in denen es unmöglich ist, Haut zu zeigen. Die Berlinerin hat auch andere Prioritäten, als nur einem Mann gefallen zu wollen – was ja meist der Grund ist, warum Frauen zeigen, was sie haben. Das würde zu der Frage führen: Sind die Männer in Berlin auch anders? Das wäre mal ein toller Forschungsauftrag...

Beim Lesen Ihres Buches wird klar: Die Berlinerin will auf keinen Fall overdressed sein. Ab wann ist man overdressed?
Man merkt selber schnell, wenn man overdressed ist und sich unwohl fühlt. Auch da gibt es keine konkreten Regeln. Wichtig ist, dass man sich wohl fühlt.

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Lieber under- als overdressed?
Im Allgemeinen, aber besonders tagsüber, lieber underdressed. Ich komme mir in Berlin inzwischen manchmal komisch vor, wenn ich Absätze trage...

Ein Outfit, mit dem man nie falsch liegt? Vielleicht sogar von morgens bis abends?
Röhrenjeans in dunkelblau, weißes Herrenhemd oder nicht zu steifes, fließendes schwarzes T-Shirt, dazu schwarzer, gut geschnittener Blazer, schwarze Ballerinas oder Sneaker.

In Berlin haben nur wenig Menschen viel Geld. Muss ein gutes Outfit teuer sein?
Ich bin schon immer zutiefst davon überzeugt, dass ein gutes Outfit oder auch eine gut eingerichtete Wohnung nicht teuer sein muss. Man muss gute Ideen haben, weniges gut inszenieren, sich lieber auf ein paar wenige gute Stücke konzentrieren. Dazu einen schicken Lippenstift, die Haare locker zu einem Dutt auf den Kopf gedreht...

Anders gefragt: Ist es einfacher, sich stilvoll zu kleiden, wenn man ein größeres Budget hat?
Es ist fast schwieriger mit einem größeren Budget, weil man so viel mehr Auswahl hat und sich schneller verzetteln kann. Der Schrank ist überfüllt und man hat zu viele Möglichkeiten, dann braucht man weniger Ideen. Aber genau diese Ideen machen den Special Chic.

Das günstigste Teil, das Sie besitzen?
Sommerschuhe von H&M für 15 Euro. Die habe ich dieses Jahr häufig getragen.

Welche drei Teile sollte jede Frau im Schrank haben?
Wie oben: Dunkelblaue Jeans, weißes T-Shirt und ein schwarzer Blazer, der vielleicht nicht ganz so brav ist.

Was steht für den kommenden Herbst auf Ihrer persönlichen Shopping-Liste?
Einen Wollpullover mit „Nadelstreifen“ von Stella McCartney.

Und wie überlebt man modisch den langen Berliner Winter?
Das ist schwierig!

Den Berliner Stil gibt's auch zum Nachshoppen im STYLEBOOK-Shop!

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