Ärzte warnen
Intimenthaarung schadet Gesundheit UND Sexleben

Schamhaare werden von vielen Menschen als unästhetisch empfunden, die Rasur ist deswegen weit verbreitet. Jetzt warnen Ärzte jedoch vor gesundheitlichen Gefahren durch Intimenthaarung. Zu Recht?

Eine enthaarte Scham gilt für einen attraktiven Körper als obligatorisch. Spätestens seit Erfindung des G-Strings und einer grundsätzlich immer knapper werdenden Bademode werden Härchen untenrum als störend empfunden und sind, völlig anders als in den 70er-Jahren, out. Ein bedenklicher Trend! Das finden zumindest einige Ärzte.

  • Intimrasur

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    Um nackt oder in heißen Höschen sexy auszusehen, enthaaren die meisten Frauen ihre Scham – anscheinend ein fataler Fehler

Kritik am Kampf gegen das Schamhaar
Allen voran Emily Gibson, Leiterin des Gesundheitszentrums an der Western Washington University, findet in einer Abhandlung auf dem Ärzte-Portal „KevinMD“ klare Worte für die „fehlgeleitete“ Entwicklung in den internationalen Intimzonen. Neben soziologischen Dynamiken und dem Wunsch, für den Partner attraktiv zu sein, erkennt sie darin auch eine Sehnsucht nach dem Kind sein – warum sonst würde man die „Resultate des hormonellen Heranwachsens beseitigen“? Einer vermeintlichen Hygieneliebe jedenfalls sei so nicht gedient. „Schon vor langer Zeit haben Chirurgen erkannt, dass das Rasieren bestimmter Körperstellen vor Operationen das Infektionsrisiko erhöht, statt es zu senken“, behauptet sie.

Enthaarung gesundheitsgefährdend?
Anstatt jedes einzelne Haar von den Genitalien zu beseitigen, sollten sich Männer und Frauen den „Sinn“ des Schamhaares ins Gedächtnis rufen: „eine Polsterung gegenüber Reibung, die Hautabrieb und Verletzungen verursachen könnte“, erklärt Gibson, sowie den „Schutz vor Bakterien und Erregern“.

Die Medizinerin spricht sich ganz deutlich dafür aus, im Kampf gegen die Schamhaare Waffenstillstand zu erklären – zumal er sowieso ein verlorener sei. Ob man nass oder elektrisch rasiert, zur Waxing- oder Laserbehandlung gehe: Die Härchen kämen auf jeden Fall zurück, ihre Entfernung hingegen verbleibe in Form kleiner Entzündungen auf der Haut. Gerade durch Sex, dem die Maßnahmen eigentlich zuträglich sein sollten, käme es leicht zu Vereiterungen und Strepro- oder Staphylokokken-Infektionen im Bereich der Schleimhäute.

Das sagt der STYLEBOOK-Experte
STYLEBOOK.de wandte sich an den Dermatologen Dr. med. Timm Golüke, der in seiner Praxis in München jede Form von Haut- und Schleimhauterkrankungen behandelt, und wollte von ihm wissen, ob Intimenthaarung tatsächlich ein Gesundheitsproblem darstellt. Seine Antwort: jein. „Dass Schamhaare eine ‚Polsterung‘ darstellen sollen, ist natürlich völliger Quatsch“, erklärt er. Dafür seien sie ja niemals dicht genug. Auch dass sie Krankheitserreger abwehren können sollen, kann der Hautarzt nicht bestätigen, vielmehr seien ausgerechnet Schamhaare recht schwer von Bakterien zu entfernen.

„Es ist tatsächlich so, dass bei verschiedenen Enthaarungsmaßnahmen Mikroverletzungen entstehen, die Eintrittspforten für Viren darstellen können“, räumt er ein. Sofern gewisse Vorsichts- und Hygienemaßnahmen getroffen wurden, ist das aber kein Problem. Wir wollten es noch ein bisschen genauer wissen.

  • Intimenthaarung

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    Rasieren ist also OK – vorausgesetzt, Sie machen es richtig!

Hierauf ist bei der Intimenthaarung zu achten:

► Finden Sie die richtige Enthaarungsmethode!
Es gibt verschiedene Faktoren, die beeinflussen, ob Rasieren oder Waxing für Sie besser geeignet ist, unter anderem „der genetrisch definierte Austrittswinkel des Haarwuchses“, erklärt Hautarzt Golüke. Ist der nicht senkrecht, sondern eher niedrig, steigt die Wahrscheinlichkeit für eingewachsene Härchen – in dem Fall wären Sie mit einer Rasierklinge besser beraten. Durch regelmäßiges Waxing werden die Haare automatisch dünner und dringen widerstandloser zurück in die Hautoberfläche ein.

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► Treffen Sie Vorkehrungen für das Rasieren!
Unhygienisches Arbeiten, alte oder minderwertige Klinge – wenn Frauen und Männer zwischen den Rasuren immer wieder Pickelchen im Intimbereich finden, kann das verschiedene Ursachen haben. „Beim Rasieren wird die Haut irritiert“, erklärt Dr. Golüke, „speziell durch eine stumpfe Klinge, die nicht reibungslos gleitet und dazu zwingt, mehr Druck auszuüben“. Wurde die Haut vorher nicht gereinigt oder treten durch einen unsauberen Rasierer Bakterien hinein, wächst das Risiko für Entzündungen.

► Das A und O beim Waxing:
Hygiene! Zudem rät Dr. Golüke, nur zu Profis mit viel Erfahrung zu gehen, bestenfalls zum stark frequentierten Waxing-Studio in der Innenstadt, wo womöglich nach brasilianischem Vorbild gearbeitet: hier kommt die Prozedur schließlich her. Extrem sauber zu arbeiten ist hier besonders wichtig, da Warmwachs die Poren öffnet – ein perfekter Eingang für Bakterien. Nach dem Waxing bitte nicht in die Sauna oder zum Sport gehen: Starkes Schwitzen erhöht die Infektionsgefahr. „Auch Geschlechtsverkehr ist innerhalb der ersten 24 Stunden nicht ratsam“, gibt der Dermatologe zu bedenken. Der Schambereich des Partners ist logischerweise nicht klinisch sauber, zudem beim Sex weitere kleinere Verletzungen enstehen.

► Wer besonders zu Reizungen neigt,...
... sollte sowohl nach dem Waxing als auch nach dem Rasieren zu antibakteriell wirksamen Cremes greifen, so Dr. Golükes Rat. „Sie verhindern, dass sich die strapazierten Haarfolikel entzünden.“ In Waxing-Studios arbeiten sie nachbereitend gerne mit Aloe-Vera-haltigen Lotionen, da die Heilpflanze hautberuhigend wirkt und, anders als herkömmliche Pflege-Produkte, keine Allergien auslöst. Auf alles andere sollten Sie am Tag nach dem Waxing besser verzichten.
Tipp
: Wenn Sie Ihre Haare dauerhaft loswerden wollen – investieren Sie in eine Laserbehandlung! Diese Methode empfiehlt sich für besonders empfindliche Hauttypen am meisten, da sie nicht ständig an ihren sensiblen Stellen herummanipulieren müssen und so das Risiko auf Irritationen und Co. minimiert ist.

► Auch gut zu wissen:
Schamhaare erfüllen tatsächlich KEINEN Sinn. Heute zumindest nicht mehr, erklärt uns Dr. Golüke. „Es handelt sich dabei um Reste der rudimentären Behaarung, die in grauer Vorzeit als sexuelle Lockstoffe gedient haben.“ Eigentlich logisch, an den Stellen, an denen Scham- (und auch Achsel-)haare wachsen, riecht es ja auch anders.

Fazit: Ob Haar dran oder Haar ab, kann – und sollte! – jedem selbst überlassen sein.






 

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