Nach Krise: Abercrombie & Fitch führt jetzt Plus-Size-Mode

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Nach dickem Skandal
von Laura Pomer
Jetzt setzt Abercrombie & Fitch doch auf Plus-Size

Überraschende Nachrichten aus dem Hause Abercrombie & Fitch: Die Modekette aus den USA will künftig Übergrößen führen. Und das, obwohl die Firmenphilosophie ja eigentlich auf „coole Kids“ ohne Übergewicht! ausgerichtet ist.

  • CEO bei Abercrombie & Fitch: Mike Jeffries

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    „Wir richten uns an die coolen Kids, die attraktiven 'all-american'-Kids mit einer tollen Einstellung und vielen Freunden“, erklärte Abercrombie & Fitch-Chef Mike Jeffries bereits 2006. Angesichts dieser Aussage machten einige Kunden einen Bogen um seine Stores, schlechte Verkaufszahlen waren die Folge



Die Streetwear von Abercrombie & Fitch soll künftig auch in Plus-Size verkauft werden. Vor allem für die weibliche Kundschaft bedeutet das eine Neuerung: Bisher hat es das Frauensortiment nur bis Größe M gegeben, in Zukunft wird es auch L und XL geben. Dieser Schritt in Richtung Normalumfang klingt erst einmal nicht ungewöhnlich – versetzt die Branche jedoch in Staunen.

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Immerhin bekannte sich Mike Jeffries (69), CEO bei Abercrombie & Fitch, bereits 2006 zu seiner diskriminierenden Firmenpolitik: „Wir wollen unsere Sachen nur an gutaussehende, coole Menschen vermarkten und an niemand anderen“, erklärte er damals im Interview mit dem News-Portal Salon.com. Grundsätzlich werden nur die knackigsten der knackigen als Verkaufskraft eingestellt – „denn diese ziehen andere gutaussehende Menschen an.“

Sieben Jahre später folgte der nächste dicke Patzer: Im Gespräch mit Schriftsteller Robin Lewis ließ sich Jeffries weitere bodenlose Äußerungen entlocken. „Er möchte nicht, dass fülligere Personen in seinen Läden einkaufen, sondern nur dünne und schöne Menschen“, erklärte Lewis im Mai dem Wirtschaftsportal „Business Insider“. Im Rahmen der Recherche für sein Buch „Die Regeln des Einzelhandels“ hatte er sich mit dem umstrittenen Firmenchef getroffen und dabei einiges über Jeffries' Markenstrategie herausgefunden: „Leute, die seine Mode tragen, sollen sich fühlen, als gehörten sie zu den ‚Cool Kids‘!“ Und in diesem Bild haben ein paar Pfunde zu viel keinen Platz.

Aus Unternehmenssicht war diese Haltung von vornherein nicht sehr durchdacht. Schließlich schloss Jeffries viele potentielle Kunden von vorne herein aus – und das ausgerechnet in den USA, seinem Hauptumsatzland, wo etwa 20 Prozent der Jugendlichen stark übergewichtig sind. Dieses Ungeschick lässt sich nun in Zahlen ausdrücken: Wie die Firma in ihrem jüngsten Quartalsreport bekannt gab, fielen die Verkaufszahlen um zwölf Prozent. Das entspricht einem Markteinbruch von mehr als einer Milliarde Dollar.

Ob der nicht ganz freiwillige Sinneswandel in Richtung größere Größen zu spät kommt, wird sich zeigen. Die ersten Filialen musste Abercrombie & Fitch in Großbrittanien jedenfalls bereits schließen.


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