Reich mit Billigmode
8 Geheimnisse, die Sie noch nicht über C&A wussten

C&A – das steht für nicht nur für bezahlbare Mode, sondern für 175 Jahre Mode-Geschichte, tatsächlich Mode-Revolution und einen geheimnisvollen Familienclan. Wir blicken hinter den Vorhang des Textilkonzerns.

  • C&A Filiale

    Foto: getty images

    Totgesagte leben länger: Seit 175 Jahren gibt es die Modemarke C&A bereits. So lange hat in dieser schnelllebigen Branche noch niemand durchgehalten

C&A ist neben H&M und Zara ein Synonym für Günstig-Mode – hat aber eine viel längere und spannendere Geschichte als die Konkurrenzlabels. Die ZDF-Doku „Die C&A-Story“ (20. September, 20.15 Uhr) blickte erstmals hinter die Kulissen der Textil-Dynastie, die nach vielen Höhen und Tiefen wieder zu den drittgrößten Modemarken (hinter Otto und H&M) in Deutschland zählt.

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STYLEBOOK.de verrät 8 spannende Fakten:

► Wofür steht eigentlich C&A? Nein, nicht für „cheap & awful“ (dtsch. billig & hässlich) wie abfällig im Volksmund kursiert. Die beiden Initialen sind die Anfangsbuchstaben der beiden Unternehmensgründer, die Brüder Clemens (†84) und August (†73) Brenninkmeijer.

  • Clemens und August Brenninkmeijer

    Foto: PR/C&A

    Die beiden C&A Gründer Clemens (†84) und August (†73) Brenninkmeijer

► Zum Textilhandel kamen die beiden Brüder aus der Not. Eigentlich sind die Brenninkmeijers eine Bauernfamilie aus dem westfälischen Mettingen. Um die leeren Kassen aufzubessern und nicht zu verhungern, verdingten sich die beiden Brüder als Tuchhändler in den Niederlanden. Schließlich ließen sie sich im niederländischen Sneek nieder. Noch heute besitzen alle mittlerweile Familienmitglieder einen niederländischen Pass.

► 1841 wurde das Textilunternehmen C&A gegründet, 1860 eröffnete in Sneek der erste Laden. Erst 1911 gab's die erste Filiale in Deutschland, auf der Königsstraße in Berlin (die heutige Rathausstraße am Alexanderplatz). Mittlerweile gibt es über 2000 C&A-Filialen in 23 Ländern. Firmensitz ist Düsseldorf, der Familienstammsitz ist immer noch Mettingen. Die Brenninkmeijers gehören mit einem geschätzten Vermögen von 25 Milliarden Euro zu den reichsten Familien Europas.

  • C&A Kaufhaus in Berlin 1911

    Foto: Presse

    Das erste C&A Kaufhaus in Berlin 1911

► C&A gilt als Begründer der Kleidung von der Stange. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es modische Kleidung in den Kaufhäusern und Geschäften nur auf Maßanfertigung für Gutbetuchte. C&A änderte das mit Konfektionsware, der Einführung eines vereinheitlichten Größensystems (den heutigen Konfektionsgrößen) und dem Selbstbedienungsprinzip. Für die damalige Zeit eine Revolution. „Wir bedienen die, die mit der Straßenbahn fahren“, lautete das Credo von C&A damals. Zur Erklärung: Die Straßenbahn nutzten einfache Leute, wer etwas auf sich hielt, ließ sich in der Kutsche herumfahren – später mit dem Auto. In den 1920er-Jahren führte C&A das Umtauschrecht ein. Zudem war C&A einer der ersten Textilkonzerne, der in Billiglohnländern produzieren ließ.

► Wussten Sie übrigens, dass sogar ein echtes Topmodel C&A wieder cool machte: 2012 entwarf Cindy Crawford (50) eine Kollektion für die Düsseldorfer und warb natürlich persönlich dafür.

  • cindy crawford für C&A

    Foto: dpa picture-alliance

    Was für ein Coup: 2012 warb und designte Supermodel Cindy Crawford für die Modemarke

► Innerhalb des Familienclans gibt es einen strengen Kodex, den alle, die im Unternehmen arbeiten, befolgen müssen. Bereits die beiden Gründer legten Regeln fest, z.B., dass alle männlichen Nachfahren im Unternehmen zu arbeiten haben und Frauen sich aus allem heraushalten sollen. Außerdem lebt die Familie bis heute streng katholisch, was per se ein gewisse Bescheidenheit voraussetzt. Bis heute gilt das Familien-Motto „Eendracht maakt Macht – Eintracht bedeutet Macht“. Die Familie lebte bis vor kurzem extrem öffentlichkeitsscheu und abgeschottet. Bis in die 1990er Jahre wurde nicht einmal die Zahl der C&A-Filialen kommuniziert. Selbst für Mitarbeiter gab es viele Jahre gewisse Regeln im Unternehmen. Beispielsweise durfte es keine Liebesbeziehungen zwischen Mitarbeitern geben.

► Mittlerweile arbeiten nicht alle der über 500 Familienmitglieder im Unternehmen. Philippe Brenninkmeijer (51) ist ein erfolgreicher Schauspieler („Tatort“, „Sex and the City“), Alexander Brenninkmeijer hat sein eigenes Modelabel Clemens en August gegründet, viele sind wegen des katholischen Glaubens im Dienst der Kirche. Wer sich allerdings für eine Karriere im Familienunternehmen entscheidet, muss ein jahrelanges Traineeprogramm durchlaufen. Bis Mitte der 1980er Jahre lebten die männlichen Nachkommen (Frauen durften ja noch nicht im Unternehmen arbeiten) dafür in WG-ähnlichen Apartments in den oberen Etagen der C&A-Warenhäuser mit einer Haushälterin unter strengen Regeln: kein Alkohol, keine Freundin, kein Auto oder sonstige Extravaganzen. Das gibt es nicht mehr, genauso wie viele andere alte Regeln. Heute hat jeder im Unternehmen eine Chance, ob Frau oder Mann, gläubig oder nicht.

  • C&A Showroom Präsentation

    Foto: Courtesy of C&A

    Nach Hochzeiten in den 1970er Jahren, steckte C&A Mitte der 1990er-Jahre in der Krise. Denn auch Marken wie H&M, Esprit und Zara punkteten mit dem Konzept der Billigmode – und zwar cooler als die angestaubte Marke. Heute hat man die Wende geschafft, schreibt mit der Zielgruppe der „mittelmodischen Familie“, die aufs Geld achten muss wieder schwarze Zahlen

► Das besondere im Clan: Anteile am Unternehmen dürfen nicht vererbt werden. Das Prinzip erklärte C&A-Eigentümer Maurice Brenninkmeijer in der „Zeit“: „Wenn ich zurücktrete, werde ich nach einer gewissen Zeit meine Anteile verkaufen. Wenn meine Kinder ins Geschäft eintreten wollen, müssen auch sie sich fürs Trainingsprogramm bewerben, angenommen werden und darin wachsen. Ihre Erfolge und ihre Entwicklung basieren auf ihrem Vor- und nicht auf dem Nachnamen. Und nur wenn sie dann aufgrund ihrer individuellen Verdienste und Wertvorstellungen in eine Führungsposition befördert werden, werden sie eingeladen in die Gruppe der Eigner und können ihrerseits Anteile kaufen.“ Außerdem bekommt jeder Brennikmeijer, der als Eigner im Unternehmen arbeitet, einen externen Betreuer zur Seite gestellt, der ihm, nun ja, auf die Finger guckt.

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