Werbespot-Dreh mit Gender-Model Andrej Pejic
von Christin Ilgner
„Es fällt mir leichter, eine Frau zu sein!"

Das Modeln in Frauenkleidern beherrscht Andrej Pejic aus dem Effeff. Werbespots sind für das Transgender-Model hingegen Neuland. Für eine Schuhmarke stand der 20-Jährige jetzt in Hamburg vor der Kamera. Dabei spielt er nicht nur mit den Geschlechterrollen, sondern kämpft auch mit der deutschen Sprache. STYLEBOOK war beim Dreh dabei – und traf Pejic anschließend zum Interview.

„Für die Diva in mir. Für die Diva in mir. Für die Diiiiva in miiirrr.“ Diesen Satz sagt Andrej Pejic beim Werbespot-Dreh für Zign, einem Schuh-Label des Online-Shops Zalando, an einem sonnigen Tag im Juni einige Male. Eigentlich müsste er sich schon den Mund fusselig geredet haben, doch das australische Model mit serbisch-kroatischen Wurzeln kämpft mit oder gegen die deutsche Sprache und gibt nicht auf. Da ist Pejic ganz Profi: Schließlich lief er bereits für Designer wie Gaultier, Galliano und Marc Jacobs. Auch Michael Michalsky engagierte ihn für seine Show bei der Mercedes Benz Fashion Week Berlin im vergangenen Januar.

Andrej – als Mann geboren – fasziniert als Transgender-Model auf dem Laufsteg nicht nur das Publikum mit seiner androgynen Figur, sondern stellt mit ihr auch weibliche Kolleginnen in den Schatten. Fühlt er sich eher als Mann oder als Frau? Pejic im Gespräch mit STYLEBOOK: „Es fällt mir leichter, als Frau aufzutreten, eine feminine Ausstrahlung zu haben. Es macht mehr Spaß, ich fühle mich damit wohler.“ Er sei drei Jahre alt gewesen, als er zum ersten Mal die Kleider seiner Mutter anzog. „Du wirst damit geboren, es ist ein Teil von dir."


Der Dreh für Zign ist der erste Werbespot in Andrejs Karriere. Elfengleich, in einem nudefarbenen Paillettenkleid, steht er vor der Kamera. Der eher kleine Top-Fotograf Rankin (u.a. bekannt aus „Germany's Next Topmodel“) bildet zu ihm einen schönen Kontrast, wenn er Andrej erklärt: „ A little bit more cheeky , ein bisschen frecher“ – und dabei mit den Händen fuchtelt.

Beim Dreh ist absolute Ruhe angesagt. Anders als bei einem Fotoshooting muss Andrej nicht nur modeln, sondern auch schauspielern. Erhöhter Schwierigkeitsgrad: Das Ganze ist auf Deutsch. Die Idee für den Spot: Jeder Schuh steht für einen andern Typ Frau. Für die elegante Diva, die verruchte Femme fatale, das verrückte Party-Girl oder die freche Göre. Das Wort mit „ö“ bereitet Andrej besondere Schwierigkeiten. 

In der Drehpause und nach einem dickbelegten Brötchen – wir sind beruhigt, auch Männermodels essen – gibt uns Andrej ein Interview. Er hat sich sogar extra für uns umgezogen, trägt jetzt Rock, Boots und Lederjacke. Wir fragen Andrej, warum das Interesse an ihm so groß ist. Die Antwort: „Because I am a crazy bitch!“. Selbstbewusst, der Mann – das lassen wir dann mal so stehen.

Was uns das androgyne Model noch verraten hat: im Video!

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