Abercrombie & Fitch: Shitstorm und Obdachlosen-Aktion gegen US-Label

Eine gewagte Aktion gegen Abercrombie & Fitch
von Stephanie Beckmann
Kleiderspenden gegen Käufer-Diktat

Nachdem Label-Chef Mike Jeffries klargemacht hat, dass seine Abercrombie-&-Fitch-Klamotten nichts für fülligere Personen sind, empören sich Fashion-Fans, Promis und Aktivisten. Drehbuchautor Greg Karber hat sogar einen Weg gefunden, dem Unternehmen einen Denkzettel zu verpassen und gleichzeitig etwas Gutes zu tun: Er verschenkt A&F-Klamotten nun an Obdachlose. Gute Idee! Oder etwa nicht?

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    Foto: Getty iMages

    Mike Jeffries, Firmenchef der ehemals beliebten Streetwear-Kette Abercrombie & Fitch, setzte sich nun im wahrsten Wortsinne in ein Fettnäpfchen, denn er gestand: Es gibt einen guten Grund dafür, keine Damengrößen XL und XXL zu führen, denn seine Mode ist nicht für dicke Mädchen. Autsch!

Mit seinen diskriminierenden Aussagen hat sich der Firmenchef des amerikanischen Retailers Abercrombie & Fitch ganz schön in die Nesseln gesetzt. Das Unternehmen produziere bewusst keine großen Damenkonfektionen, wie XL und XXL, um fülligere Mädchen auszuschließen, gab A&F-CEO Mike Jeffries offen zu. Mollige passen einfach nicht ins Markenprofil, das cool, sportlich und sexy wirken soll.
 
Ein weltweiter Proteststurm entbrannte nun im Internet und vor den Läden der Highstreet-Kette. „Schönheit gibt es in allen Größen“ oder: „Alle Kinder sind cool“ ist auf Schildern zu lesen. Auf der Firmen-Facebook-Seite äußern ehemalige Fans in rund 2000 Kommentaren ihre Verärgerung und der Shitstorm auf Twitter wird sekündlich heftiger. Auch Promis, wie zum Beispiel Kirstie Alley (62), boykottieren das Label öffentlich. Sie wolle niemals dort einkaufen, sagte sie zum US-amerikanischen Portal „Entertainment Tonight“.

Einer aber ruft per Youtube-Video zu ganz besonderem Aktionismus auf. Drehbuchautor Greg Karber verteilt Abercrombie-&-Fitch-Klamotten an Obdachlose und empfiehlt, es ihm nachzutun. „Guckt eure Schränke und die eurer Freunde und Nachbarn nach A&F-Klamotten durch. Und gebt sie an Obdachlose in eurer Nähe ab.“ Denn, wie sich zu allem Übel noch herausstellte, sind fülligere Menschen nicht die einzigen Diskriminierungsopfer des Unternehmens. Auch bestimmte soziale Gruppen, vor allem ärmere Schichten, sollen ausdrücklich nicht in den Genuss kommen, die Sachen zu tragen, wie die Seite „elitedaily.com“ zitiert.

Karbers Video wurde inzwischen knapp sechs Millionen Mal angesehen. Sein Aufruf klingt zunächst nach einer wirklich guten Idee. Doch die moralische Kritik an seiner Verschenk-Aktion ließ nicht lange auf sich warten. Im Internet wird nun diskutiert, ob es wirklich eine nette Geste ist, die Kleidung zu spenden – oder aber bedürftige Menschen doch eher herabwürdigt. Die britische Obdachlosenzeitung „The Big Issue“ fragt zum Beispiel: „Macht Karber sich nicht selbst schuldig, indem er die Obdachlosen als Schachfiguren für seine eigene Kampagne benutzt?“

Eine berechtigte Frage...
 
Inzwischen ist Jeffries übrigens ein kleines Stück zurück gerudert. Zwar revidiert er seine Aussagen nicht, aber entschuldigt sich: „Es tut mir sehr leid, dass meine Worte in einer Weise interpretiert werden und so für Wirbel sorgen. A&F ist eine aufstrebende Marke, die sich, wie andere Marken auch, an eine spezielle Zielgruppe richtet.“ Schreibt er auf der Facebook-Seite des Unternehmens


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