American Apparel provoziert mit Werbung
von Pia Sundermann
Shitstorm nach Lolita-Uniform

Wenig Kleidung, viel nackte Haut – der Textilkonzern American Apparel lässt keine Gelegenheit aus, mit seinen Anzeigen zu provozieren. Der neuste Skandal: eine Kampagne im Lolita-Look.

  • Skandal-Kampagne von American Apparel

    Foto: Twitter/anygirlfriday

    American Apparel provoziert gerne mit freizügigen Anzeigen. Ging jetzt das US-Modellabel mit der „Lolita“-Kampagne einen Schritt zu weit? Für die Briten auf jeden Fall

Wie einst Benetton, weiß auch das US-Modelabel American Apparel mit seinen Werbeanzeigen zu provozieren. Damit die Marke läuft, setzte AA-Gründer Dov Charney (45) von Anfang an auf die einfache, aber wirkungsvolle Maxime: Sex sells. Die Models, oft Angestellte des Labels, posieren keck in knapper Klamotte, die Kleidung bleibt dabei Nebensache.

So einfach, so gut?
Mit den freizügigen Motiven macht Dov Charney sich nicht nur Freunde. Vielen Kritikern sind die Mädchen zu jung und zu wenig angezogen. Und mittlerweile geht American Apparel sogar noch einen Schritt weiter auf der Provokations-Skala. So sah man in letzter Zeit in den Kampagnen ein Dessous-Model, das weit über 60 Jahre alt war, eine barbusige Muslima oder Schaufenster-Puppen mit aufgeklebtem XXL-Schamhaar. Und auch die neueste Kampagne, entwickelt für den britischen Markt, bewirkte einen gigantischen Shitstorm im Netz.

Provokation mit Schuluniform
Zu sehen ist ein Model in sehr kurzem Tartan-Rock, das sich vornüber in ein Auto beugt. Der Rock ist dadurch nach oben geschoben, zu sehen ist der leicht entblößte Hintern. Obwohl schon Britney Spears (32) 15 Jahre zuvor in ihrem „Baby One More Time“-Musikvideo mit einer Schuluniform auf den Lolita-Effekt setzte und dadurch den musikalischen Durchbruch schaffte, ging dies den Briten zu weit!

Die Briten sind not amused
Für die Briten, sonst nicht unbedingt für ihre Prüderie bekannt, ist die sexy Schulmädchen-Kampagne ein Skandal! Sowohl im Internet als auch bei den britischen Zeitungen löste die „Back to school“-Anzeige eine riesige Shitstorm-Welle aus. Auf Twitter bezeichneten die User die Werbung als „Pornografie für Minderjährige“ und frauenverachtend. Twitter-Nutzerin „Em“ schreibt: „Ihre ‚Back to school‘-Röcke lösen Lolita-Fantasien aus und lassen Sexismus legitim werden.“ Und selbst große UK-Zeitungen, wie „Daily Mail“ wettern gegen den amerikanischen Textil-Riesen. Peter Bradley von der Kinderorganisation „Kidscape“ stellt in der Zeitung dem US-Konzern die Frage: „Würden die Vorstandsmitglieder ihren Töchtern erlauben, diese Miniröcke zu tragen?“

Mittlerweile ist die Kampagne von American Apparel entfernt worden. Aber ob die Briten noch „scharf“ auf deren Klamotten sein werden, bleibt fragwürdig.

Anzeige

Kommentare


Blogs